Salvatore Lombardo 23.10.2013

Mit dem Blues auf der Suche nach der Seele

Für Schlagzeuger Salvatore Lombardo ist der Blues eine Lebensschule.Bild Charles Ellena
Blues hat für den Schlagzeuger Salvatore Lombardo nichts mit Depressionen zu tun. Für ihn ist der Blues die Suche nach seinem Innern und die Verwandlung in positive Lebensenergie. Genau das erlebt er jeweils im Herbst: eine Zeit der Selbstfindung und der Metamorphose.

Blues gilt als Musik jener Volksgruppen, die gelitten haben: Sklaven und Auswanderer, Schwarze und Iren. Die Wurzeln des Bluesmusikers Salvatore Lombardo liegen in Sizilien. «Die Sizilianer waren oft unterworfen, und sie sprechen wenig», sagt Lombardo. «Aber ich sehe das Leiden im Blues persönlicher: ein Schmerz, ein Bruch, ein Verlust.»

Er selber hat auch solche Phasen erlebt, aber er sieht sie als Prüfungen im Leben, von denen man lernt, an denen man wächst. Dies hat Salvatore Lombardo zum gefragten Blues-Schlagzeuger auf dem Platz Freiburg gemacht. Lombardo spielte für Bonny B., für Little JC, und nun gibt er bei der Gruppe Thiago oder einmal die Woche bei der Hausband des Sous-Sol den Takt an.

«Blues ist das Leiden, das man in seinem Innern sucht, es hervorholt und in etwas Positives verwandelt.» Genau da sieht Lombardo die Verbindung zum Herbst. «Es ist die Jahreszeit, während der man in sein Inneres blickt. Und es ist diese Verwandlung: Den Sommer lebt man voll aus, doch dann braucht es Zeit zum Atmen.»

Den Blues will Salvatore Lombardo nicht mit Depression gleichsetzen. «Gewiss sagt man: Ich habe den Blues», so der Musiker. «Aber das wird falsch verstanden. Es geht viel mehr darum, dass man mit seinem Innern verbunden ist. Wenn einer sagt: ‹Play the blues›, dann meint er damit, die Seele hervorzuholen, das, was jetzt gerade in diesem Moment echt und wahr ist.»

Genauso spielt Salvatore Lombardo am Schlagzeug den Blues: «Ich lasse mich fallen, ich spiele, was gerade kommt.»

Blues-Schlagzeuger sind rar. Lombardo erklärt es sich so: «Das Geheimnis des Blues liegt in seiner Einfachheit. Doch das macht es so schwierig: Es braucht viel Zeit, um einfach zu spielen. Bis ich nicht mehr überlege, sondern nur noch fühle.»

Bei diesem Prozess entdeckt er seine Mitmusiker, wie Lombardo sagt: «Plötzlich spiele ich nur noch nach Gehör. Zuhören ist wichtig, sowohl sich selbst wie auch den Mitmusikern. So finde ich zu mir selber und zu den Musikern um mich herum. Das ist musikalisch und auch menschlich zu verstehen.»

Diese Einfachheit erlaubt es einem Bluesmusiker, fast jede Musik zu spielen, ist Lombardo überzeugt. «Ich habe schon in Bands ausgeholfen, bei denen sonst ein technisch versierter Schlagzeuger spielt. Die Band war dann erstaunt, wie einfach man ihre Musik spielen kann.»

Salvatore Lombardo ist Berufsmusiker, aber live oder im Studio trifft man den Mittvierziger nicht mehr so häufig an. Sein Standbein heisst heute «Play to play», ein musikalisches Institut, bei dem die Freude im Vordergrund steht. Die Musik nimmt da bisweilen therapeutische Ansätze an. «Ich bin kein Therapeut», stellt Lombardo aber klar. Er habe zwar eine anderthalbjährige Ausbildung in Musiktherapie gemacht, ohne aber das Ziel zu verfolgen, selber Kurse zu geben. Mit Musik will Lombardo bei sich in Echarlens Jugendlichen helfen, sich selbst zu entdecken und eine Sensibilität zu entwickeln.

Da ist sie wieder: die Suche nach dem Innern, die den Blues ausmacht. Auf die gleiche Suche macht sich Lombardo in Workshops der Organisation Reper in Freiburg. «Da habe ich mit Jugendlichen zu tun, die keinen Ausbildungsplatz finden. Durch die Musik versuche ich ihnen zu helfen, Dinge in ihrem Innern zu entdecken, sich selbst zu bestätigen und wieder etwas zu wagen.»

Selbstfindung statt Selbstzweifel, Lebensfreude statt Traurigkeit. Für Salvatore Lombardo gilt dies sowohl für den Blues als auch für den Herbst.

Die FN beleuchten in einerHerbstserie während den Ferien verschiedenste Themen rund um die aktuelle Jahreszeit.

 

Agenda

Die Weinkeller im Vully und Bonnys Blues Club

Wenn sich der Nebel über das Seeland legt, öffnen sich seit einigen Jahren die Weinkeller des Vully dem Blues. Dieses Jahr findet das Vully Blues Festival am 8. und 9. November in Praz statt. Zwölf Bluesbands spielen an den beiden Abenden in insgesamt acht Weinkellern. Vom Mississippi-Blues über den Chicago-Blues bis zum Blues-Rock sind alle Stilrichtungen vertreten. Erstmals findet dieses Jahr am Samstagnachmittag ein Off-Festival mit jungen Musikern statt. In Bonnys Blues Club an der Nikolaus-von-Flüe-Gasse in Freiburg finden die nächsten drei Samstage Blues-Events statt: ein Blues-Diner, Nightshift und die Nacht der Sänger. Immer wieder ertönt Blues in der Bar Le Cintra an der Perollesstrasse.uh