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Noch weit entfernt von einem Sesseltanz

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Nicole JEgerlehner

Das Gastspielhaus – pardon, das Equilibre – im Stadtzentrum Freiburgs ist noch nicht fertig gebaut, und schon wird darin das erste Theaterstück aufgeführt, wenn auch nicht vor vollen Rängen. Das Stück heisst «Sesseltanz»; immer neue Personen treten auf und kaufen sich für 700 Franken einen roten Theatersessel. Zwischendurch tritt der Eulenspiegel auf und erinnert daran, dass die Fauteuils nur virtuell erstanden werden. Obwohl – das Geld wird sehr real überwiesen, nur der Besitz eines der 678 Sitze ist virtueller Natur.

Kurz nachdem der Vorhang sich geöffnet hat, tritt das Oberhaupt des Saanebezirks auf die Bühne: Oberamtmann und SP-Politiker Carl-Alex Ridoré kauft sich den zweiten Sessel. Kurz nach ihm tanzt Erika Schnyder mit ihrem Hut winkend über die Bühne. Die Syndique und SP-Politikerin von Villars-sur-Glâne hat ihren Auftritt noch lange vor dem Freiburger Gemeinderat und setzt sich auf den vierten Stuhl. Die nächste Politikerin, die zu einem Auftritt kommt, ist Madeleine Genoud-Page (CSP). Das private Konto der Freiburger Finanzdirektorin ist offenbar weniger leer als die arg gebeutelte Stadtkasse. Sie sitzt auf dem zehnten Stuhl und immer noch in der ersten Reihe. Genoud-Pages Auftritt eröffnet den Reigen der Freiburger Gemeinderäte: Nach ihr tanzen Syndic Pierre-Alain Clément (SP), Vize-Syndic Jean Bourgknecht (CVP) und Polizeidirektor Charles de Reyff (CVP) über die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Reihenfolge ihrer Bühnenpräsenz erfolgt in schöner hierarchischer Ordnung – und zeigt allen, die es noch nicht wussten: Geld regiert. Und das gilt auch, wenn kein Geld vorhanden ist. Die Finanzdirektorin sitzt in der ersten Reihe, die Herren in der zweiten. Dass ausgerechnet die parteilose Schul- und Sozialdirektorin Marie-Thérèse Maradan Ledergerber als einzige Gemeinderätin bisher keinen Fuss auf die Bühne gesetzt hat, lässt einigen Interpretationsspielraum offen.

Auch andere städtische Politikerinnen und Politiker treten in «Sesseltanz» auf. Es sind vor allem Vertreter der CVP, der CSP und der SP. Hingegen wagt kaum ein FDP-Politiker den Schritt auf die Bühne. Das liegt nicht etwa daran, dass Liberale geschäftstüchtiger sind als andere Politiker und prinzipiell gegen Subventionen sind. Nein, das liegt daran, dass sie bereits in einem früheren Stück die Hauptrolle übernommen hatten. Die geneigte Leserschaft erinnert sich sicher ans Stück «Wir verhindern das Gastspielhaus». Einzig der Freiburger Generalrat Jean-Jacques Marti und der glücklose Oberamts-Kandidat Denis Boivin treten im aktuellen Stück auf. Wobei – so genau werden wir es nie wissen: Immerhin elf Personen huschen beim Tanz um den roten Sessel anonym über die Bühne.

Nicht so ein Staatsrat – ein einziger: CVP-Politiker Beat Vonlanthen lässt sich seinen Auftritt nicht nehmen. Und weil ihm der Zwischenapplaus so gefällt, tanzt er kurze Zeit noch einmal über die Bretter, die die Welt bedeuten, und ersteht sich einen zweiten Sessel. Erziehungsdirektorin Isabelle Chassot (SP) hingegen ist zurzeit so mit den Proben für die Harmonisierung der Schulen beschäftigt, dass sie ihren Auftritt als Kulturdirektorin im Sesseltanz nicht wahrnehmen kann.

Zwei Politiker, die sich sonst kaum auf Provinzbühnen zeigen, sondern das nationale Parkett in Bern vorziehen, treten ebenfalls im Equilibre auf – und das, obwohl sie eigentlich mit einem viel wichtigeren Stück beschäftigt waren: Mitte August, also mitten im ersten Akt des Theaters «Wer folgt auf Bundesrat Couchepin?», ersteht CVP-Mann Urs Schwaller einen roten Sessel. Und wie immer – einige Schritte nach ihm tanzt sein Parteikollege Dominique de Buman über die Bühne. Er muss sich mit einer Sitzgelegenheit in der sechsten Reihe begnügen, während Schwaller in der fünften Reihe Platz nimmt.

Einen wichtigen Part im Stück «Sesseltanz» übernehmen Ärzte, Zahnärztinnen, Anwälte und Juristinnen. Sie haben ja das Geld, denkt sich das Publikum bei ihren Auftritten – so wie auch die Unternehmer und Verwaltungsräte, die sich im Stück ebenfalls immer wieder in den Vordergrund drängen. Die Mitglieder der Familien Bulliard und Antiglio treten je als Gruppe auf; sie können sich nebeneinander setzen und müssen nicht um einen einzigen Sitz buhlen.

Einige Auftritte im «Sesseltanz» überraschen. So gelten Kunstschaffende gemeinhin ja eher als mittellos. Und doch kommen Kunstmalerinnen, Musiker und sogar das Internationale Folkloretreffen Freiburg zu einem Auftritt. Definitiv als mittellos gelten Studierende – doch auch die Studentenverbindung Corporazium Academica Rezia hat sich ins Rampenlicht gedrängt und sich einen virtuellen Sessel geleistet.

Die Stärke des Stücks machen jedoch die Komparsen aus: Ohne die zahlreichen Vertreterinnen und Vertreter aus dem Volk würden sich die roten Sitze nicht füllen. Doch auch so ist der Sesseltanz noch nicht wirklich in Schwung. Bis der Tanz um den letzten Fauteuil beginnen kann, vergeht noch eine Weile: Erst 142 der 678 Fauteuils sind besetzt. Und so können wir noch ein, zwei Saisons lang das erste Theaterstück des Equilibre verfolgen.

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