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Neue Realitäten aus dem Scanner

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Alltagsgegenstände, Sammelobjekte, Zivilisationsabfall, organische Materialien, aber auch ihre eigenen Hände: Aus diesen und anderen Elementen besteht die Kunst der Berlinerin Lucie Stahl. Sie arrangiert alle diese Dinge auf dem Scannerglas zu ausgefallenen Stillleben und präsentiert die Ergebnisse als grossformatige Drucke. Diese Arbeiten zeigt sie nun im Fri Art in Freiburg in ihrer ersten Soloausstellung in der Schweiz. Die Schau vereint rund dreissig Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. 2008 begann Lucie Stahl mit dem Scanner zu arbeiten, und die Faszination für das Gerät liess sie bis heute nicht los. «Der Scanner hat etwas Unmittelbares», sagt die 41-Jährige. «Mit ihm kann ich die Objekte direkt übersetzen und gleichzeitig ihre Rea­lität verändern.» Ausserdem möge sie das Prozesshafte dieser Arbeit: Sie arrangiere die Objekte immer wieder um und probiere vieles aus, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden sei.

Die Ausstellung zeigt, wie sich die Arbeiten von Lucie Stahl über die Jahre verändert haben. Anfangs integrierte sie in die Kompositionen selbst verfasste Texte über Themen, die sie beschäftigten, den Feminismus etwa oder die Rolle einer Künstlerin in der Gesellschaft. Die jüngeren Arbeiten kommen ohne Text aus. «Ich schreibe immer noch», sagt Lucie Stahl dazu, «aber ich baue die Texte nicht mehr direkt in die Scans ein.» Hingegen seien die Bilder insgesamt dichter geworden, ergänzt Kurator Fabrice Stroun, der die Ausstellung im Auftrag der Kunsthalle gestaltet hat. «Betrachtet man sie als Ganzes, wirken sie wie das Abbild einer Gesellschaft, die sich immer mehr selbst erstickt.» Doch bei aller Ernsthaftigkeit habe Stahls Arbeit auch etwas Leichtes, so Stroun. «Es steckt viel Humor in diesen Werken.»

In vielen Bildern sind Lucie Stahls eigene Hände zu sehen. «Das hat für mich etwas Archaisches», sagt die Künstlerin. «Es vermittelt die Idee von archäologischen Grabungsarbeiten, bei denen alle diese Objekte zutage treten.» Weil die Objekte durch das Scannen ihre Tiefe verlieren, entfalten die Bilder eine eigenartige Wirkung zwischen Realismus und Fremdartigkeit. Für Fabrice Stroun passt das zu einer Welt, «in der kein Surrealismus mehr möglich ist, weil alles bereits verrückt ist.»

Ungewohnte Blickwinkel

Ergänzt werden die Scanner- Arbeiten mit einer Auswahl an dokumentarischen Fotografien und Skulpturen von Lucie Stahl. So wirft die Foto-Serie «Berlin Babylon» aus dem Jahr 2017 einen ungewohnten Blick auf die Fernsehserie «Babylon Berlin», eine Krimi-Reihe, die in der Zeit der Weimarer Re­pub­lik spielt. Lucie Stahl hat Darsteller und Crew-Mitglieder der Serie bei Aussenaufnahmen am Rande der Dreharbeiten fotografiert und lässt so die 1920er-Jahre mit der Gegenwart verschmelzen.

Im ersten Stock der Kunsthalle finden sich Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen und Ausstellungszusammenhängen. Auch hier entfaltet sich Lucie Stahls eigenwilliges, augenzwinkerndes Universum, etwa, wenn ein im Zoo fotografierter Affe mit seinem kontemplativen Blick in Dialog tritt mit der Skulptur eines liegenden Menschen, der genauso versonnen auf die aus den Fugen geratene Welt blickt.

Fri Art, Kleinrahmengasse 22, Freiburg. Bis zum 6. Mai. Mi. bis Fr. 12 bis 18 Uhr, Sa. und So. 13 bis 18 Uhr.

«Mit dem Scanner kann ich die Realität der Objekte verändern.»

Lucie Stahl

Künstlerin

«Die Werke sind das Abbild einer Gesellschaft, die sich immer mehr selbst erstickt.»

Fabrice Stroun

Kurator

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