Westschweizer Jungunternehmen 28.07.2016

Solarenergie leicht gemacht

Die Investitionskosten für eine Solaranlage fallen beim Geschäftsmodell von Younergy weg.Bild Aldo Ellena/a
Ein Westschweizer Jungunternehmen will Solarenergie fördern: Es installiert Hausbesitzern kostenlos die Solaranlage und erledigt die administrativen Arbeiten. Die Kunden verpflichten sich, für den produzierten Strom 20 Jahre lang einen fixen Preis zu bezahlen.

Hohe Investitionskosten und viel Bürokratie: Diese zwei Dinge halten Hausbesitzer oft davon ab, auf ihrem Dach eine Solaranlage zu installieren. «Wir räumen ihnen diese Hindernisse aus dem Weg», sagt Oscar Ax, der bei der Firma Younergy für den Aufbau des Marktes in der Deutschschweiz verantwortlich ist.

Das Geschäftsmodell des Lausanner Start-ups ist simpel: Die Firma installiert kostenlos eine Solaranlage auf dem Dach des Hausbesitzers und übernimmt den gesamten administrativen Aufwand von Planung und Einholen der Baubewilligung, über das Einfordern von staatlichen Subventionen bis zu Verhandlungen mit dem aktuellen Stromanbieter. Der Hausbesitzer bezahlt anschliessend in Form eines Solar-Abos für den produzierten Strom: Der Preis wird für 20 Jahre festgelegt und hängt einerseits davon ab, wie viel Strom mit der Anlage produziert werden kann und wie die Preise in der Wohngemeinde sind. Im Schnitt liegt der Younergy-Preis bei 20 Rappen pro Kilowattstunde, was im Rahmen der Angebote anderer nicht grüner Stromversorger liegt.

Geringes Risiko

Produziert eine Anlage zudem mehr Strom, als der Hausbesitzer verbraucht, fliesst der überschüssige Strom ins Netz. Die Einspeisevergütung geht zurück an den Hausbesitzer.

Laut Ax liegt das einzige Risiko für den Kunden darin, dass der Preis von anderen Stromversorgern in einigen Jahren sinken könnte und der Younergy-Kunde damit vergleichsweise mehr bezahlt. «Das ist aber unwahrscheinlich. Experten sagen uns, dass die Netzpreise eher steigen werden», sagt Oscar Ax. Auch wenn die Firma in Probleme käme und gar Konkurs anmelden müsste, trage der Kunde kein Risiko: «Die Anlage würde dann ihm gehören.»

Grosse Nachfrage

Ein Konkurs scheint zurzeit zudem unwahrscheinlich: Vor dreieinhalb Jahren haben drei Männer, die zuvor bereits im Bereich Solarenergie tätig waren, Younergy auf dem ETH-Campus in Lausanne gegründet und sich zwei Jahre Zeit genommen mit der Planung. Sie haben laut Ax–der in diesem Jahr zu Firma stiess–insbesondere eine Software entwickelt, welche es ermöglicht, das Potenzial für die Solarstromproduktion auf einem Dach aufgrund dessen Neigung und Lage möglichst genau auszurechnen. Auch galt es, einen Überblick über die Vorschriften in den verschiedenen Kantonen sowie die Strompreise zu gewinnen.

Vor eineinhalb Jahren begann die Firma dann, das Solar-Abo in der Westschweiz anzubieten; und sie hat bereits hundert Anlagen installiert. In der Deutschschweiz vermarktet Younergy sein Produkt seit diesem Frühling, in Deutschfreiburg sind nun zehn Anlagen in Planung.

«Die Nachfrage ist riesig», sagt Oscar Ax. Viele Leute möchten Strom aus nachhaltigen Quellen. Er betont auch, dass Younergy bei der Installation der Solaranlagen wenn möglich lokale Unternehmen berücksichtige. «Das hat Vorteile für die Kunden, die Installation dauert dann weniger lang.»

Langfristige Einnahme

Auch seitens der Investoren sei das Interesse am Geschäftsmodell von Younergy gross. Ax will diese jedoch nicht namentlich nennen, da zurzeit Verhandlungen mit neuen Investoren laufen. «Banken und Pensionskassen gehören dazu», sagt er lediglich. Für die Investoren seien Solaranlagen attraktiv, da sie eine langfristige Einnahmequelle darstellten.

Ziel von Younergy sei aber nicht eine maximale Rendite, so Oscar Ax. «In der Energieproduktion braucht es in den nächsten Jahren eine Veränderung. Wir wollen grünen, nachhaltigen Strom fördern.» Die Firma hat deshalb als Ziel formuliert, dass die Zahl der Solaranlagen dank Younergy bis 2020 um 50 Prozent steigt. Heute sind auf zwei Prozent aller Hausdächer Solaranlagen installiert.

Als Vergleich führt der Jungunternehmer auf: Das Bundesamt für Energie schätzt, dass bis 2050 circa 20 Prozent des heutigen Stromverbrauchs in der Schweiz durch Solarenergie abgedeckt werden könnte. «Dies ist gegenüber unserer eine viel optimistischere Schätzung.»

«Wir wollen grünen, nachhaltigen Strom fördern.»

Oscar Ax

Younergy

Groupe E: Ergänzung zu anderen Anbietern

D as Freiburger Energieunternehmen Groupe E steht dem Geschäftsmodell von Younergy gelassen gegenüber: «Solche Modelle sieht Groupe E als Ergänzung im Rahmen der Entwicklung der neuen erneuerbaren Energien», schreibt Mediensprecherin Iris Mende auf die Fragen der FN.

Zwar gebe es gewisse Überschneidungen mit den Tätigkeiten von Groupe E Connect bei der Installation von Solaranlagen. «Groupe E hebt sich in diesem Bereich jedoch von ihren Konkurrenten ab, in dem sie die Technologie auf intelligente Art und Weise mit anderen Leistungen kombiniert.» Als Beispiel führt Mende die Kombination von Solaranlagen mit einer Wärmepumpe für Warmwasser oder zum Heizen auf, oder die Kombination mit einer Ladestation für Elektroautos. Groupe E Connect fördere zudem den Verbrauch direkt vor Ort, womit sich die Wirtschaftlichkeit der Anlage verbessere.

Bislang habe sich Groupe E nicht überlegt, ein ähnliches Modell wie Younergy anzubieten. Durch die Einmalvergütung des Bundes seien die Investitionen für kleine Solaranlagen mittlerweile gesunken, so dass sich diese für Kunden lohne, ohne sich auf 20 Jahre zur Übernahme des Stroms zu einem bestimmten Preis zu verpflichten.

Ob der Strompreis künftig wie von Younergy angenommen steigen wird, sei schwierig zu sagen, so Mende. Die Entwicklung hänge in erster Linie von politischen Entscheiden ab, so etwa in Bezug auf den Atomausstieg. Der Marktpreis für reine Energie sei allerdings aktuell tatsächlich sehr tief: «Man kann annehmen, dass die Talsohle nun erreicht ist», so Mende. Wie lange die Preise auf dem heutigen Niveau bleiben, ob zwei oder zehn Jahre, lasse sich nicht voraussehen. Das Modell von Younergy lasse sich vergleichen mit einer 20-Jahres-Hypothek: Der Kunde habe die Sicherheit, einen festen Preis zu bekommen und nicht dem Risiko der Preisschwankungen unterworfen zu sein. Dafür profitiere er aber auch nicht, wenn die Preise fallen. mir