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Partner für Freiburger Lösung gesucht

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Arthur Zurkinden

Albert Noth, Sie waren vor Ihrer Zeit bei der St. Paul AG in Bundesbern unter anderem als persönlicher Mitarbeiter zweier Bundesräte tätig. Was hat Sie 1993 bewogen, die Paulus-Gruppe als Direktor zu leiten?

Der Reiz einer Tätigkeit in der Privatwirtschaft besteht vor allem darin, eigene Entscheidungskompetenzen zu haben, was in der Verwaltung weniger gut möglich ist. Ich wollte nicht nur Entscheide vorbereiten, sondern auch selber Entscheide treffen. Es war für mich aber auch eine grosse Herausforderung, mich in einem neuen Tätigkeitsfeld mit vielen unterschiedlichen Aktivitäten wie Druck, Verlagswesen, Buchhandlung zu bewegen.

18 Jahre lang standen Sie der Gruppe vor. Worauf sind Sie stolz, wenn Sie heute auf diese Zeit zurückblicken?

Stolz bin ich rückblickend, dass wir in der St. Paul AG stets eine hohe Investitionstätigkeit aufrechterhalten konnten. So sind wir heute mit modernen Produktionsanlagen ausgerüstet und auf dem Markt konkurrenzfähig. Ein Erfolg ist auch, dass im Zusammenhang mit der Zeitung «La Liberté» bereits im Jahre 1994 das «Romandie Combi» geschaffen wurde, lange bevor andere Regionalzeitungen diesem Beispiel gefolgt sind. Es handelt sich dabei um eine Zusammenarbeit zwischen sechs Westschweizer Zeitungen im Inseratenbereich. Diese Partnerschaft erleichtert uns den Zugang zum nationalen Inseratenmarkt, was für uns sehr wichtig ist. Entscheidend ist aber, dass ich auf ein Team von Kadermitarbeiterinnen und -mitarbeitern zählen kann, die sowohl engagiert und kompetent sind und die im Interesse des gesamten Unternehmens tätig sind.

Gibt es auch Dinge, auf die Sie weniger stolz sind?

Enttäuscht bin ich, dass im Rahmen des «Romandie Combi» eine engere Zusammenarbeit im redaktionellen Bereich nicht zustande gekommen ist, insbesondere nicht mit der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste». Obwohl zwar Kooperationen bestehen, haben sie sich jedoch nicht nach meinen Vorstellungen entwickelt.

In der Westschweiz ist vor allem die Edipresse-Gruppe mächtig geworden, die nun ihrerseits von der Tamedia übernommen wird. Wie verhält sich da die Paulus-Gruppe in diesem Konkurrenzkampf?

Einzige Aktionärin der St. Paul AG ist bis heute die Schwesternkongregation St. Paul, die im Jahre 1873 von Chorherr Joseph Schorderet ins Leben gerufen worden ist. Ihr Ziel ist es, die Selbständigkeit des Unternehmens zu bewahren. Solange es wirtschaftlich nicht nötig ist, gibt es auch keinen Grund, das Unternehmen einem andern Pressehaus zum Kauf anzubieten. Die Schwestern, die betagt sind und auch mit Nachwuchssorgen konfrontiert sind, haben jetzt die Absicht, das Aktionariat zu öffnen. Gesucht werden Partner, die ein Interesse haben, dass die Zukunft der St. Paul AG gesichert ist. Wir denken da an eine Freiburger Lösung, an Investoren, welche daran interessiert sind, dass es auch künftig eine Freiburger Presse, dass es eigenständige Freiburger Medien gibt. Natürlich bedingt dies für das Unternehmen auch, rentabel zu bleiben, damit sich die Investitionen für die Partner lohnen. Wir sind diesbezüglich mit verschiedenen Personen und Investoren in Kontakt.

In diesen Tagen hat sich die Paulus-Gruppe auch eine Holding-Struktur gegeben. Was versprechen Sie sich davon?

