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Nicht Kommunist, nicht Kapitalist

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Jacques Eschmann, 1947 als ältestes von sechs Kindern geboren, wuchs im Jura auf. Damals gehörte der Nordjura noch zum Kanton Bern, bevor dann der Jurakonflikt mit der Separatistenbewegung Béliers 1978 durch die Gründung eines eigenen Kantons ein Ende fand. Vater Eschmann war Büroangestellter, arbeitete sich zum Geschäftsleiter der heutigen Landi Jura hoch; die Mutter war Bürokauffrau mit einem stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Jacques verbrachte eine glückliche, sehr traditionelle Kindheit, wie er heute sagt. «Ich mochte klassische Musik und habe Klavier gespielt.» Die Musik, die seine Altersgenossen hörten, hat ihn nicht interessiert.

«Europa – ein wirtschaftlicher Riese, aber ein politischer Zwerg – existiert nicht und hat der Blödheit Trumps nichts entgegenzuhalten. Wir gehen auf eine Katastrophe zu.»

 

Wir sitzen auf einer Parkbank in den Düdinger Mösern, die Sonne scheint, es ist heiss, und die Bäume spenden den ersehnten Schatten. Jacques Eschmann hat sich diesen Ort für das Gespräch ausgesucht. «Weil es ein wunderschöner Fleck ist», sagt der grossgewachsene, feinsinnige Mann mit einem Lächeln. Und weil Pro Natura das Schutzgebiet, das der Gemeinde Düdingen gehört, verwaltet und pflegt. Im ganzen Kanton kümmert sich die Umweltorganisation um über 30 Naturschutzgebiete. Eschmann war 17 Jahre lang ihr Präsident. Nun hat er das Zepter einem Jüngeren übergeben (die FN berichteten). Eine Gelegenheit, zurückzublicken.

Der pessimistische Optimist

Eschmann ist mit dem Fahrrad zum Interview gekommen. Ein Auto hat er nicht. «Ich war schon gestern früh morgens hier», erzählt er. «Ich habe eine Entenmutter mit ihren Kindern gesehen.» Und prompt sehen wir sie wieder. Idylle pur. Dabei gehe es der Welt schlecht, und die Zeit laufe gegen uns. «Die Klimaziele werden nicht respektiert, Europa – ein wirtschaftlicher Riese, aber ein politischer Zwerg – existiert nicht und hat der Blödheit Trumps nichts entgegenzuhalten. Wir gehen auf eine Katastrophe zu.» Eschmann schaut pessimistisch in die Zukunft, obwohl er eigentlich ein optimistisches Gemüt hat, wie er sagt. «Meine Hoffnung liegt in der Zivilgesellschaft. Auf der institutionellen Ebene sehe ich schwarz. Für unsere Kinder und Grosskinder wird es hart.» Sich zurückzuziehen ist für den Flexitarier (Flexitarier essen nur selten, nur ausgewähltes oder nur wenig Fleisch) keine Option. «Man muss auf die Gesellschaft einwirken.»

Der intellektuelle Revolutionär

Eschmann hat sich diese Haltung schon früh zum Prinzip gemacht. In den 1968er-Jahren begann seine Politisierung. Die Stones und LSD waren nicht sein Ding, ihn interessierte der politische Umbruch, der gesellschaftskritische Diskurs. «Als ich 1966 an die Uni Freiburg kam, schloss ich mich allen linken Gruppen an.» Er studierte Naturwissenschaften, Geografie war sein Lieblingsfach, und stiess zu einer katholischen Studierendenbewegung. «Die Unterentwicklung der Dritten Welt empfand ich damals als die grösste Ungerechtigkeit auf der Welt.» Er las Marx und andere Autoren, nahm an Seminaren teil, um zum Schluss zu kommen: «Der Kapitalismus muss abgeschafft werden.» Gleichzeitig ertrug Eschmann die totalitäre Ausprägung des Marxismus-Leninismus von Stalin nicht. «Ich konnte nicht Kommunist sein, aber auch kein Kapitalist, und die SP war mir zu reformistisch.»

