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Nach rechts und links

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Wort zum Sonntag

In der Kirchenwelt, in der ich «gross» geworden bin, war es wichtiger, mich an meine Schuld denn an meine Schönheit zu erinnern. Es war wichtiger, mir die Hölle denn den Himmel auszumalen. Es war wichtiger, nüchtern zur Kommunion zu gehen denn sich nach dem Brot zu sehnen, und Nacktheit schien weit schlimmer zu sein denn Krieg. Mein Vater hat auf eine grosse Liebe verzichtet, weil sie evangelisch war. Das war der einzige Grund. 65 Jahre lang hat er ihr zu jedem Geburtstag in das Land seiner Heimat geschrieben.

Die Kirche hat genau gewusst, was ein Heiliger ist. Und noch genauer hat sie gewusst, was ein Sünder ist. Aber was ein Mensch, was ein verletzliches Kind, was ein unsterblich verliebter Mann ist?

Der geschätzte Seelsorger erzählt mir, dass ein Pfarreiangehöriger seinem Bischof geschrieben habe, weil er am Sonntag die Kommunion jeweils nicht mit den Worten «Der Leib Christi», sondern mit «Das Brot des Lebens» in alle die Hände lege. Und die befreundete Pastoralassistentin hat die Gemeinde schweren Herzens verlassen, weil sie ihr das Evangelium im Gottesdienst nicht vorlesen durfte.

Immer noch wird das Sekundäre zum Primären gemacht. Und immer neu geht es mehr um Prinzipien denn um Menschen. Prinzipien können Menschen richtig krank machen. Und wohl schon immer haben sich religiöse Autoritäten vornehmlich dazu berufen gefühlt, Verirrungen richtigzustellen und Fehlverhalten zu korrigieren.

Auch in Jerusalem machen sich die Priester und Leviten auf, dem Johannes am Jordan die Leviten zu lesen und ihn zu verhören, weil er ohne Erlaubnis tauft und das Primäre wieder zum Primären macht: Ebnet den Weg für den Herrn! Habt nicht allein euer Seelenheil in Blick und starrt nicht nur auf euer Privatglück, sondern schaut auch nach rechts und links, damit die alte Frau, die im Pflegeheim müde vom Leben unter ihrer Bettdecke weint, nicht alleine bleibt.

Jacqueline Keune, 52, ist freischaffende Theologin und lebt in Luzern.

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