Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Parlamentarier sind auch nur Menschen»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Dominique de Bu­mans Jahr als Nationalratspräsident geht heute mit der Wahl seines Nachfolgers zu Ende. Vor zehn Tagen hat der 62-jährige Christdemokrat auch bekannt gegeben, dass er nach vier Amtsperioden im kommenden Jahr auch als Nationalrat nicht mehr antritt (die FN berichteten). Damit steht das Ende seiner politischen Karriere bevor. Zeit, Bilanz zu ziehen.

 

Bedauern Sie, dass Ihre Zeit als «höchster Schweizer» nun zu Ende geht?

Mir war immer bewusst, dass so ein Ehrenamt zeitlich befristet ist. Das gilt für alle Freiburger und Schweizer Institutionen – mit Ausnahme von Stadtpräsidien.

Wie intensiv erlebten Sie dieses Jahr?

Das Engagement ist so gross, dass ich mir nicht vorstellen könnte, wie man dieses Amt auf Dauer ausüben könnte. Auch ist der Stab, der einen unterstützt, ungleich kleiner als derjenige eines Bundesrats. Ich hatte zwar sehr kompetente Unterstützung, aber beispielsweise keinerlei wissenschaftliche Mitarbeiter zur Verfügung.

Das tönt nach viel Arbeit.

Genau. Man muss sich das ganze Jahr hindurch täglich einsetzen und organisieren. Nur schon das Bearbeiten sämtlicher Post und E-Mails nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.

Wie viele Stunden pro Woche haben Sie für dieses Amt eingesetzt?

Die Stunden habe ich nicht gezählt. Ich habe mir dieses Jahr aber nur drei Tage Urlaub gegönnt, vom 25. bis zum 28. Juli. Ansonsten war ich immer am Arbeiten, auch am Abend und am Wochenende. Ich habe wirklich alles gegeben! Mehr wäre nicht möglich gewesen. Nun bin ich aber sehr zufrieden mit dem Erreichten.

Inwiefern?

Man soll sich ja nie selber loben. Aber ich hatte mir ein paar Ziele gesetzt und diese alle erreicht.

Welche Ziele?

Als Nationalratspräsident vertrete ich das Volk, und ich wollte stets eine maximal mögliche Nähe zur Bevölkerung beibehalten, obwohl mein Arbeitspensum sehr hoch war. Das galt insbesondere auch für den Kanton Freiburg. Ich wollte meine Leute nicht vergessen und nahm an Anlässen der Grenadiere, von Landwehr und Concordia, aber auch am «In Memoriam» oder am eidgenössischen Tambouren- und Pfeiferfest in Bulle teil. Darüber hinaus war es mir auch wichtig, mich in anderen Teilen der Schweiz zu zeigen: an der St. Galler Olma, auf dem Monte Generoso im Tessin oder im Grossen Rat des Kantons Thurgau, wo ich eine Ansprache hielt. Das alles hat mir ermöglicht, mein Netzwerk noch weiter auszubauen.

Sie waren also immer viel unterwegs. Auch international?

Ja. Erste Priorität hatten dabei allerdings die Beziehungen zu unseren Nachbarländern, wo ja auch viele Schweizer gewissermassen in der Diaspora leben. Deshalb habe ich meine Amtskollegen in allen fünf Nachbarländern besucht, in Berlin, Wien, Paris, Rom und auch in Vaduz. An diesen Anlässen wurde auch viel über die Schwierigkeiten bei den Schweizer Rahmenabkommen mit der Europäischen Union geredet. Darüber hinaus war ich auch in Armenien, Senegal und Guinea bei diplomatischen Anlässen dabei, und ich empfing zahlreiche ausländische Delegationen in Bern. Bei all diesen Begegnungen wurde vor allem das duale Schweizer Berufsbildungssystem als vorbildlich gelobt.

Man hört oft, dass das Nationalratspräsidium nur ein symbolisches Amt ist. War es für Sie also mehr als das?

