Sommerserie 19.08.2016

Eine zusätzliche Währung für den Kanton

Mit einer Lokalwährung soll das Geld in der Region bleiben.Bild zvg
Eine Gruppe des Kollektivs «Fribourg Demain» beschäftigt sich mit Geld und Wirtschaft. Ein Ziel des sechsköpfigen Teams ist die Einführung einer Komplementärwährung in Freiburg. Im Moment ist diese aber noch pure Theorie.

Die sechs Mitglieder der Gruppe «Geld und Wirtschaft» von «Fribourg Demain» haben eine gemeinsame Vision: Eine Währung einführen, die nur im Kanton Freiburg und seiner nahen Umgebung gültig ist. Das mag im ersten Moment sehr ambitioniert klingen. Tatsächlich wurde jedoch schon im Kanton Genf eine sogenannte «lokale Komplementärwährung», der «Léman», erfolgreich eingeführt und auch im Wallis ist ein ähnliches Projekt in Planung.

 Lokalen Einkauf fördern

Das Grundprinzip ist einfach: Lokale Händler und Produzenten unterschreiben eine Charta, um die Alternativwährung in ihrem Geschäft führen zu dürfen. Damit versprechen die Geschäfte, immer mehr lokale, biologische und fair produzierte Waren zu verkaufen. «Auf diese Weise bleibt das Geld in der Region, erhöht die lokale Wertschöpfung und sichert Arbeitsplätze», erklärt Prisca Vythelingum. Denkbar wäre für die Gruppe, dass der Kanton oder die Gemeinden einen Teil des Lohnes in der lokalen Währung auszahlen. Im Gegenzug könnten die Einwohner einen Teil der Steuern in der Regionalwährung begleichen, wodurch die Kollektivität zu einem verantwortungsvolleren Konsumverhalten motiviert und die regionale Vernetzung verstärkt würde. So weit sei die Planung aber noch nicht.

Viele offene Fragen

Im Moment beschäftige sich die Projektgruppe noch mit unzähligen theoretischen Fragen: «Wir dürfen uns keinen Fehler leisten», betont Caroline Arbellay. Denn sei die Währung einmal eingeführt, lasse sich nichts mehr rückgängig machen.

Viele Komplementärwährungen seien vor allem während und nach der Weltwirtschaftskrise entstanden. «Die Menschen haben realisiert, dass das System fehlbar ist», erklärt Arbellay, und Edouard Perroud ergänzt: «Allein in Griechenland sind in der Krisenzeit rund 20 lokale Währungen kreiert worden.» In Freiburg selbst gehe es den Menschen hingegen fast zu gut: «Die Freiburger wollen eigentlich keine Veränderung», so Arbellay. Aus diesem Grund stehe hier nicht der Mangel an Vertrauen in die nationale Währung, sondern eine allgemeine Bewusstseinsveränderung im Zentrum. Mit ihrer Komplementärwährung will die Projektgruppe das ursprüngliche Wirtschaftssystem hinterfragen: «Auf einer politischen Ebene wird nicht oft genug erwähnt, dass Geld das Mittel ist und nicht der Zweck», erläutert Perroud. Schliesslich sollte es ursprünglich den Austausch von Gütern erleichtern und nicht selbst Wert erschaffen, so Abellay. «Die Menschen sollen wieder zu Akteuren werden», sagt Vythelingum.

In derSommerserie«Demain» präsentieren die FN ökologische und soziale Projekte im Kanton Freiburg.