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Opfer von heute als Täter von morgen?

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Konferenz für Sozialfragen befasst sich mit Jugendgewalt und Gewalt an der Jugend

Im Kanton Freiburg wurde letztes Jahr ein ebenso bemerkens- wie bedauernswerter Rekord aufgestellt: Mit nicht weniger als 1987 Gesetzesverstössen hielten die Jugendlichen die Beamten der Kantons- und Kriminalpolizei auf Trab wie noch nie. 758 (oder knapp 40 Prozent) der Täter waren zwischen 7 und 18 Jahre alt.

Kein Grund zur Panik

Ruth Lüthi, die Direktorin der Freiburger Gesundheits- und Sozialfürsorgedirektion, mag die Lage an der Jugendgewaltfront trotzdem nicht als «dramatisch» bezeichnen. Handlungsbedarf sieht die Staatsratspräsidentin trotzdem. «Gerade weil das Problem noch nicht so dringend ist, haben wir eine echte Chance, es rechtzeitig gemeinsam anzupacken und es zumindest versuchen zu lösen», stellte Lüthi gestern an einer Pressekonferenz fest.

Um den Ursachen für die steigende Jugendkriminalität einerseits auf den Grund gehen und andrerseits nach Lösungsansätzen suchen zu können, veranstaltet die Gesundheits- und Sozialfürsorgedirektion in enger Zusammenarbeit mit dem französischsprachigen Lehrstuhl für Sozialarbeit und Sozialpolitik der Universität Freiburg sowie unter Mitwirkung der Erziehungs- und der Justizdirektion morgen Freitag eine Tagung, zu der sich rund 300 Personen aus allen möglichen Gesellschaftsschichten und Berufsgattungen angemeldet haben. Was laut Lüthi beweist, «dass offensichtlich schon viele Leute in ihrem Alltag mit verschiedensten Gewaltformen konfrontiert worden sind».
Als Diskussionsgrundlage wird den Konferenzteilnehmern eine Studie der Universität Freiburg dienen. Unter der Leitung von Sozial-Professor Marc-Henry Soulet wurden 658 Personen (darunter 455 Lehrer, Sozialarbeiter, Chauffeure, Ärzte, Richter oder Kellner) befragt, wie sie die Gewalt an und unter Jugendlichen erlebten.

Primär eine Frage des Milieus

Die Ergebnisse der Untersuchungen überraschen auf den ersten Blick nicht weiter: Die meisten Jugendlichen, die ein strafrechtlich relevantes Verhalten an den Tag legen oder gelegt haben, stammen aus Familien, die entweder von wirtschaftlichen Sorgen und/oder von suchtmittelbedingten Problemen geplagt werden.

Erstaunlich ist hingegen die Tatsache, dass sich achtzig Prozent der Befragten «dank»der kriminellen Teenager auf der Strasse zunehmend unwohl fühlen, aber nur eine Minderheit findet, dass das Phänomen «Jugendgewalt» zu den dringendsten sozialen Problemen gehöre.
Die (oft falsch oder gar nicht interpretierte Rolle) der Eltern soll an der Tagung im Landwirtschaftlichen Institut in Grangeneuve ebenfalls hinterfragt werden: Schliesslich hilft laut Marc-Henry Soulet eine gute Erziehung mehr als alle späteren staatlich verordneten Vorbeugemassnahmen, um die Kinderkriminalität eindämmen oder gar von vornherein ausschalten zu können.

«Wir sind noch nicht in der Bronx»

Auch der Uni-Professor warnte im Zusammenhang mit dem erhöhten jugendlichen Gewaltpotenzial vor Hysterie. «Wir sind noch nicht in der Bronx», gab Soulet zu verstehen. Aber Gründe dafür, das Thema ernst zu nehmen, bestehen seiner Ansicht nach durchaus. Dabei gehe es nicht «nur» darum, die Gewalt, welche von Jugendlichen ausgeht, einzudämmen, sondern auch jene Übergriffe zu unterbinden, unter denen die Kinder leiden.

Denn «sehr häufig», fasste Soulet mit Blick auf die ab morgen vorliegende und nicht repräsentative Studie zusammen, «werden die Kinder, die eben noch Opfer ihrer gesellschaftlichen Umstände waren, zu Tätern».
Mit dem Thema «Jugendgewalt – Gewalt an der Jugend» führt die Konferenz für Sozialfragen ihr erstes derartiges Seminar durch. Gemäss Ruth Lüthi sollen Veranstaltungen dieser Art mit wechselnden Themen ab sofort im Zweijahresturnus organisiert werden.

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