Ich würde es nicht als symbolisches, sondern eher als protokollarisches oder Ehrenamt bezeichnen. Man hat als Nationalratspräsident keine persönliche Macht. Natürlich bedeutet es aber eine Aner­kennung der Nationalratskollegen. Oft vertritt man sein Land, und das muss man in einer würdigen Art und Weise tun. Man stellt gewissermassen eine Visitenkarte der Schweiz dar.

Wie ein Diplomat?

Genau. Und natürlich muss man sich auch inhaltlich in den massgeblichen Dossiers auskennen. Auch das braucht viel Zeit und Vorbereitung.

War die Leitung der Nationalratssitzungen daneben eher eine Pflichtübung?

Gar nicht. Das hat mir immer viel Freude gemacht. Natürlich ist es ein ganz anderer Aspekt dieses Präsidiums, das eine hohe Verantwortung und ebenfalls viel Vorbereitungsarbeit bedeutet. Im Saal sind 199 Kollegen, es gibt viel Lärm und viele Spannungen, und die Leute sind alle mit vielen Dossiers beschäftigt. Da darf der Nationalratspräsident nie auch nur eine Sekunde lang den Überblick verlieren.

Was ist aus Ihrer Sicht der Unterschied zwischen dem Nationalrat und dem Grossen Rat in Freiburg?

Den Nationalrat zu präsidieren ist viel schwieriger und anstrengender. So gibt es etwa fünf verschiedene Kategorien von Debatten mit je unterschiedlichen Redezeiten und die Möglichkeit, auch auf der «Nebenbühne» eine Frage zu stellen. Im Weiteren stammen die Kollegen aus der ganzen Schweiz, und man kennt nicht wie im Grossen Rat jede und jeden auf Anhieb. Stimmungsmässig ist in Bundesbern oft buchstäblich Hochspannung in der Luft. Das braucht viel Energie als Präsident. Und es spricht jeder grundsätzlich in seiner Muttersprache, während im Freiburger Grossen Rat doch meist französisch gesprochen wird.

Sie waren zehn Jahre lang Freiburger Syndic. Was gefällt Ihnen besser, die Exekutive oder die Legislative?

Ich liebe beides. Man kann es auch nicht vergleichen, zumal das Präsidium eines Parlaments einem exekutiven Amt sehr nahe kommt. Ich muss allerdings sagen, dass mich persönliche Macht nie interessierte. Aber ich habe Freude daran, eine Debatte zu prägen. In erster Linie stellt so ein Präsidium aber ein Dienstamt dar, bei dem man bemüht ist, die Arbeit seiner Kollegen zu erleichtern. Natürlich muss man manchmal auch streng sein, wenn etwa jemand das Wort ungerechtfertigterweise ergreift. Aber ohne Menschlichkeit geht es eben auch nicht. Parlamentarier sind auch nur Menschen. Ich hatte jedenfalls nie mit ­jemandem ein persönliches Problem, und ich versuchte, auch in politischen Konflikt­situationen stets versöhnlich zu bleiben.

Sie waren nie Staatsrat oder Bundesrat. Tut Ihnen das leid?

Staatsrat wollte ich eigentlich nicht werden. Man hat mich zwar schon dafür angefragt, etwa als Isabelle Chassot 2013 zurücktrat. Für mich selber war es aber nur 1991 ein Thema. Allerdings fehlten mir an der Delegiertenversammlung der Partei dann 10 von 500 Stimmen. Und zwei Jahre später wurde ich zum Syndic gewählt. Es hat mich nie gestört, nicht Staatsrat zu sein. Im Gegenteil: Als Syndic konnte ich führen und Visionen ­entwickeln und gleichzeitig der Bevölkerung sehr nahe bleiben.

Und das Bundesratsamt?

