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Pädophile müssen begleitet werden

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In der Schweiz wird jedes dritte Mädchen und jeder fünfte Junge sexuell missbraucht. Laut Schätzungen gibt es hierzulande 50 000 Täter. Diese Zahlen wurden an einem Runden Tisch in Lausanne genannt, den die Vereinigung Groupe Sapec, eine Westschweizer Anlaufstelle von und für Opfer von Missbrauch in der Kirche, organisierte hatte.

«In der Schweiz gibt es Pädophilie in allen Lebensbereichen, in der Kirche so wie überall,» erklärte Marie-Jo Aeby, Vizepräsidentin der Sapec, an dem Anlass. Die meisten würden nicht zur Tat schreiten. Man sollte ihnen helfen und es wagen, darüber zu reden.

Bruno Gravier, Professor und Psychiater am Universitätsspital Lausanne, forderte eine psychiatrische Begleitung Pädophiler angesichts der Zahl der Pädokriminellen in der Schweiz. «Das sind nicht Männer und Frauen, die von Fantasien heimgesucht wurden, sondern von solchen, die zur Tat geschritten sind», klagte Gravier. Nicht jeder werde verurteilt, sonst müsste die Fläche der Gefängnisse «verfünffacht» werden. Der Psychiater wies auf die Schwierigkeit vieler pädophiler Patienten hin, sich schuldig zu fühlen. Sie erachteten den Trieb als etwas, das von aussen auf sie komme und nicht von innen heraus wirke. Leid und Schuld seien mit Gefühlen verbunden. Eines der Hauptprobleme bei der Betreuung dieser Menschen sei, an diese Gefühle heranzu­kommen.

Das Schuldgefühl sei bei Jugendlichen, die sexuelle Übergriffe begehen, stärker ausgeprägt, sagte Marco Tuberoso vom Verein Espas, der in der Westschweiz an verschiedenen Orten Anlaufstellen im Bereich sexueller Missbrauch führt und sich in der Prävention engagiert. Deshalb sei die Begleitung junger Menschen besonders wichtig. Tabus müssten angegangen werden. Nur dann könne man über den sexuellen Missbrauch sprechen, erklärte der Psychologe.

Der Verein sieht sich mit einem speziellen Problem konfrontiert: Viele Verbände scheuten davor zurück, sich mit der Prävention auseinanderzusetzen. Sie fürchteten, dass es dann heisse: «Wenn es Prävention gibt, ist zwangsläufig etwas passiert.» Das sei nicht immer der Fall, präzisierte Tuberoso.

Mit auf dem Podium sass auch der Westschweizer Bischof Charles Morerod. In seinem Bistum sei der Umgang mit Verdachtsfällen schwierig. «Ich habe kürzlich einem Priester geschrieben: ‹Ich habe Sie angezeigt.› Ich hatte aber nur einen Verdacht. Was soll man in einem solchen Fall tun? Es ist nicht einfach, zumal man keine Unschuldigen verurteilen darf. In meiner Position, das sage ich und wiederhole es, kann ich nicht anders, als die Polizei zu informieren. Ich habe aber Angst, dass man daraufhin noch mehr Dinge vor mir verstecken wird. Ich sehe keine perfekte Lösung», räumte der Bischof ein.

kath.ch

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