Hildegard Emmenegger 20.08.2013

«Ich will keine Wand um den Bezirk»

«Mehr Austausch unter den Deutschfreiburgern wäre schön»: Senslerdeutsch-Bloggerin Hildegard Emmenegger.Bild Aldo Ellena
Wenn sie alte senslerdeutsche Wörter wie «vertrischaargge» oder «sawatte» hört, spitzt sie ihre Ohren: Hildegard Emmenegger sammelt Eindrücke aus dem Alltag und erzählt ihre Geschichten anhand spezieller Dialektwörter.

Was wäre der Sensebezirk ohne seinen Dialekt? Schwierig zu sagen, wie sich die Region präsentieren würde. Fest steht: Hildegard Emmenegger müsste sich ein anderes Hobby suchen. Denn sie schreibt leidenschaftlich gern senslerdeutsche Texte und ist Co-Autorin des «FN-Seislerblogs». Die Dialektbloggerin aus Düdingen im Gespräch.

 

 Hildegard Emmenegger, Sie hören auf der Strasse ein urchiges, senslerdeutsches Wort – was geht Ihnen da durch den Kopf?

Es macht mich neugierig. Ich achte darauf, welche Wörter die Leute benutzen und merke mir die Speziellen. Wir haben viele alte Wörter mit schönem Klang. «Chiibement» zum Beispiel.

 

 Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Blogeinträge?

Meistens aus dem Alltag: Bei der Arbeit, im Haushalt, auf dem Schulweg, beim Sport. Vieles kommt mir anhand eines einzelnen Wortes in den Sinn. Aber auch sonst habe ich immer wieder Ideen.

 

 Sie schreiben gerne über die Gesellschaft und unseren Alltag.

Dass sich die Gesellschaft und die Sprache ständig verändern, ist eine Tatsache. Mir ist die Aussage wichtig, dass es kein «jùschts» und kein falsches Senslerdeutsch gibt. Ältere Geschichten erzähle ich gerne anhand älterer Wörter. Damit möchte ich die Leser zum Schmunzeln bringen.

 

 Steckt im Blog auch eine Prise Patriotismus?

Nein. Es gibt viele spezielle Dialekte. Im Sensebezirk sind mittlerweile auch andere Dialekte zu hören. Wir sind kein abgeschiedener Bereich mehr. Nicht so wie im alten Lied «Härrgott, Härrgott, mach um üsers Ländli, i de Not as Wändli». Ich will keine Wand um den Sensebezirk. Auch nicht sprachlich.

 

 Welche Bedeutung hat der Dialekt für die Region?

Die Verankerung und die Identifikation sind sehr gross, weil die Sprachgruppe klein ist. Hört man in einem anderen Kanton einen Sensler sprechen, fühlt man sich sofortmit diesem verbunden. In den letzten Jahren wurde man sich des Wertes unseres Dialektes stärker bewusst.

 

 Wie sieht es mit dem senslerdeutschen Dialekt in 25 Jahren aus?

Verschwinden wird der Dialekt nicht. Aber er wird sich immer weiter verändern. Dasist auch nichts Schlechtes,sondern natürlich.

 

 Und was wird aus den Senslern?

Es wäre schön, wenn sie etwas selbstbewusster würden. Die Generation meiner Eltern war noch sehr obrigkeitsgläubig, aber das ändert sich nun.

 

 Was nehmen die Leser aus Ihrem Blog mit?

Es ist keine schwere Kost. Der Blog soll unterhalten, ein Lächeln hervorzaubern. Oder ein wenig zum Nachdenken anregen.

 

 An welches Zielpublikum denken Sie beim Schreiben?

An keines. Meistens schreibe ich die Dinge so, wie ich sie gerade denke.

 

 Ihre Blogeinträge werden oft kommentiert.

Ich wünsche mir natürlich noch mehr Rückmeldungen. Es wäre toll, wenn es online einen Dialog geben würde.Mehr Austausch unter denDeutschfreiburgerinnen und -freiburgern wäre schön.

 

 Schreiben Sie nun auch andere Texte?

Neulich habe ich bei einer Lesung des Vereins «Wier Seisler» Kurzgeschichten vorgetragen. Ich merke, dass mir Schreiben wie Vortragen immer besser gefallen.

 Alle Blogeinträge finden Sie unter: www.freiburger-nachrichten.ch/blogs

Zur Person

Eine Düdingerin bloggt auf Senslerdeutsch

Hildegard Emmenegger Riedo arbeitet als Sonderschullehrerin für die Stiftung «Les Buissonnets» in Freiburg. Nebenberuflich beschäftigt sich die 49-Jährige mit der heutigen Gesellschaft und den damit verbundenen Herausforderungen. Weltumfassende Themen wie Internet oder Weltgeschehen spricht sie in ihren Blogeinträgen an. Auch Kommentare zum senslerdeutschen Dialekt oder zur regionalen Geschichte sind in ihrem Blog zu finden.daf