«Die Murtenstellung» 09.01.2013

Panzersperren, Höhlen und Bunker

Wurde 2007 als Militärdenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft: die Panzersperren im Löwenberg. Bild Corinne Aeberhard
Die Befestigungen auf dem Mont Vully, Panzersperren im Löwenberg, Bunker auf dem Jolimont oder der Stützpunkt Bibernächer: Die aktuelle Publikation «Die Murtenstellung» widmet sich Überbleibseln aus der Zeit der Weltkriege.

Die beiden grossen Weltkriege sind Geschichte. Rund um Murten gibt es aber noch etliche Überbleibsel, die an diese Zeit erinnern: So etwa die toblerone-ähnlichen Panzersperren im Löwenberg, Befestigungen auf dem Mont Vully oder der Stützpunkt Bibernächer zwischen Gurmels und Liebistorf. In seinem aktuellen Jahresheft «Die Murtenstellung» stellt der Verein Historische Militäranlagen Freiburg/Bern die militärischen Anlagen aus der Zeit des Aktivdienstes von 1939 bis 1945 ins Zentrum.

Platz für 110 Soldaten

 Teile der heute noch sichtbaren Bauten aus der Zeit der beiden Weltkriege sind im Jahr 2007 als Militärdenkmäler von nationaler Bedeutung eingestuft worden, erklärt Jürg Keller, Präsident des Militäranlagen-Vereins und Autor der Publikation. «Die Bauten dürfen nicht abgerissen werden. Als militärische Denkmäler bestehen sie weiter.»

 Die Sandsteinhöhlen im Vully etwa sind Überreste aus der Zeit der Mobilmachung 1914 bis 1918. Die Höhlen sind während dem Ersten Weltkrieg als sogenannte Kavernen gebaut worden. «Sie boten Platz für 110 Soldaten und acht Maschinengewehre», sagt Keller. Ab 1918 standen sie leer, für den Zweiten Weltkrieg waren sie nicht mehr brauchbar. Heute sind die Sandsteinhöhlen ein beliebtes Ausflugsziel für Schulreisen.

Nur Verein hat Schlüssel

Auch Bunker auf dem Jolimont gehören zu den militärischen Bauten von nationaler Bedeutung. In diese kann aber nicht jedermann hinuntersteigen. Zu einer dieser Anlagen, welche einst als bombensichere Unterkunft diente und sich etwa zehn Meter unter dem Boden befindet, hat der Verein Historische Militäranlagen den Schlüssel. Die Eingangstüre öffnet er aber nur für geführte Touren.

Unikum Bibernächer

Die Bedeutung der Militäranlagen aus dem Ersten Weltkrieg schwand im Zweiten Weltkrieg. «Im Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen wegen bautechnischen und taktischen Mängeln nicht mehr gebraucht», sagt Keller. Ausschlaggebend war der Operationsbefehl Nummer 12 aus dem Jahr 1940. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs genügte die Vorneverteidigung der Schweiz an der Grenze zwischen Basel und Sargans nicht mehr. Wegen der Ringsumbedrohung zogen sich grosse Teile der Armee in den Alpenraum zurück. Die Murtenstellung wurde aber nach diesem Rückzug ein wichtiger Teil der sogenannten vorgeschobenen Stellung. Diese wurde dann im Sommer 1941, als sich noch mehr Soldaten ins Reduit zurückzogen, von Truppen belegt, die zwischen dem Jura und den Alpen das Vorrücken eines Gegners zu verzögern hatten.

Das einzige Bauwerk aus der Zeit der Grenzbesetzung 1914 bis 1918, welches im Zweiten Weltkrieg genutzt wurde, ist die Anlage Bibernächer zwischen Gurmels und Liebistorf – «ein Unikum in der Schweiz», wie Keller sagt. Diese Anlage wurde im Ersten Weltkrieg als Stützpunkt gebaut. «1918 wurde ein Teil davon zugeschüttet, den anderen liess man stehen.» Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser dann in ein Panzerhindernis integriert.

Das Ende der Stellung

Während der Zeit des Kalten Krieges hatte die Armee die Anlagen für einen Ernstfall weiterhin unterhalten. Bis in die Neunzigerjahre wurde in den Anlagen von der Munition über Lebensmittel bis zu Sanitätsmaterial alles gelagert und laufend erneuert, wie Keller weiss. «2003 wurden die Anlagen definitiv deklassifiziert.» Seit diesem Zeitpunkt ist der Standort der Bauten auch kein Geheimnis mehr.

Das Jahresheft «Die Murtenstellung» kann für 15 Franken unter der Mailadresse vh-ma@bluewin.ch bezogen werden.

 

 

Der Verein
Militäranlagen als Kulturgut erhalten
Die Publikation «Die Murtenstellung» ist das aktuelle Jahresheft des Vereins Historische Militäranlagen Freiburg/Bern. Der Verein will die militärischen Verteidigungsbauten in den Kantonen Freiburg und Bern dokumentieren und Teile davon als Kulturgut der Schweiz erhalten. Letztes Jahr hat der Verein rund 20 Gruppen zu den noch bestehenden Anlagen geführt. Bei den Führungen wird die militärhistorische Bedeutung des Raumes Murten aufgezeigt. hs