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«Pfarrer sind auch Menschen, wie alle andern»

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«Pfarrer sind auch Menschen, wie alle andern»

Serie «Schüler führen Interviews»: im Gespräch mit Matthäus Karuvallil

Matthäus Karuvallil, Pfarrer der Pfarrei Brünisried-Rechthalten, spricht in einem Interview über seine Berufung zum Pfarrer, seine Einstellung zu anderen Religionen und zur Bedeutung des Christentums in Indien.

Mit MATTHÄUS KARUVALLIL sprachen OLIVIA JENNY UND RAHEL BRÜGGER

Sie kommen ja ursprünglich aus Kerala, Indien. War es für Sie sehr schwierig, sich hier einzuleben?

Es war eigentlich gar nicht schwierig. Denn ich habe schnell neue Freunde gefunden, die mir eine neue Heimat gaben.

Auch mit dem Essen hatte ich keine Probleme, da ich mich seit 1989 öfters in Europa aufhielt, um zu studieren.

Sind alle Mitglieder Ihrer Familie Christen?

Da muss ich zuerst etwas von den Christen in Indien erzählen: Nach dem Tod und der Auferstehung Christi gingen die Apostel in die ganze Welt hinaus, um Jesu Worte zu verkünden. Der Apostel Thomas kam nach Indien. Zuerst betrug die Zahl der Anhänger Jesus sieben Kirchen. Aber es wurden immer mehr.

Meine Familie stammt von den ersten Christen hier in Kerala ab. Folglich ist meine ganze Familie christlich.

War es von Kindheit an Ihr Wunsch, Pfarrer zu werden?

Ja, eigentlich schon, denn ich hatte von Kindheit auf so ein Gefühl und spielte auch selbst immer, dass ich ein Pfarrer wäre (lacht). Auch die Kirche habe ich schon als kleiner Knabe geliebt und die Priester waren Vorbilder für mich.

Dass ich schliesslich Pfarrer wurde, habe ich einem Bischof zu verdanken. Damals kam ein neuer Bischof nach Kerala und meine Mutter brachte mich zu ihm, um mich vorzustellen. Ich war 19 Jahre alt. Der Bischof hat gesehen, dass ich grosses Interesse an der Kirche hatte. Also fragte er mich, ob ich nicht Priester werden möchte.

Dass das alles so gut zusammenpasste, sehe ich schon als eine Art Berufung Gottes.

Gibt es noch andere Priester in Ihrer Familie?

Nein. Mein älterer Bruder wollte eigentlich auch Priester werden. Aber er sprach diesen Wunsch schon aus, gerade als er aus der Schule kam, mit etwa 15, 16 Jahren. Da waren meine Eltern dagegen, denn sie meinten, er sei zu jung. Ich selbst wünschte auch schon so früh Priester zu werden, sprach den Wunsch aber nicht offen aus, gerade eben deswegen. Erst als meine Mutter mich zum Bischof brachte, erzählte ich meiner Familie alles.

Welche ist die Hauptreligion in Indien? Welche Andersgläubige gibt es dort?

Die Hauptreligion ist der Hinduismus. Aber diese Religion selbst ist ein Überbegriff vieler kleiner Gruppen von Gläubigen. Es gibt etwa 2,5 Prozent Christen, ausserdem noch Muslime und viele kleine Religionen.

Wie denken sie allgemein über andere Religionen? Finden Sie, dass einige übertreiben oder untertreiben?

Ich glaube, jede Religion ist ein Weg zu Gott. Alle Gläubigen suchen in ihrer Religion nach demselben, nämlich nach dem Glück und dem Sinn des Lebens u.s.w. Man sollte alle Religionen achten und respektieren; und das tue ich auch. Eine Religion ist fast wie eine Mutter; mir ist meine Mutter wichtig, dir deine. Aber man sollte sie beide respektieren, denn beide sind Mütter.

In fast allen Religionen gibt es die Gleichgültigen und die Fanatiker. Eigentlich ist beides schade.

Zu den Gleichgültigen kann man nicht viel sagen, denn das ist einfach nur schade.

Die Fanatiker haben eine eingeschränkte Sicht, nur ihre Religion ist richtig. Aber ich frage mich, ob die Fanatiker die Religion nur als Vorwand brauchen, um Macht zu erlangen usw. So wie wir Christen bei den Kreuzzügen, das war regelrechter Religionsmissbrauch.

Zum Glück gibt es im Hinduismus wenig Fanatiker. Denn es ist eine sehr tolerante Religion, sie heisst alle von aussen Kommenden herzlich willkommen und hat eine grosse Gastfreundschaft, das ist etwas sehr Schönes am Hinduismus. Falls es auch in Indien einmal einen Religionskrieg geben sollte, sind höchstwahrscheinlich politische Gründe dahinter.

Teilten Sie die konservative Meinung von Papst Johannes Paul II.?

Eine gute Frage, aber als erstes möchte ich den Papst weder als konservativ noch als progressiv bezeichnen.

Der verstorbene Papst war ein Mensch, der sich sehr stark für die Menschenrechte, für das Leben eingesetzt hat. Jede Art von Menschen war ihm wichtig: Die Jungen, die Alten, die Kranken, aber auch die ungeborenen Kinder. Er hat Kontakte mit all diesen Menschen gesucht und gepflegt. Er setzte sich sehr für die Freiheit ein und er war gegen Gewalt, sei es Krieg oder Abtreibung.

Ich unterstütze Papst Johannes Paul II. in allem, was er getan hat. Denn eigentlich ist es die Aufgabe eines jeden Christen, sich für das Leben anderer einzusetzen.

Wie denken Sie über Papst Benedikt XVI.?

Die Wahl eines Papstes ist immer mehr als nur menschliches Kalkül. Auch der Heilige Geist spielt seine Rolle und hat Einfluss auf die Wahl. Ich denke, dass er auch in diesem Falle mitgewirkt hat, deshalb würde ich die Wahl natürlich als positiv bezeichnen (lacht).

Zweifellos kennt der neue Papst die Arbeiten in Rom gut und versteht die Probleme der Kirche.

Olivia Jenny und Rahel Brügger sind Schülerinnen der Klasse 21 der OS Plaffeien. Unter der Leitung ihres Lehrers Gabriel Aebischer führten sie im Rahmen des Deutschunterrichts Interviews mit selbst gewählten Personen aus der Region.

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