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Palliativmedizin zu wenig anerkannt

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Palliativmedizin zu wenig anerkannt

Nationale Palliative-Care- und Krebstagung im Forum Freiburg mit 700 Teilnehmern

Die Palliativmedizin, die sich mit unheilbar kranken Menschen beschäftigt, wird immer wichtiger. Es bestehen aber grosse regionale Unterschiede, und auf politischer Ebene bleibt viel Überzeugungsarbeit zu leisten. So lautet das Fazit einer nationalen Fachtagung vom Donnerstag im Forum Freiburg.

Von CAROLE SCHNEUWLY

Rund 700 Personen haben sich zur nationalen Palliative-Care- und Krebstagung im Forum zusammengefunden. Organisiert wurde der Anlass von der Schweizerischen Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung und von der Krebsliga Schweiz. Referate, Workshops, Informationsstände und gar ein interaktives Theater ermöglichten den versammelten Medizinern, Pflegenden, Fachleuten und Behördenvertretern eine Bestandesaufnahme über die aktuelle Situation von Palliative Care in der Schweiz.

Der englische Begriff Palliative Care steht für Palliativmedizin und Palliativpflege. Diese beschäftigt sich mit der Betreuung von Menschen mit weit fortgeschrittenen, unheilbaren Krankheiten. Sie will sowohl Leiden und Schmerzen lindern als auch solchen Symptomen vorbeugen. Kernanliegen ist die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen. Deshalb werden nebst den medizinischen auch psychologische, soziale und spirituelle Aspekte berücksichtigt.

Zeit und menschliches Engagement

In der ganzheitlichen Grundidee der Palliativmedizin liegt gerade auch ihr Dilemma. Das betonte Franco Cavalli, Onkologe und Präsident der Krebsliga Schweiz, an einer Medienkonferenz anlässlich der Tagung. Die Palliativpflege brauche viel Zeit und grosses menschliches Engagement. Das passe eigentlich nicht in eine Zeit, in der alles immer schneller gehen müsse und an allen Ecken und Enden gespart werde.

Der notwendige Mentalitätswandel in der Politik sei, mit Ausnahme des Kantons Waadt, noch nicht geschehen. Bundespräsident Pascal Couchepin habe zwar das Patronat der Tagung übernommen und «eine schöne Grussbotschaft geschickt». Aber: «Uns wäre es lieber, er würde stattdessen keine Bundesbeiträge an Institutionen wie die kantonalen Krebsligen kürzen.»

In der medizinischen Welt hingegen habe sich die Einstellung zur Palliativpflege merklich verbessert. Nicht nur das Pflegepersonal, sondern auch die oftmals eher konservativen Ärzte stünden ihr heute viel offener gegenüber als noch vor zehn Jahren. Wie Cavalli betonten mehrere der anwesenden Fachleute die Notwendigkeit, die Ideen der Palliativmedizin auch in der Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal vermehrt zu berücksichtigen.

Kritik und Anerkennung

Weitere Forderungen für die nahe Zukunft betreffen die Kostenübernahme durch die Krankenkassen und das Qualitätsmanagement. Ausserdem soll die Palliativpflege für ältere Menschen gefördert werden. «Das Sterben ist naturgemäss eine Domäne der Geriatrie», sagte Roland Kunz, leitender Arzt der Geriatrie am Spital Limmattal in Schlieren. Bisher habe bei der Betreuung schwer kranker Betagter die Pflege im Mittelpunkt gestanden. Künftig müsse man auch für diese Patienten der Schmerztherapie eine grössere Bedeutung beimessen.

Bei aller Kritik war an der Tagung auch von Fortschritten die Rede. Neue Einrichtungen wie im Kanton Freiburg (siehe Kasten) oder die Vernetzung von neuen mit bestehenden Angeboten wie in den Kantonen Bern oder St. Gallen hätten sich positiv ausgewirkt, heisst es in einer Medienmitteilung. Als erster Kanton habe die Waadt ein Programm zur Entwicklung von Palliative Care lanciert. Darin seien etwa mobile Teams, Telefonzentralen, Spezialeinheiten und – in Zusammenarbeit mit dem Kanton Genf – ein Lehrstuhl für Palliative Care vorgesehen.
Und im Kanton Freiburg?

Seit 2001 gibt es im Spital des Südens Châtel-St-Denis eine anerkannte Abteilung der Palliativpflege mit zwölf Betten. Sie steht unter der Leitung der Krebsspezialistin Patricia Vuichard, die ebenfalls der Onkologieabteilung des Spitals des Südens in Riaz vorsteht. Die Reaktionen von Patienten und Angehörigen zeigten, dass die Abteilung einem Bedürfnis entspreche, sagte sie.

Auch wenn die Patienten hier oft ihre letzten Tage verbrächten, solle sie ein «Ort des Lebens» sein. Sowohl Kranke als auch Angehörige sollten sich wohl fühlen. «Die Angehörigen können zum Beispiel jederzeit im Spital übernachten, wenn sie das wünschen.»

Bemühungen in anderen Spitälern

Sterben sei immer noch ein Tabuthema, so Vuichard weiter. Deshalb kämen die Patienten oftmals erst ins Spital, wenn es wirklich nur noch ums Sterben gehe. Dabei könne die Palliativmedizin schon viel früher helfen, sei es bei der Symptomvorbeugung, sei es bei der Beratung der Angehörigen.

Auch in anderen Spitälern des Kantons gibt es Palliativbetten, die etwa auf Initiative des Pflegepersonals eingerichtet wurden, jedoch nicht offiziell anerkannt sind. Weitere Bestrebungen sind gemäss Patricia Vuichard in Zusammenhang mit der aktuellen Reform der Gesundheitsstrukturen in Gang, dies gerade auch in Deutschfreiburg.

Umfrage bei Freiburger Spezialisten

Die Palliativabteilung Châtel-St-Denis und die Krebsliga Freiburg haben an der Tagung vom Donnerstag eine Umfrage unter den Freiburger Fachleuten durchgeführt. Ihre Ergebnisse sollen eine Bestandesaufnahme der Palliativpflege im Kanton ermöglichen und unter anderem das Interesse für gemeinsame Ausbildungsstrukturen abklären. cs

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