Gesellschaft der Freunde des Gutenberg-Museums 02.02.2013

Gutenbergs Vermächtnis

Aline Sigrist, Präsidentin der Freunde des Museums, und Museumsleiter Stefan Ledergerber mit einer Kniehebelpresse. Bilder Charles Ellena
Im Jahr 2000 wurde in Freiburg das «Schweizerische Museum der grafischen Industrie und der Kommunikation», kurz Gutenberg-Museum, eröffnet. Genau hundert Jahre länger gibt es den Förderverein, der am Ursprung des Museums steht. Morgen Sonntag stellt sich die Gesellschaft der Freunde des Gutenberg-Museums an einem Tag der offenen Tür dem Publikum vor.

Mit seinen beweglichen Metalllettern hat Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den Buchdruck revolutioniert. Sein Name ist bis heute jedem ein Begriff; über die Lebensstationen des Mainzer Patriziersohnes ist jedoch wenig bekannt. Sein Geburtsjahr etwa ist nicht überliefert. Als gesichert gilt, dass er zwischen 1394 und 1405 geboren wurde, wahrscheinlich in seinem Elternhaus in Mainz. Gutenbergs Todestag hingegen kennt man, und zwar dank einer Notiz in einem frühen Mainzer Druck: «Anno Domini 1468 uf Sankt-Blasius-Tag starb der ehrsam Meister Henne Gensfleisch.»

Der St.-Blasius-Tag ist der 3. Februar, und der Todestag Gutenbergs jährt sich damit morgen Sonntag zum 545. Mal. Das Gutenberg-Museum Freiburg nimmt dies zum Anlass, um zum ersten Mal einen «Gutenberg-Tag» durchzuführen, der künftig jedes Jahr stattfinden soll (siehe Kasten). An diesem Tag soll nicht nur das Museum im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Gesellschaft der Freunde des Gutenberg-Museums, der Unterstützungsverein, der auch am Ursprung des Museums steht. So ist der Gutenberg-Tag gleichzeitig die Finissage der Sonderausstellung «Einblicke–Aus dem Fundus der Freunde des Gutenberg-Museums».

Anfänge in Bern

Doch wer sind eigentlich die Freunde des Gutenberg-Museums? Der Verein zählt laut Präsidentin Aline Sigrist über 400 Einzel-, Paar- und Kollektivmitglieder aus der ganzen Schweiz. Und während das Gutenberg-Museum am Liebfrauenplatz in Freiburg erst im Jahr 2000 seine Türen öffnete, gibt es die Freunde schon ungleich länger. Ihre Ursprünge liegen im Jahr 1900, als eine Gruppe von Druckern in Bern den 500. Geburtstag Gutenbergs feierte. Die Drucker taten dies gleichzeitig mit ihren Kollegen in Mainz. Diese hatten mangels exakter historischer Quellen das Jahr 1400 als Geburtsjahr Gutenbergs festgelegt, um genau 500 Jahre später die Gutenberg-Gesellschaft und das Gutenberg-Museum in Mainz zu gründen.

Auch die Berner Drucker organisierten zum 500. Geburtstag Gutenbergs eine Ausstellung, die «Gutenberg-Stube», die zuerst im Historischen Museum Bern und später im Gewerbemuseum im Kornhaus Bern untergebracht war. 1910 gründeten die Drucker formell den «Förderverein Schweizerisches Gutenbergmuseum». 1992 fusionierte dieser mit dem «Förderverein Schweizerisches Berufsmuseum für Buchbinderei» zur Gesellschaft der Freunde des Gutenberg-Museums. Anlass für den Zusammenschluss war laut Aline Sigrist die Tatsache, dass einige Jahre zuvor beide Museen ihre Räume im Gewerbemuseum hatten verlassen müssen. «Da entstand die Idee, ein neues, schweizerisches Museum zu gründen.»

Der Standort Freiburg war jedoch nicht selbstverständlich: «Viele Westschweizer Mitglieder sprachen sich für Epalinges aus, während die Ostschweizer für Bischofszell waren», so Sigrist. Für Freiburg sprach am Ende nebst der Zweisprachigkeit das historische Gebäude, ein Kornhaus aus dem 15. Jahrhundert, also aus der Zeit Gutenbergs. Die Stiftung Gutenberg-Museum kaufte das zuletzt von der Feuerwehr genutzte Gebäude 1985 für einen symbolischen Franken und liess es für sechs Millionen Franken renovieren. Im Jahr 2000 feierte das Museum ein erstes Mal Eröffnung. 2003 musste es wegen finan

zieller Schwierigkeiten vorübergehend schliessen. 2005 wurde es wiedereröffnet und steht heute auf soliden Füssen.

Grosser Fundus

Das sei auch den Freunden des Museums zu verdanken, sagt Direktor Stefan Ledergerber. Dem Verein gehört das Ausstellungsgut, und er unterstützt das Museum mit rund 50 000 Franken im Jahr. «Dieses Geld ist wichtig, damit das Museum funktionieren kann», so Ledergerber.

