Paar- und Familienberatung 19.11.2013

Drei Dienste in einem Haus

Barbara Hertli (Mitte) hört einer jungen Mutter zu.Bild Corinne Aeberhard
Seit 1913 gibt es die Paar- und Familienberatung Freiburg. Neben der Unterstützung für Eltern mit Kleinkindern bietet der Verein auch Hilfe bei Problemen in der Partnerschaft. Die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen haben diese Woche mit einer Plakatkampagne begonnen.

Frischgebackene Eltern, die im Umgang mit ihrem Neugeborenen Unterstützung suchen; eine Familie, bei welcher die Kinder die Partnerschaft belasten; oder ein Paar, das sich einvernehmlich trennen möchte, bei dem sich die Diskussion zu zweit jedoch als zu schwierig erweist: Sie alle finden Hilfe bei der Paar- und Familienberatung Freiburg (Office Familial), die dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Gegründet hat den Verein im Jahr 1913 Athénaïs Clément, eine wohlhabende Freiburgerin, die sich für soziale Anliegen starkmachte. Zuerst vor allem für die materielle Unterstützung von sozial Benachteiligten konzipiert, entwickelte der Verein im Laufe der Jahre weitere Dienste, die sich an die wechselnden Bedürfnisse der Familien anpassten: 1944 wurde die Hauspflege und die Haushilfe gegründet, 1962 kam die Mütter- und Väterberatung hinzu, zehn Jahre später war es die Eheberatung und 1998 schliesslich die Familienmediation. Heute verfügt das Office Familial Freiburg über drei Sektoren: die Mütter- und Väterberatung, die Ehe- und Familienberatung sowie die Familienmediation.

Verschiedene Dienste

«Diejenigen Eltern, die zu mir kommen, haben nicht grundsätzlich Probleme», betont Barbara Hertli von der Mütter- und Väterberatung des Office Familial. Primär gehe es um die Gesundheit der bis zu fünf Jahre alten Kinder. «Wir schauen beispielsweise, ob sich Gewicht und Grösse angemessen entwickeln oder wie das Essverhalten ist», erklärt Hertli. Dabei kommt es auch oft vor, dass die Eltern von sich aus Herausforderungen oder Probleme ansprechen. Neben alltäglichen Hürden wie dem Trockenwerden oder der Geburt eines zweiten Kindes würden auch immer wieder Depressionen nach der Geburt oder Stress und Probleme in der Partnerschaft angesprochen, so Hertli. «Da ist es ein grosser Vorteil, dass wir auch andere Dienste im Haus haben.»

Es seien vor allem junge Familien, welche seine Hilfe in Anspruch nähmen, sagt Paar- und Familienberater Daniel Waldispühl. «Wenn das Elternsein das Leben als Paar auffrisst, ist das eine grosse Belastung.» In der Beratung gehe es jedoch nicht so sehr darum, konkrete Anweisungen zu geben, sondern vielmehr darum, Klarheit zu schaffen: «Sie sollen sehen, wo der Fehler liegt, aber auch, was noch alles intakt ist.»

Hat sich ein Paar hingegen entschieden, getrennte Wege zu gehen, kommt die Familienmediation ins Spiel. «Will ein Paar sich trennen, aber trotzdem gemeinsam die elterliche Verantwortung wahrnehmen, ist das ein inner- licher Zwiespalt», sagt Mediatorin Monika Schumacher. «Wir bieten hier einen geschützten Gesprächsraum sowie alle Informationen, die einen Entscheidungsprozess ermöglichen.»

Anlässe bis ins Jahr 2014

Die Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum beginnen mit einer Plakatkampagne unter dem Motto «Dialog als Ziel». Die Plakate sind seit dieser Woche in den Bussen des Kantons Freiburg zu sehen. 2014 folgen eine Publikation über die Geschichte des Vereins und die Herausforderungen der Zukunft sowie–in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg–eine Konferenz zum Thema der Paar- und Familienberatung.

Information: Stand auf dem Python-Platz

A m Mittwoch ist der Welttag des Kindes. Zu diesem Anlass stellt die Paar- und Familienberatung Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Verband der Mütterberaterinnen (SVM) auf dem Georges-Python-Platz in Frei burg einen Informationsstand auf. In den letzten Jahren sei das Angebot zwar bekannter geworden, sagt Barbara Hertli von der Mütter- und Väterberatung des Office Familial Freiburg. Trotzdem wüssten noch immer zu wenige Mütter und Väter davon. «Wir leisten eine wichtige Arbeit in der Gesundheitsförderung und in der Prävention», betont sie. «Das ist eine Investition in die Zukunft.» rb