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Muss Bührle weg? Provenienzforschung war mangelhaft, sagen Experten

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Zum ersten Mal seit Bestehen der Sammlung hat ein unabhängiges Gremium die Herkunft der Bilder des Waffenhändlers Emil Bührle am Kunsthaus Zürich untersucht. Die Bilanz ist ein harter Schlag. 

Tilgt den Namen Bührle am Kunsthaus Zürich! So könnte man zusammenfassen, was der Präsident des Deutschen Historischen Museums, Raphael Gross, am Freitag vor internationalen Medienvertretern in Zürich forderte. Und das mit Grund. Die erste unabhängige Untersuchung der Provenienzen der Bilder des Waffenhändlers Bührle, die seit 2021 permanent am Kunsthaus ausgestellt sind, brachte unter der Leitung des Historikers unhaltbare Zustände an den Tag.

Die Überprüfung gefordert hatten Stadt und Kanton Zürich sowie das Kunsthaus. Zu klären galt es insbesondere, ob es Hinweise gibt, dass sich unter diesen Werken NS-Raubgut befinde. Hinweise dafür gibt es dafür nun tatsächlich.

Dies bestritten hatten die Provenienzforscher der Stiftung Bührle, die die Untersuchungen bis 2021 stets in Eigenregie vornahmen. Wissenschaftlich haltbar sind sie laut Expertenbericht in keiner Weise. Sie könne zur Gänze zu anderen Ergebnissen führen, wenn man sie unvoreingenommen durchführe – und noch schlimmer: Die Stiftung Bührle verschwieg offenbar, dass von den insgesamt 205 Werken am Kunsthaus weit mehr Bilder als ausgewiesen, nämlich deren 62, während des Holocaust jüdischen Vorbesitzerinnen und -besitzern gehörten. Ihre Herkunft als unproblematisch zu bewerten, wie geschehen, sei eines Hauses, das Subventionen beziehe, nicht würdig.

Jüdische Geschichte sichtbar machen

Raphael Gross fand mit seinem Team insgesamt 18 Werke, bei denen man davon ausgehen – oder zumindest nicht ausschliessen – kann, dass sie einen jüdischen Vorbesitzer hatten, der das Werk zwischen 1933 und 1945 verkaufte. Bei fünf dieser Bilder ist überhaupt zum ersten Mal ein jüdischer Vorbesitzer dokumentiert. In der ursprünglichen Untersuchung der Stiftung Bührle kommen die klaren Worte «jüdisch» oder «Jude» sprechenderweise nicht vor. Zu diesen Bildern – die damit auch die Geschichten ihrer ursprünglichen jüdischen Eigner sichtbar machen – zählt ein eher kleines, nur 40 Zentimeter hohes Ölporträt, gemalt von Vincent van Gogh.

Der «Kopf einer Bäuerin» gehörte, so notierte es auch die Stiftung Bührle, bis zum 20. Oktober 1932 Gustav Schweitzer. Dann wurde es auf einer Auktion in Berlin verkauft. Oder etwa nicht? Gehörte das Bild auch nach 1933, damit also im Verfolgungszeitraum, dem jüdischen Fabrikdirektor und Kunstsammler Schweitzer?

Die Suche nach den Pfaden, die ein Kunstwerk von Hand zu Hand zurücklegt, die sogenannte Provenienzforschung, ist niemals abgeschlossen und nur selten eindeutig. Die Recherche um die Sammlung von Gustav Schweitzer und die Auktion im Oktober 1932 ist ein Versuch, zu verstehen.

Schweitzer, 1880 geboren, leitete einen Luxuspapierkonzern. Mit seiner Frau Lina und den zwei Kindern Marianne und Hans Heinz lebte er in Berlin in der Belletage einer Mehrfamilienvilla. Er sammelte Bibeln, Münzen und eben – Kunst. Werke von Gauguin, Toulouse-Lautrec und Cézanne sollen seine Sammlung geschmückt haben.

1932 versuchte er, 30 Bilder auf einer Auktion zu verkaufen. Den «Kopf einer Bäuerin» wollte er für nicht weniger als 5000 Reichsmark abgeben. Das höchste Gebot, so steht es in den Notizen eines Auktionskatalogs, lag 400 Reichsmark darunter und ging «zurück», darauf deutet ein weiterer Vermerk hin. Auch die heute noch bestehende Fachzeitschrift «Weltkunst» nennt keinen Verkauf.

Enteignet und Flucht ins Exil

Das widerlegt bisherige Annahmen. Die Stiftung wähnte das Bild bislang bis zum Verkauf am 2. April 1941 an Emil Bührle im Besitz einer anonymen Privatsammlung in Frankreich.

Gustav Schweitzer floh zwischen 1934 und 1935 mit dem Zug ins Exil nach Frankreich und 1938, um auf der Suche nach neuen Möglichkeiten seinen Lebensunterhalt im Metallbergbau zu bestreiten, in die Philippinen. 1939 galt sein Eigentum in offiziellen Verzeichnissen als «dem Reiche verfallen», das heisst, die Möbel in der Villa wurden von der Gestapo beschlagnahmt. Gustav Schweitzer starb 1939 an Herzversagen.

Keine Bührle-Sammlung ohne Verfolgung

Es gibt keinen Beleg dafür, dass sich Emil Bührle das Van-Gogh-Gemälde als Raubkunst aneignete. Aber die bisherige Kategorisierung «B», die «keinen Hinweis auf problematische Zusammenhänge» ausmacht, sei unhaltbar. Das macht die Forschung deutlich. Die Hintergründe zur Auktion oder die Geschichte der Familie Schweitzer seien bislang kaum sorgfältig untersucht worden. Nach heutigem Wissensstand und der Bewertung gemäss den etablierten Provenienzkategorien der Berner Ampel» zeigt diese auf Gelb bis Rot.

Raphael Gross’ Einschätzung ist unmissverständlich: «Ohne Verfolgung wäre die Sammlung Bührle nie so zustande gekommen.» Statt mit der Bezeichnung «Sammlung Bührle» einen NS-Profiteur namentlich zu nobilitieren, an seiner Statt die Namen ihrer entrechteten Vorbesitzer zu setzen – um sie von dem Vergessen zu retten –, wäre der nächste Schritt, der nottut.

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