Nationalratsliste 09.05.2015

Deutliche Absage an Christa Mutter

Sie wurden bereits im Februar für die Nationalratsliste der Grünen nominiert: Laurent Thévoz, Sylvie Bonvin, Marc Antoine Messer, Nicolas Pasquier (hinten v.l.), Gerhard Andrey und Nicole Bardet. Bild Alain Wicht/a
Die Grünen des Kantons Freiburg haben ihre Nationalratsliste in einer Kampfwahl mit einer siebten Kandidatin komplettiert – mit der deutschsprachigen Silvie Halbherr aus dem Seebezirk. Christa Mutter aus der Stadt Freiburg holte nur einen Drittel der Stimmen.

Nominationsveranstaltungensind für Parteien Momente, in denen sie ihre Stärke und Einheit zeigen – gegen innen, aber auch gegen aussen. Nicht so bei den Grünen des Kantons Freiburg. Bereits bei der ersten Nominationsversammlung für die Nationalratswahlen im Februar hatte es Misstöne gegeben. Der Vorstand präsentierte damals sechs Kandidatinnen und Kandidaten; eine weitere Person sollte noch gesucht werden. Die General-, Agglo- und Grossrätin Christa Mutter aus der Stadt Freiburg liess wissen, sie würde schon kandidieren, doch fehle ihr der Rückhalt des Kantonalvorstands.

Am Donnerstagabend haben die Grünen in Bulle nun die siebte Linie auf ihrer Nationalratsliste beschrieben. Am Sonntag hatte Mutter der Partei mitgeteilt, sie sei bereit, in den Wahlkampf zu ziehen. Der Vorstand seinerseits präsentierte mit Silvie Halbherr aus Muntelier seine Wunschkandidatin. So hatten die rund 35 Versammlungsmitglieder die Wahl zwischen zwei deutschsprachigen Frauen.

Sonst aber unterscheiden sich die Kandidatinnen stark: Mutter ist weitherum bekannt, hat eine grosse politische Erfahrung und kennt sich in politischen Themen auf nationaler Ebene bestens aus. Bei den letzten Nationalratswahlen hat die 55-Jährige auf der Liste der Grünen mit Abstand am meisten Stimmen geholt. Die 60-jährige Halbherr hingegen ist ein politisch unbeschriebenes Blatt. Sie steht für die Politik des Kantonalvorstands, der die Grünen im ganzen Kanton verankern und mit Kandidierenden aus allen Bezirken in den Wahlkampf ziehen will.

Mutter sagte: «Mit mir haben die Grünen die Möglichkeit, endlich einen Sitz zu holen und nicht nur als Wasserträger für die anderen Parteien zu fungieren.» Der frühere Kantonalpräsident Marc Antoine Messer aus Avry sagte jedoch klar und direkt: «Christa, ich unterstütze deine Kandidatur nicht.» Im Seebezirk könnten die Grünen ohne Kandidatin aus der Region keine Stimmen holen.

Laurent Thévoz, langjähriger Grossrat aus der Stadtsektion und Kandidat für die Nationalratswahlen, sagte: «Unsere Liste ist so stark wie noch nie, wir brauchen keine Retterin.» Die bereits nominierte 34-jährige Nicole Bardet aus Romont wandte sich direkt an Mutter: «Ich kämpfe gerne für die grünen Ideen, aber ich trage nicht gerne interne Kämpfe aus.» Die Erfahrungen mit Mutter bei den Wahlen im Jahr 2011 seien für sie extrem demotivierend gewesen. «Ich kann dir kein Vertrauen mehr schenken», sagte sie.

 Geheime Abstimmung

Parteipräsident Luc Bardet gab bekannt, dass vor der Versammlung ein Antrag auf geheime Abstimmung eingegangen sei. Die Stadtsektion um Christa Mutter reagierte empört, doch die Abstimmung wurde geheim durchgeführt. Das Resultat war deutlich: Silvie Halbherr erhielt 23 Stimmen, Christa Mutter 11.

