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Neuer Plan für die «Bierkathedrale»

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«Denkmalpflegerisch hat die Graue Halle den gleichen Status wie die Freiburger Kathedrale», sagt der Architekt Adrian Kramp und schmunzelt. «Sie ist ja gewissermassen auch eine Bierkathedrale.» Der Freiburger hat zu Recht gut lachen. Sein Büro Boegli Kramp überzeugte die Jury beim Studienauftrag für die Neugestaltung der Grauen Halle in der Blue Factory – der ehemaligen Abfüllanlage der Cardinal-Brauerei – am meisten. Noch bis zum kommenden Mittwoch ist sein Projektentwurf zusammen mit denjenigen der anderen fünf Teilnehmer vor Ort ausgestellt und ausser am Wochenende täglich von 17 bis 19 Uhr fürs Publikum offen.

Der einstimmige Entscheid der elfköpfigen Jury fiel vor rund einem Monat, wie die Tageszeitung La Liberté berichtete. Massgeblich für deren Entscheid waren laut dem Blue-Factory-Direktor Philippe Jemmely die wissenschaftliche Präzision, mit der sich das Büro Boegli Kramp um das Thema Lichteinfall und -verteilung gekümmert hat.

Da nämlich das Bierabfüllen nicht wirklich viel Licht braucht, fällt tatsächlich zunächst einmal die relative Dunkelheit in der Halle auf, die bis anhin nur durch etwas diffuses Oberlicht erhellt wurde. Die Sieger sind laut Jemmely aber auch die einzigen Wettbewerbsteilnehmer gewesen, die ihr Projekt nach der ersten Vorpräsentation Mitte Januar nochmals komplett umgestellt und den Wünschen der Jury speziell angepasst hätten.

«Hub der Begegnung» schaffen

«Wir wünschen uns hier einen Hub der Innovation und Begegnung», so Jemmely weiter. Natürlich könne man aber auch von den bisherigen Erfahrungen mit der Blauen Halle profitieren. Die Trägerschaft will in der seit 2011 brachliegende Halle junge, kreative Unternehmen ansiedeln, ergänzt Kramp. «Es geht uns um hoch qualifizierte Arbeitsplätze, Start-ups und Synergien mit dem Forschungsstandort Freiburg», so der Architekt. Das für die Stadt so wichtige, ehemalige Cardinal-Areal habe sich bislang ein wenig in einer Sackgasse befunden und sei auch verkehrstechnisch noch ungenügend erschlossen – zumal es wie viele ehemalige Industriestandorte, etwa das ABB-Areal im aargauischen Baden, gewissermassen eine «verbotene Stadt» dargestellt habe.

So sieht es aktuell aus.

Aufgrund ihrer Relevanz als architektonisches Baudenkmal der Industriegeschichte darf die Graue Halle bei dieser Neugestaltung nur sanft verändert werden. Diesen Spagat zu schaffen, war für Kramp die grösste Herausforderung. Aus diesem Grund wird das ganze Projekt sehr eng vom Kulturgüterdienst begleitet. Eine der wichtigsten Vorgaben war laut dem Architekten, dass man die Halle im Prinzip jederzeit wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzen kann. Gewisse Bauelemente, die bei der Neugestaltung obsolet werden, darf man daher nicht entsorgen. Sie müssen speziell aufbewahrt werden.

Neue Zwischenebenen

Die Art, wie Kramps Team diesen Gordischen Knoten zwischen Bewahrung und Neugestaltung löste, ist geradezu genial einfach und wohl der Hauptgrund dafür, wieso es schliesslich den Zuschlag erhielt. «Im Grunde genommen machen wir etwas ganz Simples», so der Architekt. «Vereinfacht gesagt bauen wir im Erd- und im Obergeschoss verschiedene, seitlich gegeneinander versetzte Zwischenebenen ein und verbinden diese mit Treppen als dreidimensionalen Strassen.» Die neuen Zwischenebenen und Deckendurchbrüche sollen eine räumliche Vielfalt mit Blickbeziehungen zwischen den verschiedenen Geschossen erzeugen.

