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Nächtlicher Besuch im Zentralgefängnis

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Nächtlicher Besuch im Zentralgefängnis

Begegnungsnacht stiess auf grosses Interesse und vermochte zu begeistern

110 junge Leute verbrachten die Nacht von Freitag auf Samstag in der Stadt Freiburg an der Begegnungsnacht «Vom Dunkel ans Licht». Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Veranstalter äusserten sich begeistert über den von kirchlichen Kreisen erstmals durchgeführten Anlass. Eine Reportage.

Der erste Eindruck um acht Uhr abends hätte aus einem Konzert stammen können. Der Sekundarlehrer Klaus Kenneth mit Gitarre am Mikrophon. Scharen von Jugendlichen mit Pepsiflaschen in der Hand. Die meisten waren Schülerinnen und Lehrlinge, einzelne Studenten. «Wegen des Gefängnisses» waren sie gekommen, wenn man fragte.

Bis Mitternacht beschäftigte man sich mit der Dunkelheit im Leben. Fünf Ateliers standen dazu zur Aus-wahl: der Besuch im Zentralgefängnis, Berichte von Betroffenen über Depression, Aids und Gassenarbeit mit Fixern und die Lebensgeschichte von Kenneth. Rasch wurden sechs Gruppen gebildet. Durch farbiges Garn gekennzeichnet, brachen die Gruppen zum ersten von insgesamt drei Ateliers auf.

Aufbruch in Gruppen

Die «Weissen» zogen zuerst in die Unterstadt zu Ruedi und Marianne, die über Aids erzählten. Marianne, seit achtzehn HIV-positiv, war früher heroinsüchtig. Rastlose Hände und ihr eindringlicher Blick verliehen ihrem Bericht über Schmerz, Angst und Nebenwirkungen der zahlreichen Aids-Medikamente Nachdruck. Zentral aber war für sie die Lebensfreude.

Mariannes Lebenspartner, Ruedi, ist gesund, trotz einer früheren Drogenkarriere. Beide engagieren sich in der Aidsprävention an Schulen in Zürich. Die Offenheit, mit der das Paar über sein Leben sprach, hatte unzählige Fragen der Gruppe zur Folge. Das Stimmengewirr der ankommenden nächsten Gruppe schickte die «Weissen» weiter zur Einschreibung vor das Gefängnistor.

Nachts im Gefängnis

Taschen weg, Armbanduhren ab und anschliessend eine Leibesvisitation. Dazu standen Soldaten aus der Freiburger Kaserne bereit. Ein Mädchen sorgte für einen Heiterkeitsausbruch, als es die Soldatin übersah, welche die Frauen filzte und sich stattdessen bei den Männern anstellte . . .

Mochte diese Kontrolle noch so gut gewesen sein, der Metalldetektor hatte bei fast allen etwas auszusetzen. «Reissverschlüsse», seufzte der Gefängnisdirektor, der jedesmal die Ursache des Piepsens finden musste. Er war in dieser Nacht persönlich anwesend und begleitete einige Gruppen mit den Wärtern.

Im Zentralgefängnis gibt es einen Männer-, Frauen- und Jugendtrakt. Alle wurden sehr still, als der Wärter sagte, dass in diesem Gefängnis manchmal auch Jugendliche ab vierzehn Jahren einsitzen: «Meist nur einige Tage, denn der Richter muss sofort eine definitive Platzierung verfügen», erklärte er weiter. Verbüsst werden, neben Untersuchungshaft, kurze Strafen von einigen Monaten. Ausbrüche sind hier eher selten, dafür ist die Haft zu kurz. Besonders wichtig ist die Halbgefangenschaft. Der Häftling verlässt das Gefängnis frühmorgens, geht zur Arbeit und kehrt abends zurück. Die Wochenenden verbringt er im Gefängnis. Dazu werden in Freiburg aber (noch?) keine elektronischen Fussfesseln verwendet. «Das ist erst ein Pilotprojekt in Bern», hiess es auf die entsprechende Frage.

