Deutschfreiburg 12.03.2014

Keine Nachschusspflicht mehr für die Mitglieder der Raiffeisenbank

Die Deutschfreiburger Raiffeisenbanken sind froh über die Abschaffung der Nachschusspflicht (im Bild: Alterswil). Bild Aldo Ellena/a
Wer Mitglied einer Raiffeisenbank ist, geht endgültig kein Risiko mehr ein, eines Tages 8000 Franken nachzahlen zu müssen, um die Gruppe vor einem drohenden Konkurs zu retten.

 In den nächsten Tagen und Wochen finden wiederum die jährlichen Generalversammlungen der Raiffeisenbanken statt; einige wurden bereits abgehalten. An den Generalversammlungen sind die Mitglieder unter anderem aufgerufen, einer Statutenänderung zuzustimmen. Es geht um die Aufhebung der Nachschusspflicht.

 Genossenschaftsgedanke

Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat im Jahre 1864 seinen Heddesdorfer Darlehenskassenverein als Genossenschaftsbank gegründet. Er wollte so die Landbevölkerung, die aufgrund von Missernten oft auf Wucherer angewiesen war, vor einer Verarmung bewahren. Genossenschaft bedeutet aber, dass die Genossenschafter untereinander solidarisch sind und demnach auch solidarisch haften, wenn es der Genossenschaft finanziell schlecht geht. «Das war auch bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften lange so», hält Daniel Perler, Präsident des Verbandes der Deutschfreiburger Raiffeisenbanken, gegenüber den FN fest.

Erst unbegrenzte Haftung

Die unbegrenzte Solidarhaft der Mitglieder der Raiffeisenbanken ist bereits im Jahre 1989 abgeschafft worden. Anstelle der unbegrenzten Haftung wurde aber die Nachschusspflicht eingeführt. Sie wurde auf das Vierzigfache des Anteilscheins von 200 Franken festgelegt, was 8000 Franken entspricht.

Wie Franz Würth, Pressesprecher von Raiffeisen Schweiz, sagt, wurde mit der Statutenrevision von 1991 die Möglichkeit geschaffen, Anteilscheine bis zu 500 Fran- ken herauszugeben. Den- noch wurde aber in den Statuten festgehalten, dass die Nachschusspflicht maximal 8000 Franken beträgt. «In Deutschfreiburg haben wir nie von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Alle Anteilscheine haben einen Nominalwert von 200 Franken», ergänzt Perler.

Nie zum Tragen gekommen

Laut den bisherigen Statuten wären die Mitglieder aufgefordert worden, eine Nachschusszahlung zu leisten, wenndas Genossenschaftskapital nicht mehr gedeckt gewesen wäre. «Die Nachschusspflicht wie auch früher die unbegrenzte Solidarhaft ist in den über hundert Jahren der Raiffeisen-Geschichte in der Schweiz niemals zum Tragen gekommen», betont Franz Würth. Dies mag auch mit ein Grund dafür sein, weshalb viele Raiffeisenbank-Mitglieder gar nicht erst wissen, dass es bis heute eine solche Pflicht gab, auch wenn sie beim Kauf eines Anteilscheins vielleicht darauf hingewiesen wurden.

«Gerät eine einzelne Raiffeisenbank in Schwierigkeiten, so steht Raiffeisen Schweiz für sie gerade. Für Schäden oder Verfehlungen verfügt Raiffeisen über einen Solidaritätsfonds, der von allen Raiffeisenbanken gespiesen wird», erläutert Daniel Perler, weshalb es nie notwendig war, auf diese Nachschusspflicht zurückzugreifen.

 Ein Konkurrenznachteil

Mit der Abschaffung der Nachschusspflicht fällt für die Raiffeisenbanken ein Nachteil gegenüber anderen Banken weg. «Ja, diese Nachschusspflicht wurde gelegentlich von der Konkurrenz als Argument gegen uns verwendet. Wenn ihr zu Raiffeisen geht, müsst ihr vielleicht eines Tages bis zu 8000 Franken nachschiessen. So wurden Interessenten für eine Mitgliedschaft bei Raiffeisen verunsichert», sagt Daniel Perler. «Wir sind froh, dass die Nachschusspflicht nun abgeschafft wird», fügt er bei.

Immer noch genossenschaftlich

Bedeutet die Abschaffung der Nachschusspflicht das En- de des Genossenschaftsgedankens, den Raiffeisen stets hervorhebt? «Nein, überhaupt nicht. Andere wichtige Elemente wie dezentrale Verantwortung, Mitsprache der Genossenschafter etwa bei der Annahme der Jahresrechnung, Statutenänderungen oder Wahl des Verwaltungsrates bleiben nach wie vor bestehen», gibt Franz Würth zu verstehen.

Eigenkapital: Keine Anrechnung

D ie Aufhebung der Nachschusspflicht hat die Raiffeisen-Gruppe der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma zu «verdanken». «Bis Ende 2012 konnte ein Teil der Nachschusspflicht als Eigenmittel angerechnet werden. Dies lässt aber die Finma heute nicht mehr zu. Des- halb hat Raiffeisen entschieden, die Mitglieder auch statutarisch von der Nachschusspflicht zu befreien», begründet der Raiffeisen- Mediensprecher Franz Würth die Statutenrevision, die nun alle 316 Raiffeisenbanken der Schweiz genehmigen müssen.

Schon jetzt der Fall

Der Wegfall der Nachschusspflicht als Eigenmittel schmerzt aber die Deutschfreiburger Raiffeisenbanken nicht. «All unsere Banken erfüllen schon heute die künftigen strengeren Eigenkapitalvorschriften», betont Präsident Daniel Perler. az