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Nacht der Mützen, Märchentanten und Mehlwürmer

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Carole Schneuwly (Text) und Aldo Ellena (Bilder)

Samstagabend, 18 Uhr. Die zweite Freiburger Nacht der Museen hat begonnen. Die ersten Besucherinnen und Besucher sind unterwegs zu den 15 Austragungsorten in Freiburg, Granges-Paccot und Tafers. Wer bereits ein Ticket in Form einer knallgelben Schlafmütze hat, zieht das Accessoire, das im Verlauf des Abends zum Erkennungszeichen aller Museumsfreunde werden soll, verstohlen aus der Tasche und blickt sich suchend um. Ob schon andere Gelbbemützte durch Freiburgs Strassen streifen? Die meisten halten sich noch vornehm zurück und erweisen sich im Umgang mit den Mützen als äusserst kreativ: Bald baumeln die Dinger an Handtaschenträgern und Gürtelschlaufen oder werden umfunktioniert zu Halstüchern, Krawatten oder Haargummis. Glücklich, wer ein Kind dabei hat: Die Kleinen erhalten zur Eintrittskontrolle zwar ein gelbes Armband, tragen aber gerne auch die Mützen der Eltern auf dem Kopf.

18.30 Uhr. Ein erster Augenschein im Burgquartier. Betrieb herrscht bereits in den Kreativateliers, wo kleine und grosse Besucher ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. Im Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle entstehen unter Anleitung von Franz Brülhart und mit der Hilfe fachkundiger Näherinnen individuelle Accessoires. Die knatternden Nähmaschinen geben einen Vorgeschmack auf die nächste Attraktion: eine Modenschau der Sensler Modeschöpferin Emerith Bächler im Dialog mit Tinguelys Maschinen. Kreativ gehts zur gleichen Zeit auch im Museum für Kunst und Geschichte zu: Hier leiten Wojtek Klakla und Isabelle Pilloud ein Collagenatelier, dessen Teilnehmer Werke von Hans Fries neu interpretieren. Bald erklingt im Hintergrund Musik: Im Lapidarium haben die Proben zur Erstaufführung des Werks «Maître Martini» begonnen. Das Chorstück von André Ducret (Musik) und Jean Steinauer (Text) handelt vom Entstehen von Freiburgs berühmtestem Stadtplan, dem Martiniplan aus dem Jahr 1606. Für Chorleiter André Ducret ist es ein besonderes Experiment, nicht nur, weil er in kürzester Zeit aus einem professionellen Blechblasquintett, einem Ad-hoc-Chor aus geübten Sängerinnen und Sängern und einigen Sangesfreunden aus dem Publikum ein harmonisches Ganzes machen muss, sondern auch, weil er mit diesem Ort persönliche Erinnerungen verbindet: Als Bub, erzählt er, sei er auf dem Schulweg immer an diesem Teil des Museums vorbeigekommen, der damals noch ein Schlachthof war. «Nie hätte ich gedacht, dass ich an dem Ort, an dem ich damals die Schweine schreien hörte, einmal ein solches Konzert leiten würde …»

19.30 Uhr. Ein erstes Hungergefühl stellt sich ein. Zum Glück ist in den Museen auch für das leibliche Wohl gesorgt. Zum Beispiel im Figurentheater-Museum, dessen Küche allein schon den Abstecher in die Unterstadt wert ist. Im romantischen Hof des Theaters gibts eine währschafte Suppe und die legendären «Tartes» des Hauses als Stärkung für die weiteren Abenteuer der Nacht. Im Museum ist nicht nur die Ausstellung über Roland Jeannerets «Figurentheater auf Tournee» zu entdecken. Jeanneret gibt, zusammen mit Mitgliedern seiner früheren Truppe, auch gleich selber Auskunft zu allem, was die Besucher wissen wollen.

20.30 Uhr. Zurück ins Burgquartier, wo der nächste Höhepunkt wartet: Im Gutenberg-Museum gibts ein Wiedersehen und vor allem ein Wiederhören mit der einzig wahren Märchentante der Nation: Trudi Gerster persönlich ist zu Gast, und kaum hat sie mit unverkennbarer Stimme und Sprechart angefangen, das «Märchen vom Putputput» zu erzählen, wähnt sich das andächtig lauschende Publikum zurückversetzt in die eigene Kindheit, liege diese bereits 60 oder erst 20 Jahre zurück. Gelegentlich braucht die Neunzigjährige ein bisschen Unterstützung ihrer mitgereisten Kinder, aber von ihrer Erzählfreude, ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung hat sie nichts eingebüsst.

21.30 Uhr. Es beginnt zu dämmern, und damit ist es höchste Zeit, sich auf den Weg zum Botanischen Garten zu machen. Wer zu Fuss unterwegs ist, muss sich zuerst den Weg bahnen durch das laute und feuchtfröhliche Pérollesfest, um sich im Botanischen Garten schlagartig in einer ganz anderen Welt wiederzufinden. Im Licht des noch beinahe vollen Mondes und unzähliger Lampions geht es durch den nächtlichen Garten zum Tanz des Feuers, einer mystisch-poetischen Darbietung, die Gross und Klein den Atem anhalten und Zeit und Raum vergessen lässt.

22.30 Uhr. Langsam werden die Beine müde, und die Füsse schmerzen. Doch die Zeit reicht noch für einen Abstecher ins Naturhistorische Museum. Wer will, kann sich eine Fledermaus basteln, sich mit dem grossen Bären fotografieren lassen oder mit lebenden Schlangen auf Tuchfühlung gehen. Man kann Freundschaft schliessen mit lebenden Schildkröten oder Zwergmäusen – und wird den Eindruck nicht los, dass die sich ein bisschen wundern über den ungewohnten Ansturm zu so später Stunde. Zur Krönung des Abends lädt das Museum zum mitternächtlichen Insektenbuffet. Hier gibts Mehlwürmer und Grillen à discretion, und während die einen mutig zugreifen, brauchen die anderen ein bisschen zusätzliche Motivation: «Wenn du den Mehlwurm isst, bekommst du zwölf Paninibildchen», so feuert eine Mutter, den Fotoapparat im Anschlag, ihren Sohn bei der kulinarischen Mutprobe an.

23.30 Uhr. Endspurt. Das Staatsarchiv, das sich zum Thema «Feuer» mit dem Freiburgischen Feuerwehrverband und der Kantonalen Gebäudeversicherung zusammengetan hat, ist bis zum Zapfenstreich um Mitternacht noch zu schaffen. Die Feuerwehr offeriert in der «Feuerwehrbeiz» eine Bratwurst als letzte Stärkung, sei es für den Heimweg oder für die Aftershow-Party im Nouveau Monde. Und wer jetzt allmählich genug hat vom Motto «Aufwachen!», unter dem die Museumsnacht steht, und nur noch von seinem Bett träumt, wird sich vielleicht neidisch an jenes Kind erinnern, das im Naturhistorischen Museum zu später Stunde schon im Pyjama unterwegs war – und das wahrscheinlich die Person ist, der die gelbe Schlafmütze in dieser Nacht von allen am besten stand.

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