Grosse Solidarität 25.08.2014

«OS Sense hat sich bestens bewährt»

Walter Fasel, Präsident des Gemeindeverbandes Orientierungsschule des Sensebezirks, und Berthold Rauber, langjähriger Sekretär-Kassier des Verbandes, sind vom Erfolgsmodell OS Sense überzeugt.Bild Charles Ellena
Die erste Sekundarschule im Sensebezirk entstand 1922 in Tafers. Der Verband der Sensler Orientierungsschulen – die OS Sense – ist aber erst 1989 gegründet worden. Das einzigartige Modell basiert auf einer grossen Solidarität unter den 19 Gemeinden, ohne die es die vier Sensler OS-Zentren in der heutigen Form nicht gäbe.

Die Zusammenarbeit zwischen den Sensler Gemeinden im Bereich Schule hat Tradition. Die erste Bezirkssekundarschulkommission wurde 1944 gebildet – zu einer Zeit, als es nur in Tafers und in Düdingen eine Knabensekundarschule gab. Die Kommission bestand aus Gemeinderäten und traf sich einmal im Jahr (siehe Kasten).

Im Oktober 1989 haben die Sensler Gemeinden diesen Strukturen eine neue Dimension gegeben, indem sie den «Gemeindeverband Orientierungsschule des Sensebezirks», kurz OS Sense, gründeten. «Das ist das Beste, was die Gemeinden damals tun konnten», sagt Walter Fasel, der seit 1991 Mitglied des Verbandsvorstandes ist und diesen seit 1999 präsidiert. «Das System hat sich hervorragend bewährt», bestätigt auch Berthold Rauber, der ab 1969 während 19 Jahren Direktor der OS Tafers war und von 1974 bis 2008 als Sekretär-Kassier des OS-Verbandes gewirkt hat. Seither führt der Gemeindeverband Region Sense die administrativen Aufgaben in einem Mandatsverhältnis aus.

Der Sensebezirk sei im Vergleich zum übrigen Kanton ein Sonderfall, weil er vier OS-Zentren hat: in Tafers, Düdingen, Plaffeien und Wünnewil. «Die kantonale Erziehungsdirektion hat das nicht immer gern gesehen», sagt Walter Fasel. «Wir mussten uns den Vorwurf anhören, dass wir zu teuer seien.» Das stimme aber nicht, wie der Verband in der Zwischenzeit mehrfach unter Beweis stellen konnte. Mit der Zeit habe der Kanton die Sensler Viererkonstellation akzeptiert, weil sie historisch gewachsen sei.

Eine der Stärken des OS-Verbandes ist das Finanzierungsmodell, das er anwendet. Die Betriebskosten für alle vier Zentren, also Besoldung der Lehrpersonen, Schulbetrieb, Unterhalt, Miete für Schulräume ausserhalb der Zentren, Schülertransporte und Lehrmittel, werden je nach Finanzkraft auf die Gemeinden verteilt. Das Gleiche gilt für die Kosten für Renovationen der Schulgebäude, bei denen der Verband im Gegensatz zu Neuinvestitionen keine Subvention vom Kanton erhält. Als Basis dient die Einwohnerzahl und Steuerpotenzialindex. Die finanzstärkeren Gemeinden bezahlen so mehr als die finanzschwächeren. «So haben wir einen eigenen Finanzausgleich», erklärt Walter Fasel. «Es ist eine gewaltige Errungenschaft, ein Solidaritätsprinzip, das bestens funktioniert», so der OS-Präsident. Er sei den finanziell gut dastehenden Gemeinden dankbar, dass sie dieses System seit 25 Jahren mittragen. «Das ist nicht selbstverständlich.» Er ist deshalb auch überzeugt, dass das schulische Angebot an den vier Standorten riesig variieren würde, wenn jede Region die Investitionen für ihr OS-Zentrum allein tragen müsste.

Stets unter Budget

Berthold Rauber ist der Erfinder eines ausgeklügelten Anzahlungssystems, das zum Ziel hat, die Belastung für die Gemeinden möglichst gering zu halten, aber doch genug Geld in der Kasse zu haben, um die laufenden Betriebskosten begleichen zu können. Der Verband weise am Ende eines Betriebsjahres keinen Gewinn aus, die Rechnung schliesse immer auf null ab. Ist der Gesamtaufwand Ende Jahr geringer, fällt der Anteil der Gemeinden kleiner aus. «Glücklicherweise konnten wir schon seit einigen Jahren die Rechnung stets unter Budget abschliessen», sagt Walter Fasel. «Die Rechnung schliesst immer tiefer ab als das Budget von rund 11,5 Millionen Franken–und dies, obwohl der Voranschlag zu 52 Prozent aus Lohnkosten besteht, die uns der Kanton vorgibt.»

