Murten 07.11.2014

Gegen das behördliche Lichterlöschen

Die Gassen in der Murtner Altstadt sind unter der Woche nur bis eine halbe Stunde nach Mitternacht beleuchtet.Bild Charles Ellena
Seit dem letzten Jahr wird in Murten die öffentliche Beleuchtung in der Nacht abgestellt. Die Wirte organisieren eine Kundgebung, um das behördliche Energiesparen zu kritisieren. Beim Happening heute Nacht mit Suppe und Glühwein soll die Bevölkerung zu Wort kommen.

Seit rund anderthalb Jahren ist es in den Quartieren und in der Altstadt von Murten wegen der Nachtabschaltung der öffentlichen Beleuchtung nach Mitternacht dunkel. Was für die Gemeinde ein Beitrag für das Sparen von Energie ist, bedeutet für andere Unsicherheit und Angstgefühle in dunklen Gassen.

Die Wirte von Murten wehren sich nun gegen das amtliche Lichterlöschen. In der Nacht von heute auf Samstag haben sie eine Kundgebung im Stedtli angekündigt. «Es kann nicht sein, dass unser touristisches Städtchen nach Mitternacht zur Geisterstadt wird», heisst es in einem Flyer. Die Gastwirte organisieren heute Nacht um halb eins deshalb ein Happening beim Mittleren Brunnen in der Hauptgasse. Die Wirte servieren Suppe und Glühwein, Teilnehmer sollen ein Liechtli mitnehmen, heisst es auf dem Flyer.

Plattform für Kritik

«Viele Restaurant- und Bar-Gäste gehen früher nach Hause, weil sie sich im Dunkeln unsicher fühlen», sagt der Leiter der Gastrogruppe Murten, Martin Fürst. Auch die Touristen seien oft erstaunt, dass es auf einmal dunkel werde.

Ein weiteres Problem sei die Situation auch für die Mitarbeiter der Gastrobetriebe, die im Dunkeln nach Hause oder zu ihren Autos gehen müssten. Gerade im Winter, mit Glatteis oder schlechter Sicht durch Regen, sei es auch ein Sicherheitsproblem, so Fürst. «Mit dem Happening von heute Nacht wollen wir mit den Leuten gemütlich zusammensitzen und ihnen eine Plattform bieten, ihre Sorgen oder Kritik zu äussern.» Die verschiedenen Feedbacks würden dann dem Gemeinderat übergeben.

Zu wenig kritische Stimmen

 Gemeinderätin Ursula Schneider Schüttel weiss, dass die Abschaltung der öffentlichen Beleuchtung nicht allen passt. Dies zeigten Rückmeldungen bei der Gemeinde. Allerdings sei das Problem nicht akut: «Es gibt kritische Stimmen aus der Bevölkerung, allerdings nicht sehr viele», so Schneider Schüttel. «Wirklich betroffen von der Abschaltung sind eigentlich nur die wenigen Barbetreiber, die später als die normalen Gastrobetriebe schliessen.» Im Moment sieht sie keinen Anlass, die Beleuchtung wieder einzuschalten. Allerdings werde die öffentliche Beleuchtung im Gemeinderat wieder diskutiert. «Wir werden die Nachtabschaltung aufgrund der Rückmeldungen aus der Bevölkerung analysieren.

Parteien wollen Evaluation

Obwohl der Generalrat vor zwei Jahren für die Nachtabschaltung war (siehe Kasten), sind nicht alle politischen Parteien grundsätzlich mit dem Lichterlöschen einverstanden. An der letzten Generalratssitzung hat die FDP in einer Anfrage vom Gemeinderat gefordert, die Erfahrungen mit der Nachtabschaltung zu evaluieren. FDP-Fraktionspräsident Urs Kramer sagte auf Anfrage, dass ihm einige negative Reaktionen und Begebenheiten wie Pöbeleien bekannt seien. «Wir brauchen jetzt sicher eine Evaluation über die vergangenen Monate und allenfalls auch Anpassungen.»

Auch die SVP möchte eine Zwischenbilanz: «Wir wollen wissen, wie viel tatsächlich gespart wurde, sagt SVP-Fraktionspräsidentin Susanne Moser. Persönlich habe sie das Gefühl, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht gross sei. SP-Präsidentin Bernadette Haenni findet hingegen, dass eine Mehrheit mit der Dunkelheit leben kann. «Nach eineinhalb Jahren weiss man nun, welche Kinderkrankheiten das Lichterlöschen mit sich gebracht hat.» Nun sei es am Gemeinderat, diese zu beheben.

Die Grünliberalen (GLP) finden nach wie vor, dass eine Umrüstung auf LED sinnvoll wäre. «Damit kann man die Ziele wie Energiesparen und weniger Lichtverschmutzung erreichen, ohne das Licht gleich ganz abzuschalten», sagt Fraktionspräsident Martin Leu. Wie Leu findet CVP-Fraktionspräsident Hugo Wanner, dass die Gemeinde auf LED setzen soll. Er denkt, dass man neuralgische Orte wie etwa Kreuzungen besser beleuchten sollte.

Murten Tourismus hat sich mit dem Problem noch nicht offiziell befasst, aber persönlich bedauert Geschäftsführer Stephane Moret die Situation. Wenn in einem Restaurant die Lichter ausgingen, bedeute dies Feierabend. «Ohne Licht in den Gassen sieht es irgendwie so aus, als hätte das ganze Stedtli Feierabend.»

Unbestritten Generalrat sagte mehrheitlich Ja

B egonnen hat das Lichterlöschen in Murten mit einem Test im Quartier Merlachfeld. Der Test habe positive Erfahrungen gebracht, sagte damals der Gemeinderat. Deshalb wurde im Generalrat im Oktober 2012 ein Kredit beantragt, die Aktion auf das ganze Gemeindegebiet auszuweiten.

Alle politischen Fraktionen waren dafür und genehmigten den Kredit, um die Massnahmen umzusetzen. Der Gemeinderat wollte mit den Massnahmen zwei Ziele erreichen: Energie sparen und die Lichtverschmutzung reduzieren. Laut dem Murtner Gemeinderat wird mit der Nachtabschaltung ein Drittel der jährlichen Kosten von 115 000 Franken für die öffentliche Beleuchtung gespart. Seit rund anderthalb Jahren wird in Murten die Beleuchtung unter der Woche um 00:30 abgestellt, am Freitag und Samstag um 1 Uhr. tk