Die Ausstellung «Einblicke» soll dem Publikum die Bedeutung der Freunde und ihrer umfangreichen Sammlung näherbringen. Sie bildet den Auftakt für eine Reihe von Ausstellungen, die künftig im Jahresrhythmus Objekte aus dem Fundus der Freunde zugänglich machen sollen. Denn was in der Dauerausstellung zu sehen ist, ist nur ein kleiner Teil dieses Fundus. Der Rest, lauter Objekte zur Geschichte des Druckgewerbes, ist in Lagerräumen des Museums oder in der Universitätsbibliothek Bern untergebracht. Zahlreiche Bücher aus mehreren Jahrhunderten, vor allem religiöser und wissenschaftlicher Natur, hat der Verein aus konservatorischen Gründen der Schweizerischen Nationalbibliothek überlassen. «Darunter befanden sich einige Raritäten», sagt Aline Sigrist.

Einen genauen Überblick über die Sammlung gibt es nicht. Sie ist über die Jahrzehnte gewachsen, grossenteils durch Schenkungen von Vereinsmitgliedern aus dem Drucker- und Buchbindergewerbe. Die Ausstellungen im Museum sind darum laut Stefan Ledergerber auch eine Gelegenheit, um den Fundus nach und nach zu inventarisieren.

Entdecken und probieren

In der aktuellen Ausstellung, die noch dieses Wochenende zu sehen ist, geht es um den Holzdruck, die sogenannte Xylografie, und um die Kombination von Holz- und Bleidruck. Zu sehen sind Raritäten wie eine Originalseite aus der Gutenberg-Bibel von 1456 und eines der wenigen erhaltenen Exemplare der Froschauer-Bibel aus dem Jahr 1536, eine der ersten Bibeln in deutscher Sprache, die in der Schweiz gedruckt wurden. Dazu kommen Original-Druckstöcke und Original-Druckerzeugnisse aus mehreren Jahrhunderten.

An einer Kniehebelpresse aus der Mitte des 19. Jahrhunderts können die Besucher ausprobieren, wie der Holzdruck funktioniert hat. Zudem stehen am morgigen Gutenberg-Tag auch das Buchdruck- und das Buchbinderatelier offen, wo alle Interessierten die alten Maschinen bedienen dürfen. Auch bei diesen Maschinen spielen die Freunde des Museums eine wichtige Rolle: «Einige unserer Maschinen funktionieren nur darum noch, weil es im Verein Leute gibt, die noch über das entsprechende Fachwissen verfügen», sagt Stefan Ledergerber. Dieses Wissen zu vermitteln, sei ein wichtiges Anliegen der Freunde. Das Publikum könne so hautnah erleben, was es früher gebraucht habe, um eine einzige Seite zu drucken. «In einer Zeit, in der der Druckbefehl am Computer längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist, ist dieses Bewusstsein vielen abhandengekommen.»

Originalseite aus der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel (1456).Die Froschauer-Bibel wurde ab 1524 gedruckt; das in Freiburg ausgestellte Exemplar stammt aus dem Jahr 1536.Druckstöcke für Spielkarten der Freiburger Dynastie Burdel, die im 18. und 19. Jahrhundert weitherum bekannt waren.

Gutenberg-Tag

Selber setzen und drucken

Das Gutenberg-Museum und die Gesellschaft der Freunde des Museums laden das Publikum morgen Sonntag aus Anlass des 545. Todestages von Johannes Gutenberg zu einem Tag der offenen Tür. Es ist die letzte Gelegenheit, um die Sonderausstellung «Einblicke» mit vielen Objekten aus dem Fundus der Gutenberg-Freunde zu besuchen. Zudem haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, verschiedene Maschinen auszuprobieren. Sie können zum Beispiel ihre Namen selber setzen und giessen oder Karten drucken. Mitglieder der Gutenberg-Freunde geben sowohl in den Ateliers als auch in der Dauerausstellung ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter. Jede halbe Stunde ist ein Film über die Entwicklung der Schrift zu sehen. Zudem können die Besucher an einem Kreativwettbewerb teilnehmen.cs

Verein: «Heute ist jeder ein Drucker»

D ie Gesellschaft der Freunde des Gutenberg-Museums unterstützt das Museum nicht nur ideell und finanziell, sondern auch mit tatkräftiger Mithilfe. Viele Mitglieder sind alte Hasen aus dem Drucker- und Buchbindergewerbe, die ihr Wissen in Führungen weitergeben oder die alten Maschinen in den Ateliers des Museums mit regelmässigen Wartungsarbeiten funktionstüchtig halten.

«Leider fehlt es dem Verein an Nachwuchs», sagt Präsidentin Aline Sigrist. Mit Jahrgang 1953 zähle sie selber zu den jüngsten Mitgliedern, so die gelernte Schriftsetzerin, die schon als Kind in der elterlichen Druckerei mit Bleibuchstaben spielte. Der Verein wolle den Gutenberg-Tag am Sonntag nutzen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Der Aufruf richte sich nicht nur an Leute aus dem Druckgewerbe, sondern an alle, die sich für das Drucken und für Druckerzeugnisse, für die grafische Industrie und die Kommunikation interessierten. «Schliesslich steht heute in fast jedem Haushalt ein Drucker, und fast jeder ist damit auch ein Drucker», so Aline Sigrist. cs