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Neue Aussagen zum Mord von Frasses

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Die Fehde zweier Familienclans aus dem Kosovo beschäftigt heute das Kantonsgericht in Freiburg. Zwei Männern wird vorgeworfen, in Fras­ses einen 36 Jahre alten Familienvater erschossen zu haben. Einer der Angeklagten ist derzeit auf der Flucht. Er konnte auf spektakuläre Art und Weise die Mauern des Freiburger Zentralgefängnisses überwinden (siehe Kasten).

Der Mord ereignete sich am 11. Mai 2013 kurz vor Mitternacht. Als der Familienvater in Begleitung seiner Verlobten und seiner vier Kinder nach Hause zurückkehrte und dort aus dem Auto stieg, eröffneten zwei Personen das Feuer. 15 Projektile trafen den Italiener mit kosovarischen Wurzeln in den Kopf, in die Brust und in den Rücken. Ein Geschoss durchschlug das Fahrerfenster des Autos. Der Mann starb noch am Tatort; seine Verlobte und die vier Kinder blieben unverletzt. Die zwei Schützen ergriffen zu Fuss die Flucht durch die umliegenden Felder.

Eine Ehrverletzung mit Folgen

Für die Staatsanwaltschaft ist die Tat Teil einer Serie von Tötungsdelikten, in deren Zentrum zwei Familienclans stehen. Diese Fehde habe bereits 26 Todesopfer gefordert, da­runter auch Kinder. 33 Personen seien bislang verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass die Clans Konkurrenten im Drogenhandel sind und um Macht kämpfen. Der Ursprung des Konflikts zwischen ihnen verortet sie im Jahr 2000. Damals sollen Familienmitglieder an einer Fahrzeugwaschanlage im Kosovo aneinandergeraten sein. Sie hätten sich daraufhin in ihrer Ehre verletzt gesehen und Blutrache geübt. Diese sei im Kanun, einem alten Gewohnheitsrecht, verankert, das in einigen Regionen des Kosovo weiterhin angewandt werde, so die Staatsanwaltschaft. Jeder Mord werde mit einer weiteren Ermordung gerächt.

Gericht verhängte Höchststrafe

Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten zwei Männer – der heute 36-Jährige stammt aus dem Kosovo, der 35-Jährige ist mazedonischer Abstammung – als mutmassliche Täter. Im Januar 2016 mussten sie sich vor dem Bezirksgericht Glane in Romont verantworten. Es war ein Indizienprozess: Bei den Beweisen der Staatsanwaltschaft handelt es sich um DNA-Spuren, Telefongespräche, SMS-Nachrichten, Verbindungen zu einem der Kosovo-Clans und Aussagen von Familienangehörigen des Opfers sowie der Angeklagten (die FN berichteten). Die Beschuldigten stritten die Tat ab und verlangten einen Freispruch. Die Verlobte des Mordopfers konnte die Täter nicht identifizieren. Doch die Richter folgten dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilten die zwei Beschuldigten zu lebenslänglicher Haft wegen Mord.

Gegen das Urteil legten die Männer Berufung ein. Gemäss der Zusammenfassung des Falls des Kantonsgerichts will der flüchtige Beschuldigte in allen Punkten freigesprochen werden.

Der Jüngere verlange einen Freispruch bezüglich der Vorwürfe des Mordes und der Gefährdung von Leib und Leben – ausser für seinen Verstoss gegen das Waffengesetz. Knapp über ein Jahr nach dem Urteil des Bezirksgerichts habe er ein Gespräch mit den Ermittlern verlangt, so die Angaben des Kantonsgerichts. Der 35-Jährige habe erzählt, dass er den Kontakt zwischen dem Mitangeklagten und einem Waffenverkäufer hergestellt hatte. Nach dem Mord seien der Mit­angeklagte und ein weiterer Mann überraschend bei ihm zu Hause aufgetaucht. Er habe diesen Mann bei sich versteckt. Eine Befragung dieses Mannes sei nicht mehr möglich: Er sei im Rahmen der Fehde bereits umgebracht worden.

Nur zwei Tage später habe der 36-jährige Mitangeklagte ebenfalls die Ermittler kontaktiert. Er habe ihnen bestätigt, dass er am Waffenkauf mitgewirkt und in der Tatnacht den Mitangeklagten aufgesucht hatte. Zudem habe er angegeben, dass er die zwei Mörder gefahren hatte. Im Anschluss an diese Aussagen seien neue Ermittlungen durchgeführt worden. Deren Ergebnisse dürften heute im Kantonsgericht thematisiert werden.

Ausbruch

Ein Beschuldigter ist noch immer auf der Flucht

Heute dürfte nur der 35 Jahre alte Angeklagte mazedonischer Abstammung zum Berufungsprozess erscheinen. Er sitzt in Haft.

Der mutmassliche Drahtzieher, der 36-jährige Mann aus dem Kosovo, floh Anfang September 2017 aus dem Freiburger Zentralgefängnis. Er verknotete mehrere Bettlaken und überwand so die Gefängnismauer. Dann setzte er sich wahrscheinlich rasch ins Ausland ab. Der Ausbruch löste eine Debatte über die Sicherheit und die Zukunft des Zentralgefängnisses aus.

jmw

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