Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Narr» sagen kann tödlich ausgehen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Narr» sagen kann tödlich ausgehen

Zeugenbefragungen beim «Fall Bahnhof Freiburg»

14 Zeugen – 14 Versionen. So ungefähr kann der gestrige Verhandlungstag zum Totschlag beim Bahnhof Freiburg umschrieben werden. Wie ist es wirklich zum tödlichen Messerstich gekommen?

Von CHRISTIAN SCHMUTZ

Seit Freitag stehen vier junge Männer wegen Totschlags, Gefährdung des Lebens, Schlägereien und Aggressionen vor dem Bezirksgericht Saane. Am zweiten Verhandlungstag standen gestern Zeugen im Mittelpunkt. Sie klärten teils die Vorkommnisse am 7. März 2003. Details über den Messerstich und die Umstände, die zur Tat führten, gingen aber weit auseinander. Einige Zeugen schienen sich an mehr Einzelheiten zu erinnern als am Tag der Tat.

Klar ist, dass Provokationen unter den beteiligten 17- bis 19-Jährigen an der Tagesordnung waren. Wie Gockel im Hühnerstall plusterten sich die Schweizer und Ausländer auf und versuchten innerhalb ihrer rivaliserenden Banden stärker zu erscheinen.

«Narr», würgen und dann abrechnen

Einer hatte den anderen unter Zeugen mit «Narr» betitelt, was den Fall vor 15 Monaten ins Laufen gebracht hatte. Am nächsten Tag stürzte sich der «Narr» auf seinen Widersacher, packte ihn am Hals und versuchte ihm die Luft abzudrücken. Erst das gewaltsame Eingreifen eines Freundes brachte ihn davon ab. Unter Beschimpfungen und Bedrohungen gingen sie auseinander.

Am Abend wollten sie abrechnen. Niemand bremste die Gekränkten. Im Gegenteil: Ein noch nicht volljähriges Bandenmitglied rief den Freund seiner Schwester an – ein bekannter Boxer -, um so die Gegner einzuschüchtern. Zu sechst kamen sie an den Bahnhof. Hier trafen sie zwischen Marronistand und Aussenkiosk auf die zwei Kontrahenten. Einer davon wollte sich gleich auf die Ankommenden stürzen, der andere erkannte den Boxer und stoppte.

Der Sportler schlug den Angreifer ins Gesicht. «Um ihn zu warnen», wie Zeugen sagten. Dann überliess er den Rowdy seinen Freunden, die sich zu dritt mit ihm prügelten. Der Boxer selbst diskutierte (oder «beschattete», je nach Sichtweise) mit dem zweiten Gegner, dem damals 19-jährigen Mann, der nachmittags einen Gegner gewürgt hatte.

Ein kongolesischer Bekannter eines beteiligten Schwarzen kam und fragte, was los sei. Als ihm erklärt wurde, dass die beiden angefangen hätten, ging er zum Würger, um einzugreifen. Dieser erschrak offenbar über die Präsenz neuer Schwarzafrikaner und erkannte die Geste nicht als beruhigend. Wie sein Freund hatte er ein Messer dabei. Dieses holte er hervor und stiess es dem Mann, der ihn am Nacken gepackt hatte, in die linke Seite. Er wurde tödlich verletzt.

Im Arbeitserziehungsheim

Der «Narr» ist seit einem Jahr in einem Arbeitserziehungsheim. Vor dem Bezirksgericht gaben die Erzieher gestern ein Bild über seinen Alltag und seine Reintegrations-Aussichten. Er mache eine zweijährige Lehre als «Restaurant-Angestellter» und gebe sich Mühe. Weiterhin habe er einen strengen Rahmen nötig. Ausserdem müsse ihm seine Verantwortlichkeit bewusst gemacht werden. Aber sie wisse nicht, was in diesem Moment ein Gefängnisaufenthalt für positive Folgen haben könne, sagte eine Erzieherin. Es bleibe noch viel Arbeit, denn er sei weiterhin sehr egozentrisch und schaue nur auf sich. Um das Wohlergehen anderer kümmere er sich nicht, sagte ein Erzieher.

Der Fall geht erst nächste Woche weiter. Das Urteil wird am Freitag, 18. Mai erwartet.

Mehr zum Thema