Schwarzenburg 17.10.2013

Vom Tod fürs Leben lernen

Der Koffer für die letzte Reise: In der Ausstellung «dr Tod» ist zu sehen, was 14 Personen aus der Region mitnehmen würden.Bild Aldo Ellena
Das Regionalmuseum Schwarzwasser in Schwarzenburg öffnet dem Tod freiwillig die Tür: Die Sonderausstellung «dr Tod» von Kurator Urs Rohrbacher ermöglicht den Besuchern noch bis zum 24. November 2013 eine faszinierende Grenzerfahrung zwischen Diesseits und Jenseits.

Es ist wohl eine der essenziellsten Fragen der Menschheit, mit der sich die aktuelle Sonderausstellung «dr Tod» im Regionalmuseum Schwarzwasser befasst: Was folgt auf das Leben? Kurator Urs Rohrbach hat mit einem vielköpfigen Helferteam rund 1000 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit investiert, um die letzte aller Grenzen – die zwischen Diesseits und Jenseits – facettenreich zu beleuchten und dem Tod so ein vielseitiges Gesicht zu geben.

Auf dem Weg ins Jenseits

Das in den 1860er-Jahren im Herzen Schwarzenburgs erbaute Stöckli wird seit 1990 als Regionalmuseum Schwarzwasser genutzt und beherbergt rund 4000 historisch relevante Raritäten aus der Region Gantrisch. Die Stuben des Stöcklis werden in jedem Jahr für Sonderausstellungen neu eingerichtet, so auch im Frühlingddieses Jahres, als «dr Tod» Einzug hielt. Der Ausstellungsrundgang ist als Weg eines Sterbenden aufgebaut – vom Schlagen des letzten Stündleins im Totenbett bis hin zur Beerdigung mit anschliessender «Grebt» – dem Leichenmahl.

«Die Ausstellung wirft dabei aber nicht nur Schlaglichter auf den regionalen Umgang mit dem Tod, sondern greift die Thematik auch in ihrer universellen Dimension auf», erklärt der 30-jährige Archäologe Rohrbach das Ausstellungskonzept. Der Themenfächer des gut zweistündigen Rundgangs ist bemerkenswert: Die Ausstellung beinhaltet regionale Sagen und Traditionen, Erkenntnisse aus der Palliativpflege, Beiträge aus Literatur und Kunst, archäologische Funde und religionswissenschaftliche Ansätze. Dabei werden viele Fragen beantwortet – etwa die nach dem Funktionieren eines Krematoriums, oder weshalb die Feuerbestattung im Islam nicht zugelassen ist.

Den letzten Koffer packen

 Aber es werden auch neue Fragen aufgeworfen. Der Zweck: Den Besucher – egal welchen Alters – einfühlsam und bewusst mit seiner eigenen Vergänglichkeit zu konfrontieren. «Der Tod ist etwas sehr Individuelles», sagt Rohrbach. Er zeigt dabei auf vierzehn Köfferchen – angefüllt mit Schokolade, Wein, Büchern, Fotos oder einem I-Pad – die von vierzehn Personen aus der Region für die letzte Reise gepackt oder bewusst leer gelassen wurden: «Uns war es ein besonderes Bedürfnis, dieser Individualität Ausdruck zu verleihen.» Das Sammelsurium der «letzten Köfferchen» ist erheiternd und berührend zugleich und erzeugt damit ein Gefühl, wie es den Besucher im Laufe des Ausstellungsrundgangs das eine oder andere Mal ergreifen wird. Für Urs Rohrbach ist es wichtig, dass der Tod nicht weiter tabuisiert wird: «In unserer offenen Gesellschaft schweigt man sich hierüber noch viel zu sehr aus. Wir wollten dieses Schweigen durchbrechen.» Er ist überzeugt, dass man vom Tod sehr viel für das Leben lernen kann, wenn man sich mit ihm auseinandersetzt.

Programm: Film- und Themenabende

D as Regionalmuseum Schwarzwasser in Schwarzenburg zeigt noch bis zum 24. November die Sonderausstellung «dr Tod – Eine Ausstellung zwischen Diesseits und Jenseits». Dazu wird ein vielseitiges Rahmenprogramm geboten. Von heute Donnerstag bis Samstag werden im Schloss Schwarzenburg und am 1. November in der Kirche Wahlern (jeweils um 20 Uhr) Filme gezeigt, die sich mit dem Tod auseinandersetzen – etwa «Vier Frauen und der Tod» oder «Chrigu». Am 6., 13. und 20. November finden im Bärensaal Schwarzenburg (jeweils um 20 Uhr) theologische Themenabende zu interessanten Fragestellungen statt. Das Museum ist vor allen Anlässen von 17 bis 19.30 Uhr geöffnet, sowie an allen Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr. mz

www.regionalmuseum.com