Plaffeien 15.02.2016

Ein kantonales Schwimmbad im Oberland

Bei schlechtem Wetter sollen Touristen in Zukunft ins Schwimmbad gehen können, statt im kalten Wasser zu spielen. Bild Charles Ellena
Der Kanton Freiburg hat einen Bedarf an vier bis sechs neuen 25-Meter-Schwimmbecken. Geht es nach dem Plaffeier CVP-Politiker Daniel Bürdel, wird eines davon in der Gemeinde Plaffeien gebaut. Eine Arbeitsgruppe soll ein Konzept erstellen und dann ein Gesuch einreichen.

Das Thema Schwimmbad wurde im Sense-Oberland während Jahren in erster Linie mit den Plänen für ein Wellnessbad in Schwarzsee in Verbindung gebracht. 2012 galt das Projekt nach siebenjährigem Hin und Her offiziell als gescheitert (siehe blauen Kasten). Doch bereits damals war klar, dass diese Vision nicht für immer vom Tisch ist. Denn Schwarzsee muss für die Touristen nebst den Bergbahnen auch wetterunabhängige Angebote bereithalten–die laufende Wintersaison verdeutlicht dies einmal mehr.

Nun gibt es in Plaffeien einen neuen Ansatz für den Bau eines Schwimmbades. Wie der CVP-Gemeinde- und Grossrat Daniel Bürdel Recherchen der FN bestätigt, möchte er beim Kanton ein Subventionsgesuch für ein 25-Meter-Becken einreichen, das auf Boden der Gemeinde Plaffeien zu stehen kommen soll. «Ich bin daran, eine Arbeitsgruppe auf die Beine zu stellen, die prüfen soll, ob und wo dies realisierbar ist und ob unsere Region das stemmen könnte», erklärt Bürdel auf Anfrage. Vier bis fünf Personen will er dafür vereinen und mindestens einen Vertreter von Schwarzsee Tourismus ins Boot holen. «Denn Plaffeien alleine könnte dies nicht finanzieren», so Bürdel.

 Die Chancen, dass ein Schwimmbad im Sense-Oberland Finanzhilfe vom Kanton erhält, stehen gar nicht so schlecht. Denn der Kanton Freiburg hat gemäss Benoît Gisler, Dienstchef beim Amt für Sport, einen Bedarf an vier bis sechs neuen Schwimmbädern von kantonaler Bedeutung. Das sind 25-Meter-Becken, die den Bedürfnissen der Schule, der lokalen Vereine und der Bevölkerung entsprechen müssen. Im Sensebezirk fehle ein solches Angebot. Die Einwohnerzahl sei im Vergleich zur bestehenden Infrastruktur–dem 20-Meter-Becken in Düdingen–ungenügend, so Gisler. Die neue Verordnung über die Subventionierung von Schwimmbädern, die im Oktober 2015 in Kraft getreten ist, sieht vor, dass der Kanton für ein solches Schwimmbad maximal sechs Millionen Franken in Form einer einmaligen Investitionshilfe spricht. Die direkt betroffene Gemeinde müsste sich mit einem mindestens gleich hohen Betrag beteiligen.

In der Nähe der Schulen

Wo genau das Schwimmbad gebaut würde, ist noch nicht definiert. «Es sind noch viele Fragen offen. Wir müssen uns Zeit nehmen, alles richtig abzuklären», so Bürdel. Für die Schulen sei ein Schwimmbad ein Bedürfnis, sagt der Schulpräsident. Der Bau müsste aus seiner Sicht in der Nähe der OS Plaffeien zu stehen kommen, um den Subventionsbedingungen bestmöglich entsprechen zu können. «Es gibt zwei bis drei Landflächen, die geeignet wären.» Zudem sei der Standort Plaffeien in nächster Nähe zum Schwarzsee auch für die Touristen ein Plus. «Man könnte zusätzlich einen Wellnessbereich integrieren.» Aus der Sicht des Kantons ist dies realistisch. «Alles ist möglich», sagt Gisler.

Der Gemeinderat von Plaffeien habe den Bau eines Schwimmbads in seine Tourismusstrategie für die nächsten 15 Jahre aufgenommen, sagt Ammann Otto Lötscher. Von daher befürworte er persönlich die Absicht Bürdels; im Gemeinderat sei das Projekt aber noch nicht zur Sprache gekommen. «Ein Bad muss optimal ausgenützt werden können. In der Gemeinde Plaffeien kommen die Schulen, die Bevölkerung und der Tourismus zusammen, die alle das Bedürfnis nach einem Hallenbad haben», so Lötscher. Ob Plaffeien oder Schwarzsee; beide Standorte seien möglich. Wichtig sei, dass die Gemeinde auf regionale finanzielle Unterstützung zählen könne.