Das Unternehmen besteht nun neu aus drei Firmen. Die erste umfasst den Bereich Druck – Geschäfts- und Werbesachen sowie Zeitungsdruck – und alles, was die Zeitung «La Liberté» betrifft. Die zweite Firma vereint die Buchverlage und die Buchhandlungen, wobei die Geschäftsliegenschaften ebenfalls dieser Gesellschaft angegliedert sind. Die dritte Firma ist eine Holding-Gesellschaft, welche die Beteiligungen verwaltet, also auch die Beteiligung an den Freiburger Nachrichten, an der «La Gruyère» mit der Druckerei in Bulle sowie am «Quotidien Jurassien», an Radio Fribourg/ Freiburg und an «La Télé». So können sich die gesuchten Partner an der einen Firma oder am ganzen Unternehmen beteiligen. Ziel war es, durch die Spaltung eine grössere Flexibilität zu erlangen.

Die Schwesternkongregation St. Paul hat sich bei der Gründung zum Ziel gesetzt, die christliche Botschaft durch Presseerzeugnisse zu verbreiten. Was bedeutet dies heute für die «Liberté»? Nehmen die Schwestern noch Einfluss auf Inhalte der Zeitung?

«La Liberté» ist heute eine Publikumszeitung, die in der Leserschaft sehr gut verankert ist. Der Schritt hin zur Publikumszeitung ist bereits Ende der 60er-Jahre erfolgt. Die Schwestern als Eigentümerinnen der Zeitung haben nie versucht, diesen Prozess zu behindern. Sie haben auch nie von ihrem «Veto-Recht» Gebrauch gemacht, sieht man von kleinen Bemerkungen ab. Sie sind liberal eingestellt.

Haben Sie als Direktor Einfluss auf den redaktionellen Inhalt genommen?

Die generelle Ausrichtung der Zeitung ist in einem Redaktionsstatut festgehalten, das in den 90er-Jahren erneuert wurde. Es ist an der Chefredaktion zu schauen, dass dieses Statut eingehalten wird. Weil stets gute Chefredaktoren am Werk waren, war eine Einmischung meinerseits auch nicht nötig, sieht man von gelegentlichen Rücksprachen ab, wenn diese von der Chefredaktion vor heiklen Publikationen gewünscht wurden.

Die Paulusdruckerei druckt u.a. Die Zeitungen «La Liberté», «La Gruyère» und die «Freiburger Nachrichten». Letztere ist eine Partnerschaft mit der Berner Zeitung eingegangen. Besteht nicht die Gefahr, dass die FN sich eines Tages in Bern drucken lassen? Ein Angebot aus Bern war vor Jahren bereits einmal ein Thema, was zur Folge hatte, dass der Drucktarif für die FN gesenkt wurde.

Für die St. Paul AG ist es absolut nötig, dass sie alle drei Zeitungen weiterhin hier in Freiburg drucken kann. Ja, ein Angebot aus Bern war da. Wir haben Zugeständnisse an die Marktsituation gemacht und unsere Preise nach unten angepasst. Dies war aber auch dank der technischen Entwicklung möglich. Die zur Verfügung stehenden Einrichtungen ermöglichen es, heute kostengünstiger zu produzieren als früher. Wir sind heute mit unserem Drucktarif absolut wettbewerbsfähig.

Die St. Paul AG besitzt nur 20 Prozent der FN-Aktien. Wäre es da nicht klug, diesen Anteil zu erhöhen, damit künftig auswärtige Druckangebote gar kein Thema mehr sein können?

Wichtige Entscheide wie beispielsweise die Anstellung des Chefredaktors oder der Druck der Zeitung werden nicht von der Aktionärsversammlung, sondern vom Verwaltungsrat getroffen. So macht es auch nicht gross Sinn, den Aktienanteil zu erhöhen. Ausserdem gründet eine Partnerschaft auf verantwortungsvoller Zusammenarbeit und Vertrauen. Ein Diktat hilft hier nicht. Ich hoffe natürlich auf ein weiterhin gutes Einvernehmen zwischen den FN und der St. Paul, wie dies seit mehr als 100 Jahren der Fall ist. Und auch die FN müssen daran interessiert sein, dass es die Freiburger Medien weiterhin gibt. Würden die FN in Bern gedruckt, so würde meiner Meinung nach die Gefahr bestehen, dass die Zeitung ihre Eigenständigkeit eines Tages verliert.

Als Hauptaktionär ist die St. Paul AG stets auch im Verwaltungsrat der FN vertreten. Sie sind Vizepräsident der FN. Wie sehen Sie die Zukunft der FN?

