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«Mütter haben häufig ein schlechtes Gewissen»

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«Mütter haben häufig ein schlechtes Gewissen»

Zum Schulanfang ein Gespräch mit Susanne Anliker, Psychologin und Leiterin von Elterntrainingskursen

Sind Eltern heutzutage mit der Erziehung überfordert? Ist das gigantische Angebot an Ratgeberliteratur gar Zeichen eines Eltern-
Notstandes? Susanne Anliker, Psychologin und Leiterin von Elterntrainingskursen, antwortet.

Mit SUSANNE ANLIKER
sprach IRMGARD LEHMANN

Seit rund vier Jahren führt das Familieninstitut der Universität Freiburg Kurse in Partnerschaft und Kindererziehung durch. Welche Bilanz ziehen Sie?

Die aktuellen Zahlen sprechen für sich: Letztes Jahr wurden über 3500 Arbeitsbücher verkauft, die nur in Elternkursen abgegeben werden. Schätzungsweise besuchten etwa 25 Prozent Paare die Kurse. Das würde heissen, dass in der Schweiz etwa 4450 Personen die «Triple P-Elterntrainingskurse» (siehe Kasten) besucht haben.

Die Partnerschaftskurse werden jährlich von 20 bis 30 Paaren besucht – nicht inbegriffen sind die Paar- und Eheberatungen, die das Institut ebenfalls anbietet.

Welches sind die typischen Problemsituationen in Familien?

Bei Kindern Probleme bei Tisch, beim ins Bettgehen, Wutanfälle, Ungehorsam, Streit mit Geschwistern, Probleme in der Schule und mit Hausaufgaben.

Bei Teenagern: Taschengeld und Konsumverhalten, Beziehungen zu Freunden, Essgewohnheiten, Rauchen, schulische Probleme und ebenfalls Hausaufgaben.

Das immense Angebot an Ratgeberliteratur, die regelmässigen Artikel in Zeitungen und Zeitschriften sind einerseits positiv, andererseits können sie aber auch kontraproduktiv wirken und die Unsicherheit der Eltern fördern. Wie sehen Sie das?

Wir stellen ein grosses Interesse an den Kursen fest und beobachten tatsächlich, dass Eltern unsicher sind. Vorab was die Frage der Positionierung betrifft – zwischen autoritärer Erziehung und Laissez-faire-Stil.

Die früheren Modelle, wie eine Familie geführt wurde, haben sich nun einmal verändert und ein Wertewandel hat stattgefunden. Das immense Angebot mag wohl einerseits Unsicherheit stiften, andererseits ist es eine normale Reaktion auf ein steigendes Bedürfnis vonseiten der Elternschaft.

Gemäss Bundesstatistik gibt es für die rund 1,5 Millionen Eltern in der Schweiz jährlich 1100 Kurse und 1300 Einzelveranstaltungen mit circa 50 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Elternkurse boomen und die Tendenz ist steigend. Liegt angesichts dieser Zahlen gar ein Elternnotstand vor?

Es finden ganz unterschiedliche Kurse statt. Nicht alle Kurse sind Erziehungskurse, auch sind die Menschen heute offener gegenüber Weiterbildungen. Das drückt sich auch im Angebot aus. Von einem Elternnotstand würde ich aber nicht sprechen.

Haben berufstätige Eltern oft ein schlechtes Gewissen?

Pauschal kann man das nicht so beurteilen. Wichtig ist, dass Kinder eine gute Betreuung haben und dass die Zeit, die die Eltern mit ihren Kindern verbringen, qualitativ gut ist. Eltern sollen den Weg gehen, den sie für sich gut finden.

Es stimmt allerdings, dass häufig Mütter ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie berufstätig sind. Aber gerade diese Mütter berichten davon, dass sie gerne nach Hause kommen und dann wieder bereit und aufnahmefähig sind für die Bedürfnisse der Kinder und den häuslichen Alltag. Eine Studie hat gezeigt, dass berufstätige Mütter im Schnitt zufriedener sind als die nicht-berufstätigen.

Was raten Sie Eltern ?

Zum Kind eine gute Beziehung aufbauen, zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen und zur Partnerschaft Sorge zu tragen. Ich denke auch, dass es wichtig ist, bei Schwierigkeiten – sei es in der Erziehung oder Partnerschaft – Hilfe zu holen.

Susanne Anliker ist Mitarbeiterin am Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Freiburg.

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