Scheue Blicke in die langen Gänge hinter den Gittern des Männertraktes und Besuche in leeren Zellen im Frauentrakt. In der Küche lag ein Wochen-Menüplan zur Ansicht auf. Der Höhe-punkt der nächtlichen Gefängnisführung bildete der Besuch einer originalen Zelle aus dem 18. Jahrhundert. Eingeengt, buchstäblich eingemauert, muss man sich in dieser lichtlosen Steingruft vorgekommen sein. Wieder draussen galt die erste Reaktion einer Schülerin den auffälligen roten Gefängnisgittern: «Ich habe es mir im Gefängnis viel farbloser vorgestellt!»

Von Depression zum Licht
in der Kathedrale

Das letzte Atelier der «Weissen» war der Bericht von Ruth über ihre schwere Depression. Fünf Jahre hatte sie in einer psychiatrischen Klinik verbracht. Heute lebt sie von einer IV-Rente, allein und sehr zurückgezogen. «Ich habe gelernt, mit meinen Grenzen zu leben», betonte sie. «Körperbehinderte haben etwas zu wenig und sind so behindert. Ich habe etwas zu viel, meine Hypersensibilität, und bin deshalb behindert», berichtete Ruth. Während ein Teil der Gruppe gebannt der leidvollen Geschichte von Ruth lauschte, machte sich bei andern die Müdigkeit breit. Augenlider wurden schwer, Etiketten wurden hingebungsvoll von Petflaschen geschält und zerknüllt.

Dann war es Mitternacht, Zeit für das Treffen aller Gruppen in der Kathedrale. Mit Kerzen in den Händen verfolgten die Teilnehmer/-innen und Organisatoren einen Dialog von zwei jungen Leuten über Dunkelheit und Licht, untermalt von Orgelklängen. Damit war der Übergang vom dunklen Teil der Nacht zum Licht ge-macht

Die Morgenstunden

Nach einer Gulaschsuppe in der Mensa der Universität bildeten sich neue Gruppen. Die einen übten Lieder für die Lichtfeier auf dem Guintzet ein, andere besuchten ein Atelier mit Körperbehinderten, die über Chancen und Hoffnungen ihres Lebens sprachen. Eine Gruppe traf sich mit Vertretern der kirchlichen Foco-larebewegung, und eine andere Gruppe wurde morgens um halb zwei am Bischofssitz empfangen. Der hellwache Kanzler beantwortete eine Menge Fragen rund um den Bischof und bewirtete die Gruppe mit Kuchen.

Der Transport mit Kleinbussen zum Guintzet trug viel zur frühmorgendlichen Atmosphäre der durchwachten Nacht bei. Zusammengequetscht wie Sardinen in der Dose gab es einiges zu lachen, weil die Militärfahrer den Weg nicht gleich fanden. Statt des versprochenen Riesenfeuers wartete eine schwelende Glut. Das Militär harrte nämlich seit Stunden in bitterer Kälte auf dem Guintzet aus und hatte das Feuer schliesslich angezündet, um sich zu wärmen. «So erkennt man wenigstens, wer einem gegenübersitzt», sah eine Schülerin das positiv.

Stärkung zum Abschluss

Nach Bibellesung und einem Lied gab es eine morgendliche Messe in der Kapelle des Priesterseminars. Die zahlreichen gerümpften Nasen beim Hereinkommen waren sehenswert. Denn im geschlossenen Raum roch man plötzlich den Rauch in den Kleidern. Mehrere Priester zelebrierten die Messe. Im Zentrum stand die (Nächsten-)Liebe. Nicht einmal das zunehmende Gähnen von allen Seiten vermochte die feierliche Stimmung zu stören.

Beim anschliessenden Frühstück um sechs Uhr zeigte sich, dass mehr als sechzig Jugendliche und junge Erwachsene die ganze Nacht über bei der Stange geblieben waren. «Wenn dreissig bis zum Frühstück durchhalten, werte ich das als Erfolg», hatte ein Organisator, Pfarrer Francis Ducrey, bereits bei der mitternächtlichen Suppe erklärt. «Es war toll, alles – nicht nur das Gefängnis», lautete die einhellige Meinung der Teilnehmer/-innen. Wer nicht in der Stadt wohnte, hatte im Nu eine Mitfahrgelegenheit gefunden, nachhause – ins Bett.

Daniela Deck

Organisatorisches

Der Anlass wurde organisiert vom Komitee «Begegnungsnacht Freiburg» unter dem Vorsitz von Pius Bürgisser. Das Komitee bestand aus Ordensgeistlichen und Pfarrern. Sie arbeiteten mit dem Militä

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