Pierrafortscha 04.12.2014

Energieeffizienz auch in historischen Gebäuden

Das 150 Jahre alte Haus in der Schürra in Pierrafortscha soll energietechnisch auf Vordermann gebracht werden.Bild zvg
Das 150-jährige Heim der Familie Hagger in Pierrafortscha ist halb Märchenhaus, halb Schloss. Eine Auffrischung der Fassade soll den Energieverbrauch senken. Dabei hilft ein Gebäudeenergieausweis mit Beratungsbericht (Geak Plus).

«Dieses Holzhaus mit seinen lichtdurchfluteten Zimmern war Liebe auf den ersten Blick!», erklärt Bénédicte Hagger, die uns mit einem breiten herzhaften Lachen empfängt. Sie hat das Haus vor acht Jahren gekauft und im Innern mit viel Liebe und Respekt restauriert und modernisiert. Doch während der Heizsaison zieht es durch viele Ritzen: Die Fenster sind teils noch die ursprünglichen. Auch die Haustüre und die Balkontüren zu den kleinen Balkonen sind undicht.

Nur im Wintergarten und in der Küche wurden die Fenster ersetzt. Darum brennt im Winter im Eingang tagsüber immer ein Cheminéefeuer, die Wärme verteilt sich über das Treppenhaus bis in die obersten Zimmer. Wärme und Warmwasser liefert ein Heizölkessel. «Nun möchten wir die gestrichene Holzfassade auffrischen und wenn möglich gleichzeitig unseren Heizölverbrauch senken», erklärt Bénédicte Hagger. Rund 8500 Liter beträgt der jährliche Verbrauch für Wärme und Warmwasser.

Um sich über die erforderlichen Massnahmen klar zu werden, hat Bénédicte Hagger das Büro Lutz Architekten in Givisiez beauftragt, «damit die Sanierung im Bereich Energieeffizienz auch architektonisch stimmen wird». Diese schlugen der neunköpfigen Familie vor, als Basis für die Sanierung einen Geak Plus zu erstellen: Geak Plus steht für den Gebäudeenergieausweis mit Beratungsbericht (siehe Kasten).

Metermass und Kamera

Im September inspizierte der Energiefachmann gemeinsam mit Eric Bongard, Architekt bei Lutz, das Haus mit den zwölf Zimmern, die über sechs halbe Stockwerke verteilt und alle über das in der Hausmitte liegende Treppenhaus zugänglich sind, selbstverständlich über eine wunderschöne knarrende alte Holztreppe. Sie messen, begutachten und machen Fotos. Béatrice Hagger hat die Heizöl- und Stromrechnungen bereit gelegt. Im Gespräch erklären die beiden Experten ihr Vorgehen. Weil es keine Pläne gibt, wurde das Haus vorgängig mit einer Drohne ausgemessen.

Zurück in Givisiez gibt Théo Perrelet die Daten in die Geak-Software ein: Das Haus erreicht für die Gebäudehülle die schlechteste Klasse G. «Aufgrund der Fenster und der Blockhausbauweise ist das logisch», erklärt Théo Perrelet. Bei der Effizienz der Gesamtenergie reicht es für die Klasse F. In beiden Bereichen ist A die beste Klasse. Das Büro Lutz erstellt nun drei Sanierungsvarianten: In der ersten werden das Dach isoliert und alle Fenster und Balkontüren ersetzt, was jährlich 1000 Liter Heizöl einspart. Bei der zweiten Variante werden zusätzlich noch die Kellerdecke isoliert, die Innenwände des Spielzimmers im Keller und das Mauerwerk beim Eingang mit einem wärmedämmenden Verputz versehen. Damit sinkt der Heizölverbrauch insgesamt um 1800 Liter.

Reduktion um 29 Prozent

Die umfangreichste Variante sieht neben diesen Massnahmen den Ersatz der Eingangstüre, den Einbau einer Pelletheizung und von Kollektoren vor. «Hier würde die Gesamteffizienz in die gute Klasse C steigen und die Gebäudehülle in die Klasse F», erklärt Théo Perrelet. Aus architektonischen Gründen sehen sie davon ab die Aussenwände zu isolieren: «Dies würde den Charakter des Blockhauses total verändern!» Der jährliche Pelletbedarf würde rund zwölf Tonnen betragen, was einer Reduktion des Energiebedarfs um 29 Prozent entspricht.

Nun liegt es an Bénédicte Hagger zu entscheiden: «Wenn wir Geld in die Energieeffizienz investieren, erhalten wir den Wert des Hauses. Und falls unsere Kinder es einmal verkaufen möchten, ist das sicher lohnend.»

Zahlen und Fakten

Ein Instrument, um Energie zu sparen

Der Geak ist der offizielle Gebäudeenergieausweis der Kantone. Er zeigt, wie energieeffizient Gebäudehülle und Haustechnik sind und wie viel Energie ein Gebäude bei einer Standardnutzung benötigt. Er ist im Kanton Freiburg bei Handänderungen und für Neubauten obligatorisch. Der Geak Plus ist ein Instrument für alle, die ein Gebäude energetisch modernisieren möchten.an