Schwarzenburg 17.12.2015

Wertvoller Bau mit wertvollem Inhalt

Der Holzbau hat das Prädikat Gold erhalten. Links davon ist das Gebäude des ehemaligen Kurzwellensenders.
Ein mutiges Werk: In Schwarzenburg steht das neue Depot des Museums für Kommunikation Bern. Der Bau hat den Prix Lignum der Holzindustrie erhalten. Er besticht durch seine Einfachheit und die Nutzung von passiver Energie.

 Vereinzelte Bauernhäuser säumen die Ebene zwischen Mamishaus und Schwarzenburg. Mittendrin eine Halle, die einem modernen Landwirtschaftsbau ähnelt. Doch der Schein trügt: In dem Bau neben stolzen Eichenbäumen sind Fahrzeuge aus vergangenen Zeiten untergebracht: historische Postautos, die noch mit «PTT» (Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe) angeschrieben sind, ein gewaltiger blauer Reportagewagen des Schweizer Fernsehens und märchenhafte Kutschen. Es ist der Neubau des Museums für Kommunikation Bern, der neben der Anlage des früheren Kurzwellensenders steht. Die Fahrzeughalle ergänzt das Museumsdepot in den ehemaligen Radiosenderräumen. Die Halle hat den Prix Lignum 2015 der Schweizer Holzindustrie erhalten–mit dem Prädikat Gold auf nationaler Ebene.

Im Topf der Klimaküche

Für den Architekten Patrick Thurston war die Planung des Museumsdepots eine Herausforderung: «Wir befinden uns hier in einer extrem vielfältigen Landschaft im Topf der ganzen Klimaküche», sagt Thurston vor der Halle. «Die Vorgabe war eine 40 mal 52 Meter grosse Halle, deren Feuchtigkeitswerte nicht zu tief und nicht zu hoch sind für die Museumsstücke.» Die ideale Temperatur habe das Museum auf 13 bis 23 Grad festgelegt. «Und der Bau soll für Hunderte von Jahren Bestand haben.»

Erste Abklärungen ergaben, dass der Neubau und die Sanierung des Sendegebäudes auf insgesamt sechs Millionen Franken zu stehen kommen. «Doch das war viel zu teuer, das hätten wir nicht finanzieren können», sagt Museumsdirektorin Jaqueline Strauss. So hat Architekt Thurston auf technische Einfachheit gesetzt, die finanzierbar ist.Kostenpunkt: 2,2 Millionen Franken.Und das Konzept funktioniert.

Der Wind bläst hindurch

Heute bietet das Depot ein optimales Klima bei minimalem Energieaufwand. Gelungen ist dies insbesondere mit passiven Massnahmen: «Wir nützen die Sonne im Winter mit Wandlamellen im Süden und Westen», sagt der Architekt. Im Sommer spendeten die Lamellen hingegen Schatten. Zwischen dem Wetterdach und der eigentlichen Decke des Lagers kann der Wind durchziehen: «Es hat hier viel Wasser von oben und viel Wind.» Den Wind nützten sie zur Regulierung des Klimas im Innenraum, erklärt Thurston. «Die Luft kühlt ab, gerade im Sommer bei hohen Temperaturen.»

Museumsrestaurator Tim Hellstern öffnet die Tür in das Museumsdepot, und eine neue Welt eröffnet sich: Rund 75 historische Fahrzeuge haben in der Halle Schutz erhalten. «Sobald die Leute in dem Depot drin sind, interessieren sie sich nicht mehr für Architektur, sondern schauen fasziniert die Fahrzeuge an», sagt Thurston, lacht fröhlich und fährt weiter mit seinen Erläuterungen: «Hier ist die Brettstapeldecke aus roh gesägtem Weisstannenholz zu sehen.» Sie könne viel Feuchtigkeit aufnehmen und reguliere so das Klima des Innenraums. «Die Dampfbremse ist oberhalb der gestapelten Bretter angebracht.»

Die Bodenplatte sei kranzförmig mit einer Art Bodenheizung ausgestattet. «Mit der Bodenplatte sind wir Risiken eingegangen.» Denn im Sinne eines ökologischen Bauwerks hätten sie auf jegliche Behandlungen oder Abdichtungen verzichtet. Das Lager hat keine Fenster; «schädliche UV-Strahlen können nicht eindringen.» Auch Staub war beim Bau des Museumsdepots ein grosses Thema: «Sie glauben gar nicht, wie viele Kategorien von Staub es gibt», sagte Thurston und schmunzelt. «Auf den Objekten darf kein Staub sein», ergänzt die Museumsdirektorin und schmunzelt ebenfalls: «Wir sind halt schon eine spezielle Bauherrschaft.» Den Neubau finanziert hätten die Stifterinnen Post und Swisscom, «öffentliche Gelder mussten wir nicht beantragen», erklärt Strauss.

«Es ist ein grosser Stall für Postautos, und rundherum grasen Kühe», sagt Thurston draussen auf der Kuhweide und blickt auf sein Werk. Die Jury hat sein Holzgebäude als «ökologischen Pionierbau, mutig gedacht und gebaut» bezeichnet.

Der postgelbe Schatz gehört dem Museum für Kommunikation. Der Sendewagen war in den 50er-Jahren im Einsatz. V-Stützen mit «Geräuschworten» des Autors Beat Sterchi. 

Zahlen und Fakten

Vom Sender zum Museumsdepot

Das neue Depot des Museums für Kommunikation Bern befindet sich auf dem Areal des ehemaligen Kurzwellensenders Schwarzenburg (KWS). «Der Sender wurde 1939 gebaut», sagt Museumsdirektorin Jaqueline Strauss. Seit 1998 ist er stillgelegt, da die Technik veraltet ist und sich Anwohner über den Elektrosmog beklagten. Das Museum für Kommunikation Bern erbte das Areal von Post und Swisscom. Für insgesamt 3,6 Millionen Franken haben diese das alte Gebäude des Kurzwellensenders als Museumslager umgebaut und einen Neubau erstellt. Auf die Frage, ob das Depot nicht zu weit weg ist vom Museum in Bern, sagt Museumsdirektorin Strauss: «Wichtiger ist für uns, dass alles an demselben Ort ist.» Jetzt hätten sie ihre Objekte nicht mehr an verschiedenen Orten zerstreut wie zuvor, sondern alle an einem Ort. «Aber selbstverständlich wäre näher besser, am liebsten gleich an der Helvetiastrasse in Bern», sagt Strauss und schmunzelt, «aber das wäre nun wirklich nicht finanzierbar.»emu