Murten 28.08.2018

Mittendrin in der Schlacht bei Murten

Die Interaktivdesigner Pauline Saglio (l.) und Mathieu Rivier (r.) haben das Gerät entworfen, durch das Ivan Mariano (M.), Direktor des Museums Murten, das Panorama der Schlacht bei Murten betrachtet.
Dank eines neuen digitalen Aussichtsfernrohrs kann das Museum Murten seinen Besucherinnen und Besuchern das Schlachtpanorama zeigen. Der Museumsdirektor will in Zukunft weitere historische Panoramen digitalisieren.

Das Murtner Schlachtpanorama ist ab heute Teil der Dauerausstellung im Museum Murten, und zwar in digitaler Form. «Alte Werke und neue Technologien werden miteinander verbunden», sagt Ivan Mariano, Direktor des Museums, als er gestern den Medien das neue Ausstellungsstück vorstellte. Es ist einem Fernrohr nachempfunden, das sich oft an Seen oder auf Aussichtspunkten findet. Durch das Fernrohr des Museums schweift der Blick jedoch nicht in die Ferne, sondern auf einen Bildschirm im Gerät, auf dem das 100 Meter lange und zehn Meter hohe Rundbild zu sehen ist. Wer sich 360 Grad um das Fernrohr dreht, hat das gesamte Panorama gesehen.

Effekt von räumlicher Tiefe

Der Betrachter hat den Eindruck, in die Schlacht einzutauchen. Das sei ein stereo­skopischer Effekt, erklärt Ma­thieu Rivier, der die Apparatur zusammen mit Pauline Saglio entwickelt hat. Weil das linke und rechte Auge unterschiedliche zweidimensionale Bilder aus zwei leicht abweichenden Betrachtungswinkeln sehen, entsteht ein Eindruck von räumlicher Tiefe. Zudem ist der aufsteigende Rauch auf dem Gemälde animiert. «Damit wollen wir die Aufmerksamkeit der Betrachter wecken, auch den Rest des 360-Grad-Panoramas zu entdecken.» Auf weitere Animationen des Bildes haben die beiden Absolventen der «École cantonale d’art de Lau­sanne» bewusst verzichtet: «Wir wollten das Werk zeigen, ohne es zu verfälschen oder es neu zu interpretieren», sagt Saglio. Die digitale Darstellung habe den Vorteil, dass Erklärungen direkt auf dem Bild angezeigt werden können. Auf dem Schlachtpanorama sind die wichtigsten Akteure mit Namen bezeichnet.

Eine Virtual-Reality-Brille wollten Saglio und Rivier nicht verwenden. «Denn die Wahrnehmung des Bildes ist dann anders», so Saglio. Die Aussichtsfernrohre seien den Besuchern bereits vom Seeufer vertraut. «Sie wissen sofort, dass sie durch das Gerät ein Panorama betrachten können.» Der Einsatz einer Virtual-Reality-Brille sei für das Museum zudem umständlicher, erklärt Rivier. «Es bräuchte immer eine Begleitperson für die Besucherinnen und Besucher.» Ihm seien die Ästhetik und die einfache Verwendung des Apparats am wichtigsten.

Für die Erstellung ihres Projektes hatten Rivier und Sa­glio keinen Zugang zur Originaldarstellung. Die «Stiftung für das Panorama der Schlacht bei Murten (1476)» habe ihnen hochauflösende Aufnahmen zur Verfügung gestellt. «Für die Zusammenstellung der einzelnen Aufnahmen in ein 360-Grad-Bild verwendete ich eine Software für Computerspiele», erklärt Rivier die Vorgehensweise.

Die digitale Präsentation des Schlachtpanoramas sei ein erster Schritt, sagt Mariano. Als Nächstes wolle er mit den Interaktivdesignern Rivier und Saglio das Panorama «Die Erklärung der Murtenschlacht» von Martin Martini von 1609 und das Panorama von Eduard Kinkelin aus dem frühen 19. Jahrhundert zugänglich machen. Denkbar sei es auch, eine Rundumansicht der Region Murten zu realisieren.

550-Jahr-Jubiläum naht

Das originale Panorama befinde sich weiterhin in einem Depot der Schweizer Armee, so Mariano. Pläne, das histo­rische Rundbild nach der Expo 02 wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ­gebe es offenbar nicht. Die Verantwortlichen der «Stiftung für das Panorama der Schlacht bei Murten (1476)» waren für Auskünfte diesbezüglich nicht erreichbar. Zwei wesentliche Schwierigkeiten gebe es bei der öffentlichen Präsentation des 1000 Quadratmeter grossen Panoramas: Zum einen be­nötige es einen ausreichend ­grossen Ausstellungsort, zum anderen auch ein grosses Budget, um die Ausgaben für das Gebäude und die Betriebs­kosten zu finanzieren. Mariano hofft, dass das 2026 anstehende 550-Jahr-Jubiläum der Schlacht dem alten Wunsch, das Panorama öffentlich zu zeigen (siehe Kasten), neuen Elan verleihe.

Chronologie

Eine Standortsuche ohne Erfolg

Das 10 Meter hohe und 100 Meter lange Gemälde des Malers Louis Braun aus dem Jahr 1893 stellt die entscheidende Wende der Schlacht bei Murten im Jahre 1476 dar. Am 27. August 1894 wurde es in Zürich erstmals ausgestellt, sagt Ivan Mariano, Direktor des Museums Murten. Erst 1924 kam das Gemälde nach Murten. Für die Expo02 wurde es restauriert und im Monolith auf dem Murtensee ausgestellt. Danach wurde das Panorama in einem Depot der Armee eingelagert. 2012 gab es Pläne, das Gemälde beim Historischen Museum in Bern auszustellen. Jedoch gelang es nicht, die benötigten 20 Millionen Franken zu beschaffen. 2015 waren das Papiliorama in Kerzers und die Schokoladenfabrik Cailler in Broc als mögliche Standorte im Gespräch.

jmw
«Alte Werke und neue Technologien werden mitein­ander verbunden.»

Ivan Mariano

Direktor des Museums Murten