Freiburg 30.11.2018

Schorderets lyrische Abstraktionen

Bernard Schorderets Gespür für das Licht ist im Gutenberg-Museum eindrücklich in Szene gesetzt.
Vor hundert Jahren wurde der Freiburger Maler Bernard Schorderet geboren. Jetzt, sieben Jahre nach seinem Tod, zeigt das Gutenberg-Museum eine Auswahl seiner Werke. Viele sind erstmals öffentlich zu sehen.

Der Freiburger Künstler Bernard Schorderet (1918–2011) ist mit seinen Glasfenstern in Freiburger Kirchen präsent, etwa in der Christ-König-Kirche in Freiburg, in der Kirche Givisiez oder im Kloster La Valsainte. In Lausanne steht seit der Landesausstellung 1964 seine Brunnenskulptur «Place de granit». Sein grosses malerisches Werk hingegen ist seit seiner letzten Ausstellung 1994 etwas in Vergessenheit geraten. Er habe sowieso nicht oft ausgestellt, sagt seine Enkelin Clélia Dumas. Die Künstlerin und Kunsthistorikerin hat in den letzten zwei Jahren das Werk ihres Grossvaters inventarisiert und dokumentiert und jetzt eine Ausstellung im Gutenberg-Museum Freiburg gestaltet. Genau hundert Jahre nach Schorderets Geburt sei die Ausstellung eine Hommage an ihren Grossvater, der ihr den Weg zur Kunst geöffnet habe, aber auch an einen Künstler, der die Beachtung verdiene, so Clélia Dumas.

Natur und Licht

Die Ausstellung zeigt an die neunzig Werke; viele davon sind erstmals öffentlich zu sehen. «Es ist ein Einblick in das breite Werk von Bernard Schorderet, mit Fokus auf zentralen Themen wie der Naturbeobachtung und dem Umgang mit dem Licht», erklärt Kuratorin Dumas. Deutlich erkennbar sind dabei die verschiedenen Perioden in Schorderets Schaffen. Das älteste ausgestellte Werk mit dem Titel «Petit paysage du Torry», eine figurative Landschaft, stammt aus dem Jahr 1933, als Schorderet 15  Jahre alt war. Später wandte er sich der Abstraktion zu, beeinflusst von Künstlern der Schule von Paris wie Serge Poliakoff oder Nicolas de Staël. Schorderet studierte selbst von 1946 bis 1951 in Paris und blieb der Stadt stets verbunden. Lange unterhielt er sowohl in Freiburg als auch in Paris ein Atelier.

Eine Tunesien-Reise im Jahr 1964 markierte einen wichtigen Wendepunkt: «Die Landschaften und das Licht waren eine Offenbarung für ihn», sagt Clélia Dumas. «Er wandte sich der lyrischen Abstraktion zu, basierend auf realen Beobachtungen und Empfindungen, die er in seinem Atelier künstlerisch umsetzte.» In der Ausstellung sind nicht nur Werke aus den verschiedenen Perioden zu sehen, sondern auch Vitrinen mit Skizzen und Entwürfen, die den Weg dahin illustrieren. «Schorderet arbeitete immer mit Skizzen, niemals mit Fotografien», betont Dumas. «Es ging ihm darum, seine Eindrücke und Gefühle darzustellen.» Er tat dies mit Öl auf Leinwand, vor allem aber mit Gouache und Aquarell. «Er bevorzugte diese Techniken, weil sie leichter und flexibler sind.»

Verein als treibende Kraft

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit des Gutenberg-Museums und des Vereins der Freunde von Bernard Schorderet, der hauptsächlich von dessen Familie getragen wird. Der Verein hat zur Ausstellung auch einen Katalog gestaltet, der im Museum erhältlich ist.

Gutenberg-Museum, Freiburg. Bis zum 10. Februar. Mi., Fr. und Sa. 11 bis 18 Uhr, Do. 11 bis 20 Uhr, So. 10 bis 17 Uhr. Infos: www.gutenbergmuseum.ch

Zur Person

Zwischen Freiburg und Paris

Bernard Schorderet wurde am 1. November 1918 in Freiburg geboren. Nach fünf Jahren Militärdienst zog er 1946 nach Paris, um Kunst zu studieren. Er besuchte die Ecole des Beaux-Arts, die Académie André Lhote und das Centre d’Art sacré. Nach seiner Rückkehr nach Freiburg unterhielt er weiterhin ein Atelier in Paris, wo er regelmässig arbeitete. In der Schweiz erhielt er 1958 ein Stipendium des Bundes. Er gewann zahlreiche Wettbewerbe und gestaltete Glasmalereien und andere Werke für verschiedene Kirchen und Gebäude im Kanton Freiburg und in der übrigen Schweiz. Seine malerischen Werke stellte er nur selten aus. 1974 veranstaltete das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg eine grosse Retrospektive. Auch wenn seine letzten Lebensjahre von Krankheit geprägt waren, blieb er der Malerei bis zu seinem Tod am 8. Juli 2011 treu. «Er war Maler bis zuletzt», sagt seine Tochter Marie-Luce Schorderet.

cs

Weitere Informationen über Bernard Schorderet und sein Werk unter www.bernardschorderet.com