Die FN sind in der Leserschaft gut verankert. Um den Bestand an Abonnenten zu wahren, müssen junge Leser gewonnen werden. Dies ist nur möglich, wenn es einer Regionalzeitung gelingt, dem Leser einen Mehrwert zu bieten, für welchen er bereit ist, etwas zu bezahlen. Die Regionalzeitung muss, was die Berichterstattung in ihrem Verbreitungsgebiet angeht, unschlagbar sein. Der Erwerb des «Murtenbieters» und des «Anzeigers von Kerzers» war in diesem Zusammenhang ein guter Entscheid, der die FN als Unternehmen breiter abstützt.

Die FN und «La Liberté» pflegen eine gute Zusammenarbeit, sowohl im Foto- wie auch im redaktionellen Bereich. Sollte sie noch ausgebaut werden, oder denken Sie gar an die Herausgabe einer zweisprachigen Zeitung?

Ich begrüsse diese Zusammenarbeit sehr und hätte auch nichts dagegen, wenn die beiden Zeitungen noch enger kooperieren würden. Dies, obwohl sie ja vor allem in der Stadt Freiburg Konkurrenten sind. Die Herausgabe einer zweisprachigen Freiburger Tageszeitung sehe ich hingegen nicht. Ich glaube einfach nicht, dass die Leser bereit sind, für etwas zu bezahlen, was sie nicht wünschen. Und ich bin überzeugt, dass die FN-Leser nicht französischsprachige Beiträge lesen wollen. Dasselbe gilt umgekehrt für «Liberté»-Konsumenten. Viele sind auch gar nicht in der Lage, fremdsprachige Beiträge zu lesen.

Wenn Sie Ende Monat den Direktionsstab an Thierry Mauron übergeben, werden Sie sich endgültig von der St. Paul verabschieden?

Nein, nicht ganz. Ich bleibe der St. Paul insofern erhalten, als ich Mitglied des Verwaltungsrates bleibe. Und ich werde auch weiterhin in den Verwaltungsräten der Beteiligungen der St. Paul Einsitz nehmen, also unter anderem auch bei den FN.

An der Stätte seines Wirkens: Albert Noth in der Paulusdruckerei.Bild Aldo Ellena

Paulus-Gruppe:Breit angelegtes Netzwerk

Unter der St. Paul AG sind die Paulusdruckerei in Freiburg, aber auch die Buchhandlung St. Paul, eine weitere Buchhandlung in Bulle, der Paulusverlag und die «Editions de la Sarine» vereint. So gehört der St. Paul AG die Tageszeitung «La Liberté». Sie besitzt aber auch 93 Prozent der Aktien der Zeitung «La Gruyère» mit der Druckerei Glasson in Bulle. Gedruckt werden auf der Rotationsmaschine der Paulusdruckerei – nebst verschiedenen anderen Produkten – nicht nur die Zeitungen «La Liberté» und «La Gruyère», sondern auch die «Freiburger Nachrichten» (FN). Die St. Paul AG besitzt 20 Prozent der FN-Aktien und ist somit grösste Aktionärin. Der Sensler Albert Noth, der auch im Verwaltungsrat der FN sitzt und Vizepräsident ist, hat somit in der Freiburger Medienlandschaft ein gewichtiges Wort mitzureden, zumal er auch in den Verwaltungsräten von Radio Fribourg/Freiburg und von «La Télé» sitzt. az

Zur Person

Albert Noth war auch politisch aktiv

Albert Noth ist 1947 geboren und in Freiburg und Flamatt aufgewachsen. Nach der Handelsmatura am Kollegium St. Michael hat er an der Universität Freiburg Volkswirtschaft studiert und das Studium mit dem Doktortitel abgeschlossen. Nach dem Studium ging er zunächst ins Lehrfach, alsdann war er im Eidgenössischen Departement des Innern in mehreren Kaderstellen tätig. So als persönlicher Mitarbeiter der Bundesräte Alfons Egli und Flavio Cotti und als stellvertretender Generalsekretär. Seit März 1993 ist er Direktor und Verwaltungsratsdelegierter der St. Paul AG. Albert Noth gehörte als CVP-Vertreter von 1986 bis 1994 dem Grossen Rat an. Er war in seiner Wohngemeinde St. Antoni von 1983 bis 1991 auch Gemeinderat. az

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