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Nur eine Baisse oder eine «Katastrophe»?

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Der zunehmende Lehrermangel ist ein schweizweites Problem. Im Kanton Bern ist die Erziehungsdirektion Medienberichten zufolge inzwischen so weit, dass letzte Woche 950 pensionierte Lehrerinnen und Lehrer brieflich angefragt wurden, ob sie wieder unterrichten wollen. Aber auch im Kanton Freiburg scheint sich die Situation zuzuspitzen – zumal hier auch eine Revision der Pensionskasse der Staatsangestellten ansteht, die vorgestern bei einer Demonstration in Freiburg zwischen 3 000 und 4 000 Personen auf die Strasse brachte.

Zwei Stichtage

Wie schlimm steht es um den Lehrermangel im Kanton Freiburg derzeit wirklich? Einer, der es wissen sollte, ist Andreas Maag, Vorsteher des kantonalen Amts für deutschsprachigen obligatorischen Unterricht (DOA). «Wir nehmen die Problematik sehr ernst und verfolgen sie seit zwei Jahren in einer entsprechenden Arbeitsgruppe», sagt Maag. «Wir sind aber zurzeit noch nicht in Alarmbereitschaft.»

Im Hinblick auf das kommende Schuljahr gebe es zwei wichtige Stichtage: den 31. Januar und den 15. Mai. Ende Januar war der Kündigungstermin für Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Tätigkeit auf Ende des Schuljahrs hin aufgeben wollen. «Da hatten wir einen Drittel mehr Kündigungen als durchschnittlich in den letzten Jahren zu verzeichnen – wobei wir keine absoluten Zahlen dazu bekannt geben», so Maag. Die Kündigungen haben mehrere Gründe. Einerseits hänge dies wohl tatsächlich mit den absehbaren Veränderungen bei der Pensionskasse zusammen. Andererseits seien auch die «Babyboomer» der geburtenstarken Jahrgänge im Moment zwischen 58 und 60 Jahre alt – also genau im «kritischen» Alter für eine vorzeitige Pensionierung. Sie hätten zudem oft hohe Anstellungspensen. Und drittens werde in Deutschfreiburg diesen Sommer der Lehrplan 21 eingeführt, was für Lehrpersonen im letzten Abschnitt ihrer Karriere auch ein Pensionierungsgrund sein könnte.

Der zweite Stichtag ist der 15.  Mai. Dann stehen laut Maag die Schülerzahlen für das kommende Schuljahr fest. Hier erwartet er zumindest keine grosse Zunahme und hofft, «dass es insgesamt beim Status quo bleibt». Es ist schon jetzt absehbar, dass diesen Sommer in beiden Sprachgebieten keine grosse Welle an Einschulungen zu erwarten sind. Umgekehrt tritt mit der Klasse 11H ein ausgesprochen geburtenstarker Jahrgang aus der Volksschule aus. Von einem allfälligen Engpass bei den Lehrkräften seien nicht alle Stufen und Sprachregionen gleich betroffen, so Maag. Den grössten Bedarf gebe es wohl auf der Primarstufe (3H bis 8H) im französisch- und deutschsprachigen Kantonsteil. Am geringsten dürfte sich das Problem auf der Stufe Kollegium präsentieren, wo es eher einen «Lehrerüberschuss» gebe und Abgänge mit internen Umbesetzungen aufgestockt werden könnten. Solche Rochaden sind aber auch auf den anderen Stufen möglich, wobei die diesbezügliche Frist für die Lehrer bis zum 30. April dauert. Einen grossen Mangel gebe es bei den schulischen Heilpädagogen; das sei allerdings nichts Neues. Sehr schwierig sei es grundsätzlich auch, Stellvertretungen zu finden. Der Markt sei regelrecht ausgetrocknet.