Verband ist wie eine Bank

Auch was die Finanzierung von Neuinvestitionen betrifft, hat der Verband ein eigenes Finanzierungsmodell. Nicht alle Gemeinden sind in der Lage, die hohen Investitionskosten – über 100 Millionen in den letzten 20 Jahren – zu tragen. Sie können deshalb ihre Schulden für Bauprojekte beim Verband belassen und müssen nur die Zinsen und die Amortisation bezahlen. «Der Verband erhält viel bessere Konditionen, um Kredite aufzunehmen», erklärt Berthold Rauber. Der Verband tut dies bei Banken oder konnte es in der Vergangenheit auch bei der Schweizer Emmissionszentrale tun. «Dem Freiburger Gemeindedepartement ist bis heute nicht ganz geheuer, dass wir sozusagen auch eine Art Bank sind», sagt Walter Fasel mit einem Lachen. «Aber es funktioniert bestens», ergänzt Berthold Rauber.

Walter Fasel verhehlt nicht, dass sich die Gemeinden nicht immer in allen Punkten einig sind. Eine erste Krise hatte der Verband Anfang der 1990er-Jahre, als der erste Ausbau der OS Plaffeien zur Diskussion stand. Damals kritisierten insbesondere die Gemeinden Giffers und Bösingen, dass Plaffeien als Sitzgemeinde wirtschaftlich viel von einem OS-Zentrum profitiere, sich aber zu wenig an den Ausbaukosten beteilige. Um eine Änderung zu erzwingen, lancierten sie die Idee, eine eigene OS-Schule bauen zu wollen. Diese Dezentralisierungsidee gab zu reden. Er erinnert sich gut an die Delegiertenversammlung 1992. «Es waren keine leichten Diskussionen. Aber die Abstimmung fiel am Ende ganz klar aus.» Mittlerweile sei jeder Gemeinde klar, dass ein OS-Standort nicht nur einer Gemeinde nützt, sondern wichtig für die ganze Region sei. Eine Analyse des Staatsrechtprofessors Bernard Dafflon hat ergeben, dass Kosten und Nutzen für Sitz- und Nichtsitzgemeinden ausgewogen ausfallen.

Kompromisse gefunden

Als 1995 der Ausbau des OS-Zentrums Tafers in Planung war, diskutierten die Delegierten darüber, ob die Aula Teil des Baukredits ist oder ob die Sitzgemeinde einen grösseren Anteil übernehmen soll. Am Ende hat Tafers die Aula gebaut, und die OS mietet nun den Raum für den Schulbetrieb von der Gemeinde. Damit Aufführungsräume an anderen Zentren gleichbehandelt werden, hat der Verband ein Reglement ausgearbeitet.

«Das ist ein gutes Beispiel, wie wir strittige Punkte jeweils dynamisch regeln konnten», sagt Walter Fasel. Egal, ob es um Schulmaterial, Schülertransporte, um Baukontrollen, um Kopiermaschinen oder um den Beitrag des Verbandes an Lager oder Projektwochen geht: Alle Eventualitäten der Finanzierung sind in einem Reglement festgehalten, an dem sich alle Gemeinden und alle OS-Zentren orientieren können. «Wir haben immer Konsenslösungen gefunden», sagt Fasel. Sein Motto sei es denn auch, Probleme zu lösen, statt sie längere Zeit mitzuschleppen.

Sensler als Pioniere

Walter Fasel ist sich bewusst, dass vielen Bürgern nicht klar ist, welche Aufgabe der OS-Verband im Bezirk wahrnimmt. «Wir haben nie gross die Publizität gesucht», sagt Walter Fasel. «Unser Hauptziel ist es, allen Sensler Jugendlichen die gleichen schulischen Voraussetzungen zu ermöglichen». Wenn beispielsweise Schuldirektoren oder Lehrpersonen eine neue Idee vorbrachten, habe der Verband diese Vorschläge für alle vier Zentren geprüft. «Extrawünsche gibt es nicht», so Walter Fasel. Auf diese Weise habe aber der Sensebezirk schon oft Pionierarbeit geleistet und Neues angeschafft, bevor die offizielle Weisung von der kantonalen Erziehungsdirektion kam. Berthold Rauber nennt als Beispiel die Computer. «Die OS Sense entschied im Jahr 2000, jedes Schulzimmer mit einem Computer auszustatten und nicht auf Subventionen vom Kanton zu warten.»

