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Ohne die Direktorin in die Zukunft

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Die Möglichkeit habe sich ihr vielleicht etwas zu früh präsentiert, in ein bis zwei Jahren wäre wohl der geeignete Zeitpunkt gewesen. So aber habe sie die Gelegenheit beim Schopf packen müssen, erklärte die Direktorin des Landwirtschaftlichen Instituts Grangeneuve (LIG), Geneviève Gassmann, gestern ihren Stellenwechsel zur Fenaco, als Direktorin für die Region Westschweiz der Division Landi.

Eigentlich war geplant gewesen, dass die Landwirtschaftsdirektorin Marie Garnier und Gassmann gestern an einer Medienkonferenz die Perspektiven des LIG und gleichzeitig der Freiburger Landwirtschaft präsentieren sollten (siehe Text unten).

Nun fiel diese Orientierung mit der Ankündigung von Gassmanns Rücktritt zusammen. Und die Frage stand im Raum, ob Unruhen rund um das LIG (siehe Kasten) und kritische Vorstösse aus dem Grossen Rat etwas mit diesem Schritt zu tun haben. «Ganz klar nein», sagte Gassmann auf eine entsprechende Frage. Sie wies darauf hin, dass sie während ihrer Laufbahn immer zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor gewechselt habe, und dass sie ihr Amt beim LIG von Beginn weg als befristet angesehen habe. Sie habe ihren Kompetenzen in den Bereichen Landwirtschaft und Berufsbildung in Grangeneuve eine umfangreiche Management-Erfahrung hinzugefügt, und diese könne sie bei der Fenaco voll einbringen.

Ähnliche Ausgangslage

Gewiss seien bei ihrem Amtsantritt manche Kreise überrascht gewesen, dass sie als Frau und Nicht-Agronomin die Stelle erhalten habe, so Gassmann. Vielleicht hätten einige Personen auch das Gefühl gehabt, sie habe einem Ingenieur den Platz weggenommen, aber der externe Bericht zum LIG von diesem Jahr habe sie in ihrer Arbeit bestätigt. Nun treffe sie bei der Fenaco eine ähnliche Ausgangslage an: Auch da werde sie die erste und einzige Frau in einer solchen Kaderposition sein.

Staatsrätin Garnier (Grüne) drückte der Direktorin ihre Anerkennung aus. «Geneviève Gassmann weist eine gute Bilanz auf. Sie hinterlässt in Grangeneuve etwas Dauerhaftes. Bisher konnte man die Früchte ihrer Arbeit einfach noch nicht kommunizieren, weil sie noch nicht reif waren.»

Garnier würdigte Gassmann als hervorragende Kommunikatorin, die viel zum Aufbau von Partnerschaften beigetragen habe. Zahlreiche Projekte habe Gassmann begleitet, insbesondere auch die Verlegung der Tätigkeiten von Agroscope Liebefeld nach Posieux. Gassmann stehe für einen neuen Führungsstil in Grangeneuve, der sich nach Zielsetzungen orientiere. Die Neuausrichtung der Stationen trete am 1. Januar 2015 mit einer neuen Direktionsstruktur in Kraft. Dazu komme die ständige Anpassung der Ausbildungsgänge sowie Anlässe wie das 125-Jahr-Jubiläum des LIG. Garnier ging auch auf die aufgekommene Kritik ein: «Schwierigkeiten sind auch eine Chance. Die Kritik hat zu einem heilsamen Prozess geführt. Jetzt hat sich das Zusammengehörigkeitsgefühl verbessert.»

Kritik war etwa aus dem Grossen Rat eingegangen. So hatten die Grossräte Pierre-André Grandgirard (CVP, Cugy) und Nicolas Lauper (CVP, Montévraz) in einer Motion von Mangel an strategischer Vision, Kommunikationsschwierigkeiten, Instabilität und einem schädlichen Klima gesprochen.

Grandgirard nahm an der Pressekonferenz davon Kenntnis, dass die Regierung diese negative Einschätzung nicht teilt. Er zeigte sich anschliessend versöhnlich: «Ich habe mich versichern können, dass eine klare Zukunftsperspek- tive vorhanden ist.» Sein Kollege Pierre-André Page (SVP, Châtonnaye) ergänzte: «Auch wenn ich politisch nicht immer einverstanden bin: Bei Grangeneuve geht es um die Landwirtschaft, die Basis unseres Kantons. Es war nie unser Ziel, alles niederzureissen.»

 Gassmann ist noch ein Jahr im Amt; ihre Stelle wird nun ausgeschrieben. Marie Garnier weist darauf hin, dass es schwierig sei, eine Person mit dem nötigen Anforderungsprofil zu finden. Dennoch ist sie optimistisch: «Viele Projekte sind angelaufen und die Verantwortlichkeiten sind verteilt. Vor einem Jahr wäre ein solcher Personalwechsel viel schwieriger gewesen.»