Da sage ich nur: Wenn man Bundesrat wird, ist das eine Fügung des Schicksals. Und wenn nicht, ist es keine Niederlage. Es müssen so viele Faktoren zusammenpassen, damit es mit einer Bundesratswahl passt: Partei, Kanton, Region, Sprache und Geschlecht.

Nun treten Sie nach vier Legislaturperioden auch als Nationalrat zurück.

Auch das wusste ich im Voraus. Schon als ich der CVP vor 36 Jahren beitrat, existierte diese Amtszeitbeschränkung, die es im Übrigen auch für einen Staatsrat aus unseren Reihen gibt. Dort lautet die Regel: drei fünfjährige Amtsperioden. Und ich will kein Sesselkleber sein.

Was prognostizieren Sie der CVP für die Wahlen im kommenden Jahr?

Ich glaube nicht, dass die Partei sich davor fürchtet, einen Sitz zu verlieren. Das war auch ein Grund dafür, wieso man keine Ausnahmeregelung für mich schuf.

Dass Eric Collomb Sie jetzt schon ablöst, um dann als Bisheriger ins Rennen zu steigen, war keine Option?

Nein. Wenn zwei Amtierende für eine Partei antreten, die erwarten kann, wieder zwei Sitze zu erreichen, dann wirkt sich das sehr nachteilig auf die Motivation bei den anderen Kandidierenden aus. Denn dass wir drei Sitze erreichen werden, kann ich mir nicht vorstellen. Jetzt ist die Türe bei uns offen für den Nachwuchs.

Wo wollen Sie in Ihrem letzten Jahr als Nationalrat Ihre Schwerpunkte setzen?

Als Präsident des Schweizer Tourismus-Verbands beim Tourismus. Denn 2019 steht wie alle vier Jahre wieder die Standortförderungs-Botschaft an, zu der auch die Tourismus-Strategie gehört.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach Bundesbern?

Da gibt es verschiedene Optionen, sei es für die öffentliche Hand oder die Privatwirtschaft. Ich bin diesbezüglich bereits in Kontakt mit diversen Personen. Die Zeit für den Ruhestand ist auf alle Fälle noch lange nicht gekommen.

Und zum Schluss: Was stellen Sie der Schweiz nach einem Jahr als ‹oberster Schweizer› für ein Zeugnis aus?

Ein sehr gutes. Wir leben wahrscheinlich – ohne übertreiben zu wollen – im glücklichsten Land der Welt, wo die Macht von unten nach oben organisiert ist und wo sich verschiedene Kulturen und Mentalitäten gegenseitig respektieren. Und es gibt ein bisschen soziale Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt. Das ist wirklich vorbildlich für die ganze Welt.

Zur Person

2009 wollte er ­Bundesrat werden

Der 62-jährige Christdemokrat Dominique de Buman aus Freiburg besuchte die Primarschule und das Kollegium St. Michael in seiner Heimatstadt, wo er anschliessend auch Recht studierte. 1986 wurde er Stadtfreiburger Gemeinderat, von 1994 bis 2004 amtete er als Stadtpräsident. Auf kantonaler Ebene sass er von 1986 bis 2003 im Grossen Rat, den er 2001 präsidierte. 2003 wurde er in den Nationalrat gewählt, von 2004 bis 2016 war er Vizepräsident der CVP Schweiz. 2009 wollte er als Bundesrat kandidieren, unterlag aber parteiintern Urs Schwaller. Auch als er 2015 Nachfolger von Schwaller im Ständerat werden wollte, nominierte die Partei nicht ihn, sondern den damaligen Staatsrat Beat Vonlanthen. Im vergangenen November wurde de Buman zum Nationalratspräsidenten gewählt – als erst fünfter Freiburger im Lauf der Geschichte. Dominique de Buman wohnt in Freiburg; er ist ledig. Sein Vorbild ist Bruder Klaus, seine Lieblingsmusik der Jazz, und er ist begeisterter Töfffahrer.

jcg

 

Mehr zum Thema