Galm 11.06.2013

Der Eichenwald Galm feiert Geburtstag

Seit 300 Jahren im Galmwald. Für Förster Thomas Oberson sind die Eichen die Königinnen der Bäume.Bild Aldo Ellena
Vor 300 Jahren liess der Schultheiss von Murten im Galmwald grossflächig Eichen anpflanzen. Einige dieser Eichen stehen bis heute dort. Ihr 300. Geburtstag wird am Samstag mit einem Fest gefeiert. Zum Jubiläum wird ein neuer Lehrpfad eingeweiht, und Galm erhält ein Wappen.

Im Jahre 1713 erhielt der Schultheiss von Murten denBefehl, im Gebiet des heutigen Galmwaldes Eichen anzupflanzen. Auf einer Fläche von insgesamt 150 Hektaren sollte Eichenwald entstehen, lautete die Anweisung der Obrigkeit aus Bern und Freiburg. Ein Teil der damals gepflanzten Traubeneichen steht bis heute. Ausdiesem Grund findet am Samstag das Jubiläumsfest «300 Jahre Galmeichen» statt.

300 alte Eichen von damals

Vom einst angesäten Eichenwald sind heute noch rund sieben Hektaren übrig. «Insgesamt stehen noch rund 300 Eichen von damals», erklärte Thomas Oberson gestern vor den Medien. Er ist Förster der Revierkörperschaft Galm, die den Wald im Auftrag des Kantons bewirtschaftet.«Weitere sieben Hektarenwurden 1999 durch den Sturm Lothar zerstört.» In den letzten Jahren wurde aber gezielt neuer Eichenwald angelegt. Ziel ist es, den Eichenwald im Galm zu erhalten. «Ohne den Menschen gäbe es keinen Eichenwald, wie wir ihn hier haben. Die Buche würde die Eichen zurückdrängen», erklärt Oberson. Mit ihrem langsamen Wachstum stehen die Eichen unter starkem Konkurrenzdruck anderer Arten. Um den Eichenwald zu erhalten, ist daher laut Oberson viel Pflege nötig. Um die Lokalrasse derTraubeneiche zu erhalten,dient ein Teil des Galmwaldes als Genreservat.

Eichen werden im Galmwald kaum abgeholzt: Im Schnitt nur alle zwei Jahre rund 50 Kubikmeter. Das Holz wird an Spezialisten verkauft, die daraus zum Beispiel Möbel oder Eichenfässer machen. «Ein Vully-Winzer verwendet Eichenfässer aus dem Galmwald», so Oberson. Den Wein gibt es am Jubiläumsfest zu trinken.

 Zum 300-Jahr-Jubiläum hat die Revierkörperschaft Galm den seit 1993 bestehenden Eichenpfad neu gestaltet. «Der alte Pfad richtete sich vor allem an Erwachsene, neu sprechen wir mit spielerischen Elementen auch Kinder an», sagt Oberson. Mit Hilfe der Grafikerin Marion Jiranek aus Villarepos wurde die Fee «Galmeline» entwickelt: Diese märchenhafte Figur ist der Aufhänger des Erlebnispfades.«Sie begleitet die Besucherinnen und Besucher sozusagen auf dem Erlebnispfad durch den Wald.» Beim Start ist sie als grosse Holzfigur präsent, unterwegs auf märchenhaften Zeichnungen bei den insgesamt neun Posten.

 Die Posten liefern auf Infotafeln unterschiedlichste Informationen rund um die Eiche und den Eichenwald. «Das reicht von den Entwicklungsstadien der Eiche über die Nachhaltigkeit bis zur Mythologie», erklärt Oberson. Bei vier Posten sind die Kinder zudem eingeladen, selber aktiv zu werden. «Sie können einander mit einem Baumtelefon anrufen, den Waldboden barfuss erkunden, das Gleichgewicht testen oder sich im Weitsprung mit den Waldtieren vergleichen», so Oberson.

Mächtige «Grossmutter»

Der Pfad führt auch zu ganz speziellen Bäumen wie der «Grossmutter»: So wird eine der grössten Eichen genannt. Sie ist rund 35 Meter hoch und trägt eine mächtige Baumkrone. «Obwohl sie grösser ist, ist sie wie die anderen Bäume 300 Jahre alt», so Oberson. Je nach Licht, Boden und Wasserwürden die Eichen unterschiedlich schnell wachsen.Für ihn sei es immer wieder beeindruckend, wenn er sichvorstelle, dass diese Eicheschon zu Zeiten Napoleons dastand. «Für uns Förster ist die Eiche die Königin der Bäume, und es ist eine Ehre, mit ihnen zu arbeiten.»

Staatswald Galm: Gemeinde ohne Einwohner bekommt ein Wappen

D er Galmwald ist in der Schweiz ein Unikum: Er bildet eine eigenständige geografische Gemeinde ohne Einwohner. «Die Einwohner sind sozusagen die Eichen», sagt Dominique Schaller, der zuständige Forstingenieur und damit etwas wie der Ammann von Galm. Zustande kam diese Einrichtung, als nach dem Ende des Ancien Régime eine neue Nutzungsregelung für den Wald nötig wurde. So wurde der Galmwald im Jahr 1811 zwischen dem Staat Freiburg und den Gemeinden Jeuss, Lurtigen, Liebistorf, Salvenach und Ulmiz aufgeteilt. Die Gemeinden teilten sich rund 100 Hektaren, 270 Hektaren gingen als Staatswald Galm in Kantonsbesitz über. Bis heute ist der Staatswald direkt dem Kanton unterstellt und kann als Gemeinde Einsitz in Gemeindeverbände nehmen.

Zum Jubiläum erhält die Gemeinde Galm nun laut Schaller erstmals ein Wappen. Es wurde mit Hilfe des Staatsarchivs und Heraldik-Experten entwickelt und wird am Samstag beim Jubiläum erstmals präsentiert. luk

Programm

Polit-Prominenz und zahlreiche Attraktionen

Am Jubiläumsfest vom Samstag findet um 10.30 Uhr unter Mitwirkung von Staatsrätin Marie Garnier sowie der Landwehr deroffizielle Festaktmit Einweihung des Wappens und des neuen Erlebnispfades statt.Ansprachenhalten SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel, Grossratspräsident Pascal Kuenlin, Oberamtmann Daniel Lehmann, Albert Bachmann, Präsident des Freiburger Gemeindeverbands, und Walter Schwab, Vorsteher des Amtes für Wald, Wild und Fischerei. Zudem werden ganztags Attraktionen geboten: Die «Compagnie des Quatre Lunes» und die «Compagnie Abaldir» zeigenmittelalterliche Darbietungen;es gibt Fahrten mitPferd und Wagenund eine Einführung insEichenklettern.Weiter kann derErlebnispfadbesichtigt werden, und um 14 und um 16 Uhr trägt einErzählerGeschichten vor. Um 18 Uhr spielt dieMusikgesellschaft Gurmelszum Konzert auf. Zudem lädt eineFestwirtschaftein.luk