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«Pferde sind keine Werkzeuge»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Konzentriert joggt Sonja Ruffieux über den Sandplatz, neben sich ihr Pferd Dashuria. Die braune Stute trabt aufmerksam neben ihr her, ganz ohne Seil, über ein Holzbrett, durch einen Ring und einen Vorhang bunter Schaumstoffnudeln. Dann dreht sich Ruffieux abrupt, die Stute folgt ihr, wirft ihren Kopf hin und her und steht kurz darauf auf den Hinterbeinen.

Horse Agility heisst die Sportart, bei welcher Pferde frei neben ihrer Führerin herlaufend verschiedene Hindernisse überwinden (siehe Box). Sonja Ruffieux hat die Sportart in der Region bekannt gemacht, organisiert Kurse und Turniere und hat die Interessengemeinschaft Horse Agility Schweiz gegründet.

Sie überwindet mit ihren Pferden aber nicht nur Agility-Hindernisse; sie hat ihnen auch diverse Kunststücke beigebracht – wie eben das Steigen, das Stehen auf den Hinterbeinen.

Mit Pferden aufgewachsen

Die Plaffeierin ist mit Pferden aufgewachsen. Ihr Vater ist bereits geritten. «Als mein Bruder und ich noch Babys waren, haben meine Eltern zwei Shetland-Ponys gekauft», sagt sie. «Meine Eltern sagen jeweils, dass ich reiten konnte, bevor ich gehen konnte.»

Später kamen dann grössere Ponys hinzu, wie 2006 der Reitpony-Mix Cannabis, der immer noch bei ihr ist. Zwei Jahre später kaufte sie ihr erstes Jungpferd, die nun zwölfjährige Traber-Araber-Mix- Stute Dashuria. Die hat Ruf­fieux selbst ausgebildet. Schon lange träumt sie von einem Lusitano – das ist eine portugiesische Rasse –, und dieser Traum ging kürzlich in Erfüllung. Ihr neues Pferd Largos ist ein zweijähriger Lusitano-Freiberger-Wallach, der momentan noch in Frankreich lebt. Bald will ihn Ruffieux zu sich ins Sense-Oberland holen.

«Ich finde es faszinierend, dass sich das Fluchttier Pferd, das so viel stärker ist als wir, so auf uns Menschen einlässt.»

 

Die Pferde hielt die Familie Ruffieux stets bei sich zu Hause. «So habe ich eine ganz enge Verbindung zu den Tieren, denn ich füttere sie täglich und bringe sie auf die Weide», sagt Sonja Ruffieux. Bei den Stall­arbeiten helfen ihr Vater und ihr Freund – so kann sie sich zwischendurch auch einen freien Tag oder Ferien gönnen.

Viel davon hat sie aber nicht. Neben ihrem 50-Prozent-Job im Büro gibt Ruffieux Unterricht und organisiert mehrmals pro Monat Kurse. Sie hat ein ganzes Arsenal an Agility-Hindernissen, die sie jeweils mit ihrem Anhänger an die Kursorte bringt: Wippen, Tunnels, Brücken, Reifen, Podeste. Daneben organisiert sie zwei bis dreimal pro Jahr Horse-Agility-Turniere, unter anderem in Düdingen. Unterrichten und Kurse ergäben zusammen eine 50- bis 70-Prozent-Stelle, schätzt Ruffieux. Daneben trainiert sie noch ihre eigenen Pferde.

Es braucht Grundvertrauen

So viel Zeit für die Vierbeiner – warum macht sie das? «Ich finde es faszinierend, dass sich das Fluchttier Pferd, das so viel stärker ist als wir, so auf uns Menschen einlässt», sagt sie. Das gelte besonders fürs ­Horse Agility, wo die Pferde frei nebenher laufen und jederzeit anderswo hingehen könnten.