Begegnen will der Kanton dieser Problematik mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Massnahmen. Die erste sei die Aufstockung von 150 auf 160 jährliche Studienplätze an der Pädagogischen Hochschule Freiburg (PH), was allerdings erst in drei Jahren einen Effekt auf dem Stellenmarkt haben werde. «Die PH analysiert zurzeit auch, was es logistisch und finanziell bedeuten würde, wenn man die Anzahl der Ausbildungsplätze auf 200 erhöhen würde», so Maag. Zweitens werden die freien Lehrerstellen jetzt schon ausgeschrieben, also rund einen Monat früher als sonst – auch, um mit dem Kanton Bern Schritt zu halten, der dies auch so früh tue. Es sei aber schwierig, Berner Lehrer zu rekrutieren, obwohl die Löhne im Kanton Freiburg höher seien – was sich in den nächsten fünf Jahren allerdings ändern werde, da Bern seine Lohnskala anpassen wolle. Problematisch sei auch die Rekrutierung von Lehrpersonen aus Frankreich für den welschen Kantonsteil, da die Schweiz eine ganz andere schulische Kultur als Frankreich habe. Drittens gibt es laut Maag Lehrpersonen, die Interesse an einer Teilpensionierung gezeigt hätten und mit einem Pensum unter 40 Prozent im Schuldienst bleiben könnten. «Es ist einfach wichtig, jene Ressourcen zu nutzen, die wir haben», so Maag. Offen und grösste Sorge bleibe allerdings die Frage, wie sich die Abgänge bei den Lehrern 2020 entwickeln werden. «Das ist abhängig von den Diskussionen um die Veränderungen bei der Pensionskasse», sagt er.

«Gesunkenes Prestige»

Kritischer als Maag sieht das Ganze Jacqueline Häfliger, Präsidentin des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Deutschfreiburg (LDF). «Die Stimmung bei den Lehrern ist momentan sehr kritisch, auch angesichts der Ungewissheit bei der Pensionskasse», sagt sie. «Da käme eine regelrechte Katastrophe auf uns zu, wenn sich alle Lehrpersonen im Kanton, die 2020 zwischen 58- und 64-jährig sind, frühzeitig pensionieren lassen würden. Das wären 600 Personen, was von den Dimensionen her zwei Dritteln aller Lehrkräfte von Deutschfreiburg entspricht.»

Sämtliche von Maag vorgeschlagenen Massnahmen hält sie für «Flickwerk». Einerseits sei es niemals ausreichend, wenn die PH lediglich zehn zusätzliche Studienplätze pro Jahr anbieten werde. Andererseits hält sie auch die Idee, dass Lehrpersonen ihre Pensen aufstocken, für illusorisch. «Diese Personen haben nicht umsonst ein Teilzeitpensum gewählt», sagt sie. «Oft handelt es sich um Mütter oder Väter mit familiären Verpflichtungen.» Häfliger glaubt auch nicht, dass sich viele Lehrpersonen für Teilpensionierungen gewinnen liessen, solange sie dann unter die neuen, «nicht haltbaren» Bedingungen der Pensionskasse fallen würden.

Die Rekrutierung von Lehrpersonen aus Frankreich schliesslich hält sie für «kompletten Nonsens» und unvereinbar mit der hiesigen Schulkultur. Die Gründe der ganzen Malaise liegen laut der LDF-Präsidentin aber noch viel tiefer: Beim in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark gesunkenen Prestige des Lehrerberufs bei jungen Menschen vor der Berufswahl. Dies wiederum hänge damit zusammen, dass den Lehrkräften immer mehr zusätzliche administrative und erzieherische Aufgaben aufgebürdet worden seien, aber auch mit den absehbaren Kürzungen bei den kulturellen und sportlichen Aktivitäten. «Wenn der Erziehungsdirektor dann anfängt, den ganzen pädagogischen Freiraum und die diesbezüglichen Gestaltungsmöglichkeiten der Lehrer zu beschneiden, nimmt man den Lehrpersonen die innere Essenz und letztlich die Freude am Beruf», so Häfliger.

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