Inge von der Crone 22.01.2014

Märchen helfen, die Angst zu überwinden

Die Märchenstunden mit Inge von der Crone sind bei den Kindern des Inselspitals sehr beliebt. Bild zvg
Inge von der Crone erzählt seit vierzehn Jahren Märchen im Inselspital Bern. Ein Märchen kann den Kindern helfen, mit einer schwierigen Situation besser umzugehen. Die Freiburgerin weiss von vielen beglückenden Momenten mit den kleinen Patienten des Spitals zu berichten.

«Möchtet Ihr, dass ich Euch eine Geschichte erzähle?», fragt Inge von der Crone. «Ja», antwortet das Kind mit dem verbundenen Arm, «ein Tiermärchen.» «Gut, dann erzähle ich Euch eines aus Afrika von einer Ziege und einem Löwen.» Märchen mit Tieren sind bei den Jungen im Berner Inselspital besonders beliebt; Mädchen lieben vor allem jene mit Prinzessinnen. Aus dem Stegreif erzählt Inge von der Crone im Spitalzimmer, wie die Ziege versehentlich in die Höhle eines Löwen gerät. Sie imitiert die Stimme der Ziege und des Löwen und zieht so ihr Publikum allmählich in den Bann.

Eine bekannte Erzählerin

«Märchen haben eine grosse symbolische Kraft», erklärt Inge von der Crone. «Sie erzählen aus dem Leben, deshalb sind sie bei Kindern so beliebt.» Einmal pro Woche pendelt die in Freiburg wohn- hafte Märchenerzählerin nach Bern. «Ich habe schon als Kind Märchen geliebt», sagt Inge von der Crone. Die Ausbildung zur Kindergärtnerin erlaubte es ihr, diese Leidenschaft im Beruf auszuleben. Später wurde sie als Erzählerin in Basel bekannt. Mit ihrem Mann, der bei der Ciba-Geigy arbeitete, zog sie 1983 nach Marly. «In Freiburg konnte ich mein Französisch verbessern, und ich habe begonnen, auch in dieser Sprache zu erzählen.» Dies sei ihr heute noch eine Hilfe. «In Bern sind auch französischsprachige Kinder hospitalisiert.» Heute wohnt Inge von der Crone in der Stadt Freiburg.

Viele fröhliche Momente

Im Spital erlebe sie nicht nur Erheiterndes. «Es gibt zum Teil schwierige Momente, zum Beispiel, wenn einem Kind eine Operation bevorsteht», sagt Inge von der Crone. Ein Märchen könne den Kindern helfen, mit einer schwierigen Situation umzugehen. «Die Figuren im Märchen haben oftmals eine schwere Prüfung zu bestehen, und es kommt zu einem guten Ende.» Dies spende den Kindern Mut. Nach dem Erzählabend im Spital seien die Kinder auf der Station sehr ruhig. «Das Pflegepersonal lobt unsere Arbeit, weil das Märchenerzählen auf der ganzen Station eine entspannte Atmosphäre schafft.» Im Gegensatz zur allgemeinen Vorstellung sei der Alltag im Kinderspital alles andere als bedrückend. «Es ist eine falsche Vorstellung, dass die Kinder dort traurig sind», sagt die Märchenerzählerin. «Im Spital sind ganz normale Kinder, die lachen und weinen, wie es alle anderen Kinder auch tun.» Die Arbeit im Spital belaste sie nicht. «Das Märchenerzählen ist beglückend, sowohl für die Kinder als auch für mich», sagt Inge von der Crone.

Märchen finden Anklang

Die Märchenerzählerin kannaus einem Fundus von über 150 Märchen schöpfen. «Ich wechsle immer ab, so bleibt das Erzählen auch für mich spannend.» Die Zusammenarbeit mit dem Spital ist deshalb so erfolgreich, weil die Initianten selbst für die Finanzierung der Erzählstunden sorgen (siehe Kasten). «Wir sind professionelle Erzählerinnen; deshalb findet das Angebot viel Unterstützung.»

Die Ziege aus dem Märchen von Inge von der Crone hat den Löwen in die Irre geführt. Sie wird nun von den anderen Tieren als eines der mächtigsten in der Savanne geachtet. Das Publikum ist verzaubert.

Zum Projekt: Profis erzählen Märchen

G emeinsam mit zwei Kolleginnen erzählt Inge von der Crone Märchen im Inselspital Bern. Pro Juventute hat das Projekt vor vierzehn Jahren ins Leben gerufen. Die professionell ausgebildeten Erzählerinnen werden durch Spenden finanziert. Jedes Kind wird gefragt, ob es eine Geschichte hören möchte. Bis ins Alter von achtzehn Jahren können alle vom Angebot profitieren. Aufgrund der hohen Beliebtheit haben die Erzählerinnen dieses Jahr ihr Pensum erhöht. Statt einmal alle zwei Wochen besuchen sie die Kinder nun jede Woche. sta

Weitere Informationen: www.projuventute-bern.ch