Als im Jahr 2003 am OS-Zentrum Wünnewil das Bedürfnis für Schulsozialarbeit aufkam, wurde dies erst mit einer 50-Prozent-Stelle getestet und rasch auf 100 Prozent aufgestockt. Seit 2009 sind zwei Schulsozialarbeiter an den vier OS-Zentren beschäftigt. Mittlerweile sei dieses niederschwellige Angebot bei den Jugendlichen gut etabliert. Als weitere Errungenschaft bezeichnet Walter Fasel die Integration der Berufs- und Laufbahnberatung 1973.

Schüler bald mit Tablets?

Und für die Zukunft? «Wir sind in einer Phase der Konsolidierung», sagt Walter Fasel. In Ausführung ist der Ausbau der OS Plaffeien, bereits geplant die Sanierung der Doppelturnhalle an der OS Tafers. «Dann sind unsere Schulinfrastrukturen top.» Mit der Einführung der elektronischen Wandtafeln seien auch die Schulzimmer technisch auf dem neuesten Stand. «Was jetzt kommt, sind Kleinigkeiten», so der Verbandspräsident. Es könne gut sein, dass in wenigen Jahren alle Sensler OS-Schülerinnen und Schüler mit einem Tablet in den Unterricht gehen.

Ein GA für alle

Einige Ideen konnte der Verband aber noch nicht umsetzen. «Wir wollten allen OS-Jugendlichen ein Generalabonnement geben», erklärt Walter Fasel. Der Verband hat versucht, mit den SBB zu verhandeln, damit die OS als eine Art Grossfamilie angesehen wird und die Abonnements für alle 1423 «OS-Kinder» vergünstigt erhält. «Die Jugendlichen würden so schon früh an den öffentlichen Verkehr als Transportmittel gewöhnt», erklärt er. Der Aufwand wäre gering, die Wirkung für Umwelt und Mobilität aber gross. Die Verhandlungen laufen noch, da ein solches Projekt ein Präzedenzfall wäre und Auswirkungen auf die ganze Schweiz hätte.

Es ist eine gewaltige Errungenschaft, ein Solidaritätsprinzip, das bestens funktioniert.

Walter Fasel

Präsident der OS Sense

Rückblick: Sekundarschulen erst nur für Knaben

D ie erste Sekundarschule im Sensebezirk ist 1922 in Tafers eröffnet worden. 1943 folgte Düdingen, 1951 Plaffeien und 1968 Wünnewil. Dies waren notabene Knabenschulen. Für Mädchen gab es 1939 in Tafers die erste Mädchensekundarschule, welche damals noch die Gemeinde alleine finanzierte. 1944 wurden auch in Düdingen und 1967 in Plaffeien Mädchenschulen eröffnet. Im Oberland besuchten die Mädchen die Sekundarschule bis 1967 in der Guglera. 1968 gab es in Wünnewil die erste gemischte OS-Klasse.

Das neue OS-Zentrum in Düdingen entstand 1965, jenes von Plaffeien und Wünnewil 1968 und jenes von Tafers 1970. Seither sind alle vier OS-Zentren erweitert worden, teils, weil die Schülerzahlen stiegen, teils, weil neue Unterrichtsformen und neue Fächer dazugekommen sind.

Auf das Schuljahr 1973/74 galt ein neuer Name: Die Sekundarschulen hiessen nun Orientierungsstufen, ab 1984 dann Orientierungsschulen. Ebenfalls 1984 wurden die früheren Abschluss- zu Realklassen und die Hilfs- zur Werkklasse. Zuvor waren die Abschlussklassen in jeder Gemeinde separat organisiert. Dabei wurden die Schüler aller drei Stufen in einer Klasse von einem Lehrer unterrichtet. Erst nach und nach wurden sie den OS-Zentren angegliedert; die letzte Klasse war bis 2000 in Alterswil in Betrieb. «Durch die Integration in die OS konnten auch sie besser vom Netzwerk einer grossen Schule profitieren», erklärt Walter Fasel. Und noch in weiterer Hinsicht war das Schuljahr 1983/1984 speziell: An der OS Sense wurden die ersten Schülercomputer angeschafft: die Comodore 64.

Bis 1990 war der OS-Verband für die Auszahlung der Löhne zuständig, ab Januar 1991 hat dies der Kanton übernommen. 1982/83 wurden die progymnasialen Klassen an den Gymnasien aufgehoben und in der OS integriert. im