Mutter gratulierte Halbherr – und fügte gleich an, die Stadtsektion erwarte nun vom Kantonalvorstand, dass er mithelfe, die Sektion wieder aufzubauen. Die Stadt habe nicht einmal einen Kandidaten auf der Nationalratsliste. Diese Äusserung stiess auf Unmut, ist doch der Städter Thévoz auf der Liste. «Er wohnt in der Stadt, aber er ist nicht der Kandidat der Stadtsektion », sagte Mutter. Thévoz meinte: «In einer Krise kann man reagieren, indem man den Fehler bei den anderen sucht. Man kann aber auch sich selber infrage stellen. Die Stadtsektion sollte beide Strategien anwenden.»

Ein Richtungsentscheid

 Nach der Versammlung sagte Christa Mutter den FN, diese Wahl sei ein Richtungsentscheid gewesen: «Ich wollte eine reelle Chance auf einen Sitz, doch die Partei hat sich entschieden, Stimmenlieferant zu sein.» Das ermüde jene, die sich seit Jahrzehnten für die Partei engagierten. Persönlich könne sie mit dem Resultat gut leben: «Mit einem Wahlkampf wäre ich zeitlich am Limit gewesen.»

Wahlkampfleiter Bruno Marmier sah den Entscheid für Halbherr als Ausdruck des Willens, neuen Mitgliedern in der Partei mehr Raum zu geben – das bedeute auch, dass andere Mitglieder Platz machen müssten. «Solche Prozesse sind nie sehr angenehm, aber sie sind nötig.» Parteipräsident Luc Bardet sagte, erstmals in ihrer Geschichte hätten die Freiburger Grünen geheim abgestimmt. «Das zeigt, dass unsere Partei erwachsen wird und manchmal auch schwierige Entscheide fällen muss.»

Weitere Liste: Die forschen Jungen

D e r Nachwuchs der Grünen präsentierte am Donnerstagabend se ine Liste für den Nationalrat. Sechs Kandidatinnen und Kandidaten für die Nationalratsliste stehen bereits fest, eine siebte Person wird noch gesucht. Die Co-Präsidenten Monica Mendez aus Freiburg und Mathieu Gauss aus Lovens betonten, dass die Sektion der Jungen Grünen vor allem rund um Freiburg Mitglieder habe.

Die Grünen lobten das Engagement der Jungen – doch kam sogleich die Frage auf, ob die Grüne Partei eine Listenverbindung mit den Jungen eingehen könne oder sich eher auf die Listenverbindungen mit den anderen Linksparteien konzentrieren solle. «Wir sind in Verhandlungen», sagte Wahlkampfleiter Bruno Marmier, «mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu sagen». Grossrätin Christa Mutter sagte, die linken Grossratsmitglieder hätten den Parteivorständen mehrere Vorschläge zu Listenverbindungen gemacht. Das rief den Ärger anderer Parteimitglieder hervor: «Verhandeln nun die Grossräte Vorschläge für Listenverbindungen?», fragte Marc Antoine Messer. Präsident Luc Bardet beschwichtigte: «Die Grossratsmitglieder sind in Kontakt mit uns.»

Die Jungen Grünen liessen sich von der Debatte nicht beeindrucken: «Wir wollen nicht in Parteiquerelen hineingezogen werden», sagte Monica Mendez. Die Jungen Grünen stellten eine Liste, egal, ob es eine Listenverbindung mit der Mutterpartei gebe oder nicht. njb

Die Liste: Monica Mendez, 26-jährig, Freiburg, Studentin; Natasha Stegmann, 26-jährig, Freiburg, Ethnologin; Mathieu Gauss, 21-jährig, Lovens, KV-Lehrling; Camille Crestani, 21-jährig, Châtel-St-Denis, Studentin der Pflege; Claire Descombes, 19-jährig, Givisiez, Gymnasiastin; Lucien Begert, 26-jährig, Freiburg, Informatiker.