Die Erschliessung wird ins Zentrum der Halle – deren Grösse einer Fünffach-Turnhalle entspricht – gerückt, um Räume mit Tageslichtbedarf an den Fassaden anzuordnen. «Die an sich widernatürliche Umnutzung des Gebäudes erfordert typologische Innovationen und gezielte Eingriffe von chirurgischer Präzision», so der Architekt.

Ein grosszügiger Eingangsbereich soll in die öffentlichen Räume des Erdgeschosses mit einem Restaurant, einer Mikro-Brauerei und Auditorien führen. Eine offene Treppe führt in das neue obere Erdgeschoss und gibt den Blick auf den gesamten Innenraum frei. Die oberen Geschosse sollen durch unterschiedliche Mieter besetzt werden sowie durch visuelle und räumliche Bezüge über die Freiräume in Beziehung zueinander treten.

So soll es einmal aussehen. (Visualisierung Boegli Kramp Architekten AG)

Der weitere Zeitplan ist bereits definiert. Der Baustart kann im idealen Fall im Sommer 2018 erfolgen, Ende 2019 könnte der Umbau abgeschlossen sein. Das Ganze dürfte laut Jemmely wohl gegen 18 Millionen Franken kosten. Besonders stolz ist der Blue-Factory-Direktor darauf, dass das Projekt rein privat ohne Gelder der öffentlichen Hand finanziert werden soll.

«Mehr Kantonsengagement»

Das weitere Schicksal der Grauen Halle beschäftigt derzeit auch die Politik. So fordern die Grossräte Marc-Antoine Gamba (CVP, Freiburg) und Christian Ducotterd (CVP, Grolley) in einer Anfrage an den Staatsrat, dass sich der Kanton mehr in Sachen Blue Factory engagiere – und die Stadt weniger. Denn der Kanton habe im Unterschied zu seiner Hauptstadt auch die nötigen Finanzen dafür.

Aber auch private Investoren sollten sich künftig noch stärker als bisher in die Trägerschaft des Areals finanziell einbringen können. Denkbar ist für Gamba auch eine vertiefte Zusammenarbeit mit anderen ähnlichen Arealen wie dem Marly Innovation Center.

Von Kramps Projekt zeigte sich der Grossrat im Gespräch mit den FN begeistert. «Nachdem bei der Grauen Halle lange nichts mehr ging, kommt nun endlich Schwung in die Sache», sagt er. Es sei bedauerlich, dass der denkmalpflegerische Aspekt es lange verhindert habe, hier in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum eine architektonische Verdichtung zu erreichen. Es sei ihm aber auch ein Anliegen, das ganze optische Erscheinungsbild der Blue Factory weiter zu verbessern. «Es braucht mehr Dynamik», so Gamba. «Denn die Blue Factory kann an ihrer zentralen Lage künftig eine ganz wichtige Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Privatwirtschaft werden.»

Zahlen und Fakten

Platz für mehrere 100 Arbeitsplätze

Die 1962 durch Georges-Pierre Dubois erbaute ehemalige Cardinal-Abfüllhalle (Graue Halle) erstreckt sich über drei Etagen, wobei das Obergeschoss von einer Doppelhöhe profitiert. Das Gebäude ist im Obergeschoss 67 Meter lang und soll künftig auf vier verschiedenen Niveaus insgesamt über 5000 Quadratmeter Nutzfläche bieten. Wie viele neue Arbeitsplätze hier insgesamt entstehen, kann man laut Architekt Adrian Kramp noch nicht sagen. Gehe man aber von 12 bis 15 Quadratmeter pro Arbeitsplatz aus, so wäre hier Platz für 333 bis 416 Arbeitsplätze.

jcg

 

 

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