Schwarzsee oder Plaffeien?

«Das ist sicher eine gute Sache», kommentiert Linus Hayoz, Präsident von Schwarzsee Tourismus, die Pläne von Daniel Bürdel. Die Gemeinde könne ein solches Projekt nicht alleine stemmen, genauso wenig der Tourismusverband. Deshalb brauche es diese Form der Finanzierung. «In Schwarzsee fehlen alternative Angebote zu den Bergbahnen wie ein Bad oder eine gedeckte Eisbahn.» Ein Schwimmbad könne aber auch in Plaffeien gebaut werden, findet Hayoz. Er geht davon aus, dass die Touristen flexibel genug wären, nach Plaffeien zu fahren. «Wenn das Bad zu weit weg von den Schulen gebaut würde, sähe ich weniger Chancen für Subventionen.» Schwarzsee-Tourismus-Direktor Adolf Kaeser gibt zu verstehen, dass er den Standort Schwarzsee aus touristischer Sicht bevorzugen würde. Ihm sei aber bewusst, dass Plaffeien eine Zentrumsfunktion einnehme. «Die Finanzierung wird die Weichen stellen.» So oder so wäre der Bau eines Schwimmbades in Kaesers Augen eine gute Sache. «In diesem Bereich haben wir ein grosses Manko im Sense-Oberland.»

 Das einzige öffentliche Wellnessangebot in Schwarzsee existiert im Hotel Hostellerie am Schwarzsee. «Der Wellnessbereich ist sehr gefragt; man merkt, dass die Leute vor allem bei schlechtem Wetter eine Alternative zum Wintersport suchen», sagt Direktor Peter Roodbeen. In Schwarzsee brauche es ein vernünftiges Schlechtwetterprogramm, findet er, das könne aber genauso ein anderes Angebot wie eine Schaukäserei sein.

Baustart nicht vor 2020

Die Eingabefrist für die Gesuchdossiers der Schwimmbäder von kantonaler Bedeutung ist der 31. Dezember 2025. Bisher seien noch keine Eingaben gemacht worden, sagt Benoît Gisler. Romont und Bulle seien jedoch kurz davor, ihre Dossiers einzureichen. Daniel Bürdel geht davon aus, dass der Bau eines Schwimmbades im Sense-Oberland frühestens für 2020/21 realistisch ist.

 

Subventionen: 35 Prozent der Ausgaben

D ie Verordnung über die Subventionierung von Schwimmbädern im Kanton Freiburg sieht vor, dass sich der Staat mit einer einmaligen Investition an deren Bau beteiligt. Der Beitrag beläuft sich auf 35 Prozent der Ausgaben und darf 15 Millionen Franken nicht übersteigen, wenn es sich um ein Schwimmbad von kantonsübergreifender oder nationaler Bedeutung handelt. Für ein solches 50-Meter-Becken sind drei Standorte im Gespräch: Beim Avry-Centre, in Villars-sur-Glâne und im St. Leonhard in Freiburg (die FN berichteten).

Bei Schwimmbädern von kantonaler Bedeutung darf der Maximalbetrag sechs Millionen Franken nicht übersteigen. Ein solches Schwimmbad braucht gemäss Verordnung ein 25 Meter langes Hauptbecken, ein Lernschwimmbecken, ein Plansch- sowie ein Sprungbecken. ak

Rückblick

Zwei Standorte und zwei Projektträger

2005wurde das Projekt eines Thermalbades in Rohr in Schwarzsee publik. Nachdem die Frist für die Aktienzeichnung des 10-Millionen-Baus zweimal verlängert worden war und dann Erfolg hatte, änderte das Gesetz, und die Subventionen waren infrage gestellt. Das Initiativkomitee dieses Projektes zahlte das bisher einbezahlte Aktienkapital zurück.2008präsentierte überraschend eine neue Trägerschaft, die Neuter AG, ein Projekt neben dem Hotel Hostellerie. Doch ausser dem Landkauf wurde das Projekt nie konkret und verlief im Sand.ak