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Nacharbeitsgesellschaft

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Gastkolumne

An die Arbeit. Diese zeichnet sich vordergründig immer mehr durch ihr statistisches Verschwinden aus. Rationalisierung, Zentralisierung, Digitalisierung, Auslagerung und so weiter führen zu einem Verlust von Arbeitnehmern. Die Kassiererin wird abgeschafft, der Busfahrer bald auch. Dafür gibts dann Institutionen, die einen Schwatz anbieten, oder wo man sich vielleicht gegen Bezahlung kurz mal anschnauzen lassen kann, oder wo man einfach nur in einer Schlange stehen und sich aufregen darf.

Die Aufregung wird nämlich zu einem raren und wertvollen Gut. Die Steuererklärung ist inzwischen mit FriTax auch schon so einfach geworden, dass es gar nichts mehr zu jammern gibt. Ausser den Rückenschmerzen vom Vorm-Computer-sitzen, aber dafür gibts ja Shiatsu, Rolfing und Yoga. Oder das Spital, wo man sich in einen Computer reinlegt und eine «Humanity Service Employee» (früher: Krankenschwester) einem die Hand hält und gut zuredet. Arbeit geht ja nicht einfach weg, sie geht nur woanders hin. Erst mal von Produktion und Handwerk hin zu Kontrolle, Innovation und in den dritten Sektor: Lifestyle, Therapie, Kunst … Was ist denn Arbeit und was nicht? Mutterschaft ist beispielsweise bezahlte Arbeit, aber nur für 14 Wochen. Und dann? Die Arbeitslosigkeit (gleich Arbeitssuche) ist eine Form der Arbeit, denn sie ist ja bezahlt. Konsumieren ist Arbeiten, denn dafür sind wir auch irgendwie bezahlt. Wenn aber Arbeit ist, was Geld einbringt, ist dann das Kapital unser bester Arbeiter? Und das Putzpersonal oder die Hausfrau arbeitet dann faktisch kaum?

Das Verhältnis von Arbeit (als Leistung) und Bezahlung ist total brüchig. Viel Leistung steht selten mit viel Geld in Verbindung, eher umgekehrt. Je mehr ich hier leiste und Wörter rumschiebe, desto weniger bin ich im Verhältnis zur Zeit bezahlt. Als gut würde ich aber bezeichnen, was Qualität schafft, und das braucht oft Zeit, und die hat einer kaum, wenn er dauernd mit Geldverdienen beschäftigt ist. Gefragt ist eine Mobilisierung des Arbeitsbegriffs, wo unsere Vorstellungen aus dem protestantisch geprägten Leistungsdenken hinaustreten können, hin in eine postindustrielle Utopie, die gesellschaftliche Teilhabe nicht an der Art der Arbeit misst; eine Utopie, in der man sich nicht über seinen Beruf und sein Einkommen zu identifizieren braucht, in der die Arbeitslosigkeit abgeschafft wurde. Wer nicht muss, der kann. Und hier stellt sich die Frage: Was will ich eigentlich? Diese Frage ist ein Vollangriff gegen Faulheit, die nicht darin liegt, sich für diese Frage Zeit zu nehmen, sondern sich einem bestimmten Arbeitsverhältnis zu unterwerfen und für den Profit von anderen zu lächeln. Ich schreibe dies, weil mich die Lektüre einer Kolumne aus dem Wirtschaftsbereich auf ebendieser Seite traurig gemacht hat. Und das klingt jetzt wie ein Leserbrief, das wollte ich nicht. So will ich denn kolumnenartig abschliessen. Hat (ausser der Redaktorin), wer diesen Text gelesen hat, nun gearbeitet? Etwas geleistet auf jeden Fall. Na, dann sag ich mal: Danke für die Mitarbeit!

Martin Schickist Schauspieler und Performancekünstler. Er wuchs in Tafers auf und lebt derzeit hauptsächlich in Berlin. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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