Also gründete er 1971 zusammen mit fünf anderen Studierenden – darunter der später national bekannte Gewerkschafter Vasco Pedrina – die Freiburger Sektion der Revolutionären Marxistischen Liga. «Wir waren Trotzkisten, planten die Revolution über die Arbeiterschaft.» Zwar glaubte Eschmann nie wirklich daran, dass dies in der reichen, angepassten Schweiz gelingen könnte. «Aber vielleicht in Italien oder so.» Er und seine Weggefährten verteilten Flugblätter in den Fabriken Freiburgs – Boxal, Condensateurs – und forderten mehr Lohn und Freizeit für die Arbeiterschaft. «Die Gewerkschaften waren eingeschlafen, und wir haben sie herausgefordert.» Bis um 23 Uhr abends hätten die Mitglieder der Revolutionären Marxistische Liga jeweils diskutiert. «Dann haben wir die Flugblätter gedruckt und sie morgens um 6 Uhr verteilt.»

Um die Verbundenheit mit der Arbeitswelt zu demonstrieren und Antireflexen gegen den Marxismus zu begegnen, gab sich die Partei den neuen Namen Sozialistische Arbeiterpartei (SAP). 1985 ging daraus «Ökologie und Solidarität» hervor, die 1990 mit der Freiburger Sektion der Grünen Partei Schweiz fusionierte. Umweltfragen seien ihm immer wichtig gewesen, sagt Eschmann. Er zählte damals aber eher zu den «Wassermelonen»: innen rot, aussen grün. «Gegenüber den rechten Grünen konterte ich dann: Und du bist eine Peperoni, aussen grün und innen hohl.» Aber eigentlich war es ganz anders: «Immer, wenn es in einer Gruppe zu grün war, wollte ich ein wenig Rot reinbringen, und wenn es zu rot war, ein wenig Grün.»

An die Macht ohne viel Macht

Die Zeiten hatten sich inzwischen geändert, und dem bald 40-jährigen Eschmann wurde klar: «Will man nicht vom Radar verschwinden und politischen Einfluss haben, muss man an Wahlen teilnehmen.» Der Plan ging auf: 1986 wurde er zusammen mit drei Mitgliedern von «Ökologie und Solidarität» in den Generalrat der Stadt Freiburg gewählt. Sodann reichten die Grünen 1991 erstmals eine Liste für den Gemeinderat ein. «Nicht um gewählt zu werden, sondern um im Generalrat mehr Gewicht zu haben», wie Eschmann betont. Doch es kam anders: Erstmals zog die Grüne Partei im Kanton Freiburg in eine Exekutive ein. Eschmann gewann den Sitz auf Kosten der FDP.

Dieser Umstand freut ihn noch heute. Er übernahm das Ressort Verkehr mit einem Pensum von 30 Prozent. Denn damals hatten noch nicht alle Gemeinderäte ein volles Mandat. Mit viel Enthusiasmus sei er eingestiegen. «Aber im bürgerlich dominierten Gemeinderat war ich immer in der Minderheit, teilweise erhielt ich nicht einmal die Unterstützung der SP», erinnert sich Eschmann. Er lernte den Kompromiss kennen. Dennoch habe er ein paar Dinge realisieren können: zum Beispiel Velowege und Bushaltestellen auf der Fahrspur. «Beides war eigentlich tabu und sorgte für Unmut. Für die Velowege mussten gar Parkplätze geopfert werden.» Ein Widerstand, der bis heute anhält. «Freiburg bleibt eine schwierige Stadt. Teilweise verstehe ich die Menschen. Aber in der Stadt gehört die Zukunft nicht den Autos.» 2001 stellte sich Eschmann nach zwei Legislaturen nicht mehr zur Wiederwahl. Die Stimmung im Gemeinderat war schlecht, und er wollte seine Lehrtätigkeit nicht aufgeben.

Das alles ist längst Geschichte. Aber das zivile Engagement von Eschmann geht weiter. So will er sich auch in Zukunft im Vorstand von Pro Natura einsetzen und erreichen, dass der Kanton die Natur im Richtplan umfassend berücksichtigt.

Zur Person

Erster Grüner Gemeinderat von Freiburg

Jacques Eschmann ist 1947 in Moutier geboren und in Delsberg aufgewachsen. 1971 erwarb er an der Uni Freiburg ein Lizenziat in Naturwissenschaften. Eschmann unterrichtete im Rahmen der Vorbereitungskurse auf das Hochschulstudium für ausländische Studierende Geografie und Französisch. Er war der erste Grüne Gemeinderat im Kanton (1991 bis 2001). Eschmann ist im Vorstand von Fri Santé und Pro Natura. Nach 17 Jahren gab er kürzlich das Präsidium ab. Eschmann ist geschieden und lebt in einer Partnerschaft.

rsa

 

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