«Female Bandworkshops» 20.05.2016

Helvetia rockt – auch in Freiburg

Unnoted lassen während einer Probe mit ihrem rockigen Sound das Lokal erzittern. Es fehlt die Geigerin Lauriane Tissot.Bild Corinne Aeberhard
Durch das Projekt «Female Bandworkshops» fanden sich fünf Musikerinnen zur Band Unnoted zusammen. Morgen Abend präsentieren sie im Nouveau Monde ihr Musikrepertoire, das sie während acht Monaten erarbeitet haben.

Das Prinzip der Female Bandworkshops ist einfach: Junge Musikerinnen von 15 bis 25 Jahren melden sich an und werden nach Regionen in Bands eingeteilt. «Eine Freundin von mir hat mich auf das Projekt aufmerksam gemacht. Ich wollte schon immer in einer Band spielen und habe mich sofort angemeldet», erzählt die Gitarristin Sandra Lattion. Die Schlagzeugerin Alexia Conus, die schon zuvor in einer Band gespielt hat, sagt: «Ich wollte ein bisschen Abwechslung, neue Musiker kennenlernen und mein Repertoire erweitern.» So fanden sich Sandra, Alexia und drei weitere junge Frauen im Herbst 2015 zur Band Unnoted zusammen. Seitdem proben sie fleissig einmal pro Woche im Centre d’animation du Jura. Betreut und unterstützt wird die Gruppe von der Freiburger Musikerin Gael Kyriakidis, auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Pony del Sol. «Ich mag es, mit jungen Leuten zu arbeiten. Und wenn das Ganze mit Musik zu tun hat, dann umso mehr», erklärt die Musikerin.

Suche nach dem Sound

Vor der ersten Probe kannten sich die Teilnehmerinnen des Bandworkshops nicht. «Am Anfang waren sie noch ein wenig schüchtern, und ich musste sie aus der Reserve locken», erklärt Gael Kyriakidis mit einem Grinsen auf den Lippen – denn mittlerweile ist der Umgang zwischen den jungen Musikerinnen ungezwungen und freundschaftlich. «Wir haben zuerst zusammen über Musik diskutiert, etliche Jamsessions gemacht und dann ein Lied eingespielt, das alle kennen», erinnert sich Sängerin Jessica Thomson. Danach habe immer wieder jemand ein neues Lied vorgeschlagen, und so sei ein abwechslungsreiches Repertoire entstanden. Neben den meist rockigen Coversongs haben Unnoted auch ein eigenes Lied namens «Ma Route» auf Lager. Die nostalgische und doch energievolle Melodie sei aus einer Improvisation entstanden, erklärt Alexia Conus. Jessica Thomson hat den Text dazu verfasst: «Ich habe versucht, die Atmosphäre der Melodie in Worte zu übersetzten. Im Lied geht es darum, seinen eigenen Weg zu wählen, ohne sich von anderen beeinflussen zu lassen.»

Eine Band unter Frauen

Speziell bei den Female Bandworkshops ist, dass die Bands nur aus Frauen bestehen. «Am Musizieren in der Band gefällt mir vor allem der Austausch. Jeder hat seinen Stil, seine Art, sein Leben und seine Vergangenheit. Und jeder gibt etwas davon und trägt dazu bei, dass schliesslich etwas Gutes dabei rauskommt», schwärmt Jessica Thomson. Sandra Lattion gefällt das Spielen in einer weiblichen Gruppe: «Zwischen Frauen ist es einfacher, Dinge beim Namen zu nennen. Wenn Männer dabei sind, hält man sich eher zurück und hat mehr Angst vor Beurteilung.» Auch Jessica Thomson findet: «In einer reinen Frauengruppe bilden sich schneller Freundschaften.» Alexia Conus spricht aus Erfahrung, wenn sie schliesslich anmerkt: «Mit Männern ist eine Band um einiges chaotischer. Die Organisation ist in einer Frauenband viel einfacher.»

 Letzten Samstag hatten Unnoted im KiFF Aarau ihren ersten Auftritt. «Es war toll! Mit den ganzen Lichtern, dem Rauch ...», sagt Sandra Lattion begeistert. Morgen werden sie endlich an ihrem Entstehungsort Freiburg ihr erstes Konzert geben.

Nouveau Monde,Alter Bahnhof, Freiburg. Sa., 21. Mai, Türöffnung 20.15 Uhr, Konzertbeginn 20.45 Uhr.

Female Bandworkshops: Mehr Frauen sollen Instrumente spielen

N ur fünf bis zehn Prozent aller professionellen Instrumentalisten in der Schweiz sind weiblich. Diesem Ungleichgewicht will Helvetia rockt, die Koordinationsstelle für Musikerinnen in Jazz, Pop und Rock, entgegenwirken. Mit den Female Bandworkshops hat der Verein ein Nachwuchsförderprogramm für junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren entworfen, das im Herbst 2015 zum dritten Mal startete. An insgesamt elf Standorten, verteilt über alle vier Sprachregionen der Schweiz, fanden sich junge Musikerinnen zu komplett weiblichen Bands zusammen. Über acht Monate hinweg erarbeiteten die rund 70 Frauen in ihren Bands ein solides Musikrepertoire. Betreut wurden sie dabei von rund 20 professionellen Musikerinnen, die ihnen mit ihrer Erfahrung zur Seite standen. Nun haben die Bands die Möglichkeit, an mehreren Konzerten ihr lang erprobtes Repertoire zum Besten zu geben und sich gleichzeitig mit den anderen Gruppen auszutauschen. Am 19. Juni werden sich dann alle elf Bands in Bern zu einem nationalen Abschlusskonzert zusammenfinden und einen ganzen Nachmittag lang Musik machen. Des Weiteren haben die jungen Frauen die Möglichkeit, einen ihrer Songs an einem Studiotag professionell aufzunehmen und so wertvolle Erfahrungen zu sammeln. mes