Dafür brauche es ein Grundvertrauen und eine feine Kommunikation zwischen Pferd und Mensch. Genau das will sie an ihren Kursen weitergeben: «Es ist schön, zu sehen, wie die Führerinnen immer feinere Signale geben und lernen, mit ihrer Körpersprache mit den Pferden zu kommunizieren.» Die Pferde könnten unsere Sprache nicht lernen, also müssten die Menschen die Sprache der Pferde lernen – das will sie vermitteln. Und: «Pferde sind keine Werkzeuge, sondern Lebewesen, auf die wir individuell eingehen müssen.»

Die Liebe für Pferde geht bei Sonja Ruffieux bis unter die Haut. Ihr Schulterblatt ziert die Tätowierung eines Pferdes. «Das ist Lucino», sagt sie, und ihre Stimme wird leiser. Lucino war das Nachwuchspferd, das sie vor vier Jahren gekauft hatte. «Ich hatte eine sehr spezielle Freundschaft mit ihm.» Doch Lucino hatte gesundheitliche Probleme, und Anfang Jahr musste er eingeschläfert werden – er konnte nicht mehr ohne Schmerzen leben. Das gehöre auch dazu, wenn man Tiere habe, stellt Ruffieux fest. «Die Entscheidung war schwierig.» Doch wenn die Tiere litten, sei es besser so. Sie will mit ihrem Unterricht darum auch vermitteln, wie Pferde geritten werden können, ohne dass sie gesundheitliche Schäden davontragen.

Traum Kanada

Für die weitere Zukunft hat Ruffieux einen ganz grossen Traum: Kanada. Zweimal war sie bereits da, die nächste Reise ist geplant. Um ihren Arm zieht sich eine Tätowierung der Landschaft rund um den kanadischen Moraine Lake. Auswandern will sie noch nicht gleich, aber vielleicht später. «Mit den Pferden wäre es toll dort – diese Weite!»

Zur Disziplin

Vielseitige Disziplin für Pferd und Reiter

Horse Agility hat sich aus der Hundesportart Agility entwickelt. Ziel ist es, in einer vorgegebenen Zeit einen Parcours mit Geschicklichkeitshindernissen in einer festen Reihenfolge zu absolvieren. Dabei gibt es verschiedene Kategorien: mit einer Führerin oder einem Führer am Boden frei – also ohne Seil –, oder aber geritten. Sonja Ruffieux las 2013 in einem Magazin erstmals über die Disziplin. Sie begann Kurse zu geben, und 2016 organisierte sie das erste Turnier und gründete die Interessengemeinschaft Horse Agility Schweiz. Dieses Jahr findet die erste Schweizermeisterschaft statt.

nas

Mehr Informationen: www.horseagilityschweiz.ch

Begeisterte Kinder

Kinder sollen auch den Umgang am Boden lernen

Viele Mädchen sind begeistert von Pferden und hätten am liebsten sofort ein eigenes Pony. Was rät Sonja Ruffieux den Eltern von jungen Pferdefans? «Sie sollen eine gute Reitschule suchen, wo den Kindern nicht nur das Reiten, sondern auch der richtige Umgang mit den Pferden sowie die Arbeit am Boden wie etwa das korrekte Führen beigebracht wird.» Wenn die Pferde in der Reitstunde nur hintereinander her liefen, lernten die Kinder nicht viel.

Später sei auch ein Pflege­pferd sinnvoll: ein Pferd einer anderen Person, um das sich die Mädchen alleine kümmern dürfen. Wenn sie alles Wichtige gelernt hätten und mit ihrer Ausbildung fertig seien, erst dann sollten sie über ein eigenes Pferd nachdenken. Denn dieses kostet nicht nur bis zu tausend Franken Unterhalt pro Monat, seine Betreuung und sein Training brauchen zudem auch viel Zeit.

«Ich selbst habe auf sehr schwierigen Pferden reiten gelernt», erzählt Sonja Ruffieux. Das empfehle sie nicht zur Nachahmung. Sie habe zwar viel gelernt dabei, aber es sei sehr schwierig gewesen und habe viel Geduld gebraucht. Nicht zuletzt sei sie ziemlich oft heruntergefallen – und hat sich dabei einmal das Kreuzband im Knie gerissen.

nas

 

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