Chronologie

Reformen, Projekte und Kritik

Die Direktorin des LIG, Geneviève Gassmann, trat ihr Amt am 1. August 2010 unter dem Landwirtschaftdirektor Pascal Corminboeuf an. Ein Jahr später kam vom Bund die Zusage, dass die Forschungsanstalt Agroscope die Aktivitäten von Liebefeld nach Posieux verlegt. Gassmann führte Reformen im Führungssystem ein. Diese erregten Kritik. Anfang Jahr thematisierte ein Vorstoss im Grossen Rat diese Stimmung, worauf ein Audit stattfand. Ein Bericht entlastete die Leitung, Kritik wurde aber nach einem Lapsus bei der Diplomfeier im September nochmals laut.uh

Projekte: Auf dem Weg zu einem modernen Campus

D ie Freiburger Landwirtschaftsdirektorin Marie Garnier präsentierte gestern den zukünftigen Standort Grangeneuve als eine Perlenkette. Rund um das Weide- und Ackerland sind mehrere Gebäudekomplexe – die Perlen – fast kreisförmig wie an einer Kette angeordnet. Diese «Perlenkette» bildet den Kern des Masterplans, den Garnier gestern an der Pressekonferenz im Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve (LIG) vorstellte. Der Plan berücksichtigt sämtliche Infrastrukturen, die für eine mittel- und langfristige Entwicklung des Standorts vorgesehen sind. Garnier sprach von einem gemeinsamen Campus für das LIG und die Forschungsstelle Agroscope, bei dem Raumplanung, Mobilität und Anbindung an die Infrastrukturen der Gemeinde ebenfalls berücksichtigt sind. Der Masterplan antwortet unter anderem auf ein Motion der Grossräte Pierre-André Page (SVP, Châtonnaye) und Pierre-André Grandgirard (CVP, Cugy) zur Zukunft des LIG. Die beiden Volksvertreter und Landwirte hatten sich besorgt gezeigt, als ein gemeinsamer Stall für LIG und Agroscope geschei- tert war.

Mit und ohne Melkroboter

Die Produktion von Greyerzer AOP-Käse des LIG ist auf hochwertige Rohmilch ausgerichtet, für deren Produktion Melkroboter verboten sind; der Betrieb der Forschungsanstalt Agroscope jedoch ist auf die moderne Produktion mit Silomilch angewiesen. Deshalb führten die Pläne für einen gemeinsamen Stall in eine Sackgasse. Page und Grandgirard hatten darauf gefordert, den Standort mit modernsten Technologien auszurüsten und für einen entsprechenden neuen Betrieb mindestens zehn Millionen Franken vorzusehen.

In seiner Antwort schreibt nun der Staatsrat, dass Grangeneuve gegenüber neuen Technologien offen sein und verschiedene Melksysteme vorsehen solle. Die in den letzten Jahren vorgenommenen Renovations- und Unterhaltsarbeiten seien in Zukunft zu kostspielig und für eine Vorzeigeinstitution wie Grangeneuve unangebracht. Deshalb unterstütze er den Bau eines neuen Schulbauernhofs sowie eines Technologieraums für die Ausbildung und die Forschung im Milch- und Lebensmit- telbereich.

In diesem Sinn ist der Staatsrat gewillt, die Motion anzunehmen. Er verlangt nun von der Direktion der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft ein Gesamtkonzept, das auch Prioritäten festlegt. Der vorgeschlagene Betrag von zehn Millionen Franken sei dazu im Finanzplan 2015 bis 2018 vorgesehen. Dies stelle aber noch kein Realisierungsversprechen dar, solange keine konkreten Investitionsvorhaben feststünden.

In der gestrigen Präsentation stellte Staatsrätin Garnier in Aussicht, dass ihre Direktion dem Staatsrat im ersten Semester 2015 das Gesamtkonzept vorstellen wird. Ebenfalls im ersten Halbjahr sollte der Grosse Rat über den Kredit zu den Bauten für das Agroscope Liebefeld-Posieux am Standort Posieux entscheiden können. Investitionen von rund 70 Millionen Franken sind geplant. Die Gewinner des Architekturwettbewerbs waren im Februar erkürt worden. 170 Personen sollen dereinst in der Forschungsanstalt arbeiten.

Kompetenzzentren geplant

Die Freiburger Pläne stossen offenbar auf Interesse. In einem Brief, den Marie Gar nier gestern präsentierte, schreibt Hans-Peter Bachmann vom Institut für Lebensmittelwissenschaften des Bundes: «Sehr gerne würden wir im Rah- men des Neubaus von Agroscope gemeinsam mit der Verwaltung und der Wirtschaft des Kantons Freiburg eine ‹académie pour les produits du terroir› aufbauen.»

Die Hauptstadtregion Schweiz sieht in Grangeneuve den Sitz für einen Cluster im Bereich Lebensmittel. An diesem sollen sich auch Firmen aus der Lebensmittelbranche der Kantone Freiburg, Bern, Neuenburg, Waadt und Solothurn beteiligen.

Mit anderen Ämtern, Schulen und Forschungsstellen schwebt der Direktion Garniers ein nationales Kompetenzzentrum für den Lebensmittelbereich vor, zu dem insbesondere ein Kompetenzzentrum für Rohmilch gehören soll. uh

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