Darts 06.11.2018

«Wir sind wie eine grosse Familie»

An den Dart-Turnieren der FKB Darts League steht die Geselligkeit im Mittelpunkt, so etwa am Samstag in Bösingen. Dass jedoch auch Präzision und Konzentration gefragt sind, beweist, dass Dartspielen mehr ist als eine Pub-Sportart.

Ein Hauch von englischer Pub-Atmosphäre im Gasthof Drei Eidgenossen in Bösingen am Samstagnachmittag. Konzentriert werfen die Teilnehmer des Dart-Turniers Framo Darts Open die Pfeile auf die Wurfscheiben. Die Regeln scheinen für Aussenstehende auf den ersten Blick kompliziert. Vereinzelte Zuschauer haben sich nach englischem Brauch verkleidet und sind so dem Ruf der Organisatoren gefolgt. Eine Besucherin trägt etwa einen riesigen Hut und ein Cape mit Dartscheiben-Muster, zwei Männer einen lustigen Kopfschmuck, auch einige Kinder sind kostümiert. «Es ist schade, dass es nicht mehr sind», sagt Zuschauerin Christine Dietrich aus Cressier. Sie hat sich als Vampir verkleidet. Die Atmosphäre ist gemütlich. Die Anwesenden unterhalten sich bei einem Bier, die Serviceangestellte bringt einen Imbiss an einen der Tische. Ihr Serviertablett sieht zufällig auch fast wie eine Dartscheibe aus: Ein blau-gelb geringelter Kreis ziert die Fläche.

4 Frauen, 60 Männer

40 qualifizierte Spieler sind bereits gesetzt, 24 weitere kämpften am Morgen um acht Startplätze. Nun treten die 48 Teilnehmer in acht Sechsergruppen gegeneinander an und ringen um den Open-Titel. Übertragen wird der Anlass erstmals auf Rega TV. Eine Teilnehmerin hat gerade Pause. Sie gehört zu den Glücklichen, die einen der acht Plätze ergattern konnten. «Ich mache seit einem Jahr bei Dart-Turnieren mit, habe aber schon vorher ab und zu gespielt», sagt die 38-jährige Sarah Abt aus Spiez (Bild unten rechts). Zum Sport gekommen sei sie durch ihren Lebenspartner. Ein- bis zweimal pro Woche trainiert sie, meistens zu Hause, doch manchmal auch in einem Pub. «Mir gefällt die Atmosphäre.» Sie ist eine der wenigen Frauen unter den Teilnehmenden: Nur vier Spielerinnen sind unter den insgesamt 64 Teilnehmenden des Turniers. In der Männerdomäne fühlt sich Abt wohl. «Es ist ein guter Ausgleich: An meinem Arbeitsort, einer Kita, sind wir 15 Frauen im Team.» Am Sport mag sie die Präzision, die er erfordert. «Mir gefällt es, auf etwas zu zielen.»

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Keiner will «Woman Loser» sein

Bereits qualifiziert für das Hauptturnier hatte sich Esther de Mamiel aus Schmitten. Die 48-Jährige spielt seit acht Jahren Dart. «Meine ersten Pfeile waren ein Geburtstagsgeschenk zum Vierzigsten.» Auch sie mag die Ambiance beim Dart-Spielen. «Das ganze Drum und Dran ist sympathisch. Man trifft sich am Freitagabend und wirft ein paar Pfeile.» Am Sport gefällt ihr, dass sich Männer und Frauen Seite an Seite messen können und die gleichen Chancen haben. «Die physische Kraft spielt keine Rolle, nur die mentale Stärke.» In der Männerdomäne fühle sie sich wohl. «Man fühlt sich aufgenommen und wird als Gegner anerkannt.» Und sie fügt lachend an: «Gegen Frauen verlieren die Männer jedoch trotzdem nicht gerne.» Wenn ein Spieler gegen eine Spielerin verliere, werde er nicht selten als «Woman Loser» betitelt.

Präzision und Kopfrechnen

Sechs Turniere organisiert die FKB Darts League pro Saison. Sie richtet sich an alle interessierten Hobby-Spielerinnen und Spieler, die nicht aktiv in einem Verein mitspielen wollen. Das niederschwellige Angebot kommt an. «Die 60 Startplätze sind immer sofort ausgebucht», sagt Co-Organisator Manfred Raemy. Es ist das 48. Turnier, das der Sensler Oberamtmann mitorganisiert. Das erste fand 2007 statt. «Wir sind wie eine grosse Familie.» Der älteste Teilnehmer sei 72 Jahre alt, der jüngste 15 Jahre. «Sobald man die Körpergrösse erreicht hat, um die Pfeile selber von der Scheibe wegzunehmen, darf man mitmachen.» An den Turnieren kämen Menschen mit dem verschiedensten Hintergrund und verschiedensten Berufen zusammen. «Das ist das Schöne daran.» Seit 25 Jahren widmet sich Raemy dem Dartsport. «Wir spielten früher in der legendären Wuno-Bar in Wünnewil.» Als der Wirt keine Turniere mehr organisierte, hätten er und Silvio Stritt die FKB Darts League ins Leben gerufen. Der Dart-Sport fasziniert den Oberamtmann. «Die Geselligkeit und die Kombination aus Koordination, Konzentration und Kopfrechnen» überzeugen ihn. «Man kann auch überall Dart spielen, mit wenig Aufwand», so der 44-Jährige. Auch die Zuschauer geniessen die Ambiance. «Die Spieler bringen Höchstleistungen in Bezug auf ihre mentale Konzentration», sagt etwa Tomas Pivko aus Bösingen. «Oft werden sie unterschätzt: Klischees wie ‹Bierbäuche und Tätowierungen› sind verbreitet. Das finde ich unfair. Es ist eine richtige Sportart.»

Unter den Teilnehmern ist auch Radio-Freiburg-Sportredaktor Fabian Waeber. «Ich spiele schon seit sechs Jahren Dart.» Er sei durch seinen Stiefvater auf das Dartspielen aufmerksam geworden. «Wir spielten jeweils in seinem Keller. Dort hat alles angefangen, noch vor den Turnieren in der Wuno-Bar.» Am Dartspielen schätzt der 26-jährige Sportredaktor wie die anderen vor allem die Geselligkeit. «Es hat eine gute Stimmung.» Auf das Klischee der Pub-Sportart angesprochen, meint er lachend: «Das stimmt.» Das Dart-Spiel habe aber auch viel mit Konzentration zu tun. «Man spielt nicht gegeneinander, sondern eher gegen sich selber. Man muss sehr konzentriert sein.» Andere Sportarten, die er betreibt, sind Fussball und Eishockey. Noch vier Steeldarts-Turniere der FKB-League finden diese Saison statt. «Ich werde bei allen dabei sein.»

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