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«Niemand vergibt dir, Veronica»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Hannes Währer

Es ist stockdunkel im stimmigen Gewölbe des Kulturkellers Gerbestock in Kerzers. Eine düstere Melodie erklingt in der Finsternis und lässt eine Ahnung davon aufkommen, dass hier kein «Schenkelklopfer» mit bauernschlauem Witz geboten wird. Und obwohl mit dem Angehen des Lichts eine harmlose Szene beginnt, ist für das Publikum von Beginn an klar: Hier ist mehr im Spiel, als auf den ersten Blick zu erkennen ist.

Vor dem schlichten Bühnenbild – ein Zimmer mit Bett, Tisch, Fauteuil, Truhe und Toilettentisch – entfaltet sich eine Szene, deren Skurrilität von den Schauspielern Satz für Satz und Geste für Geste aus der Banalität herausgearbeitet wird. Maureen (Brigitta Rusca) und John (René Waeber), zwei ältere Hausangestellte einer wohlhabenden Familie, befinden sich mit Larry (Raphaël Eggli) und Susan (Franziska Schönauer) im Zimmer der vor vielen Jahren verstorbenen Veronica. Nach und nach schält sich aus den Dialogen heraus, dass sich die beiden Paare zuvor in einem Restaurant kennengelernt haben.

In Frieden sterben …

Weil Susan der vor vielen Jahren verstorbenen Veronica scheinbar aufs Haar gleicht, möchten Maureen und John sie dazu bewegen, für eine halbe Stunde Veronica zu spielen. Dies vor der an Krebs erkrankten Schwester Veronicas, die, wie Maureen und John versichern, sich schuldig an deren Tod fühlt. Durch eine versöhnliche Begegnung mit Veronica soll sie von ihren Schuldgefühlen entlastet werden, um in Frieden sterben zu können.

Bis zu diesem Punkt lässt das Stück die Abzweigung zur Humoreske offen. Aber René Waeber und Brigitta Rusca lassen in der Darstellung des erst bloss schrullig erscheinenden Bedienstetenpaars immer wieder kurze Sequenzen eines geheimen Einverständnisses einfliessen, das Böses ahnen lässt. Als Larry schliesslich aus dem Zimmer weggelockt ist und Susan bereits als Veronica kostümiert für ihren Auftritt übt, schliesst das Paar das Zimmer mit einem verhängnisvoll klingenden Geräusch hinter sich ab.

… oder auch nicht

So gespannt wie Susan darauf wartet, was jetzt wohl kommen mag, wird das Publikum auf dem Höhepunkt des Spannungsbogens in die Pause an die gemütliche Bar des Gerbestocks entlassen. Und was danach folgt, ist garantiert nicht das, auf was man beim Cüpli spekuliert hat: Denn Maureen, John und Larry sind nicht, wer sie zu sein vorgegeben haben, und was sie antreibt, ist keineswegs, einer an Krebs erkrankten Frau das Sterben in Frieden zu ermöglichen.

Was «Veronicas Zimmer», geschrieben von Erfolgsautor Ira Levin, aber nebst der sich nach und nach völlig unerwartet entfaltenden Handlung so sehenswert macht, sind die Charakterdarstellungen. Wie René Waeber dem Butlertypen einen Hauch Idiotie verleiht, die Figur mit der Unterwürfigkeit ihres Berufsstandes zeichnet und dahinter immer wieder einen Zug Tücke aufscheinen lässt, zieht von Beginn weg in Bann. Und wenn Brigitta Rusca mit Mimik und Gestik gespielte Freundlichkeit, Arglist, Herrschsucht, tödlichen Wahn und nackte Perversion in fliessenden Übergängen zeichnet und damit die zahlreichen Facetten ihrer Rolle herausarbeitet, wird der Text zur Nebensache der schauspielerischen Leistung.

In die Enge getrieben

Gekonnt und überraschend steuert auch Raphaël Eggli die Figur Larry durch die mehrfach auftretenden Metamorphosen während der Handlung. Und Franziska Schönauer absolviert den Weg von der naiven und überheblich wirkenden Psychologiestudentin zum in die Enge getriebenen Opfer mit authentisch wirkender Bühnenpräsenz. Als sie, die unschuldig in das Abenteuer geraten ist, Rusca schliesslich um Gnade anfleht, erhält sie von dieser nur die bitterböse Antwort entgegengezischt: «Niemand vergibt dir, Veronica».

Zum Glück nur Theater

Spätestens bei dieser Szene werden sich bei dem einen oder andern unter den Zuschauern die Nackenhaare aufgestellt haben, als wäre die auf der Bühne gespielte Grausamkeit echt. Aber was «Theater-Zyt» unter der Regie von Sabine Geiger und Beat Rentsch zeigte, war nur Theater, aber gutes eben.

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