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«Opfer eines schweren Konflikts»

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Autor: Nicole Jegerlehner

«Mein Onkel war an einem Fest betrunken, da hat er mich einem Mann versprochen.» Die Mittfünfzigerin erzählt dies in einem Film von Carole Roussopoulos, der gestern am Symposium zu Zwangsheiraten im Kanton Freiburg gezeigt wurde. Ihre Familie sei dagegen gewesen, erinnert sich die Albanerin. «Aber ein Wort ist ein Wort.» So wurde die 15-Jährige zwangsverheiratet. Sie lebte mit ihrem Mann bei der Schwiegerfamilie und durfte nie alleine aus dem Haus gehen. «Sie schlugen mich, ich war nichts für sie.»

Gegen Menschenrechte

«Zwangsheirat ist weder an eine Religion noch an eine Ethnie gebunden», sagte Anita Balz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Freiburger Gleichstellungsbüros, vor den zahlreichen Vertreterinnen und einigen wenigen Vertretern aus den Bereichen Justiz, Migration, Asyl und Jugendarbeit. «Solche Ehen gibt es auf der ganzen Welt.» Zwangsheirat werde durch familiäre Strukturen und patriarchale Traditionen gerechtfertigt. «Diese Traditionen verstossen gegen fundamentale Menschenrechte.»

Auf eine Anfrage von Grossrätin Claire Peiry-Kolly (SVP, Treyvaux) vor vier Jahren wurde eine Arbeitsgruppe zu Zwangsehen gebildet. Staatsrat Erwin Jutzet (SP) stellte gestern deren Bericht vor. Er zeichnete ein Bild von schlecht integrierten Frauen, die selten aus dem Hause kommen und kaum Französisch oder Deutsch sprechen. «Sie sind Opfer eines schweren Konflikts.» Die Loyalität gegenüber ihrer Familie verhindere, dass sie Anzeige einreichten. «Wer einen solchen Schritt wagt, bricht mit seiner Familie, mit seiner Herkunft und verliert einen Teil seiner Identität.» Dazu komme Angst vor Racheakten.

Der Kanton Freiburg setzt nun auf eine bessere Integration der Migrantinnen und Migranten. Zudem lanciert er eine Sensibilisierungskampagne, die sich mit verschiedenen Motiven an Jugendliche, Eltern und Fachleute richtet. Das Amt für Zivilstandswesen und Einbürgerungen wird in Verdachtsfällen vermehrt die künftigen Brautleute anhören – auch getrennt.

Nie das alleinige Problem

Aminka Benkais, Spezialistin für Migration beim Kanton Neuenburg, erzählte von ihren Erfahrungen – und schloss: «Es gibt keine pfannenfertigen Lösungen, sondern nur die Suche nach individuellen Lösungen.» Zwangsheirat sei nie das alleinige Problem in einem Konfliktfall. «Wir müssen die ganze Situation anschauen.»

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