Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Pierre Caille hat mit seinen Zahlen die Politik beeinflusst

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Pierre Caille hat den Kanton Freiburg und die Schweiz über 30 Jahre lang in Zahlen verpackt.
Alain Wicht/La Liberté

Per Ende Januar hat Pierre Caille die Leitung des Amts für Statistik des Kantons Freiburg abgegeben und ist in den Ruhestand getreten. Im Gespräch mit den FN spricht er über das Erheben von Daten, das Öffentlichmachen und was die Politik daraus macht.

«Niemand sagt als kleiner Junge, er wolle Statistiker werden.» Das war auch bei Pierre Caille nicht so. Er betont zwar, dass er sich immer schon zu den exakten Wissenschaften hingezogen fühlte, auch wenn er erkennen musste, dass diese gar nicht so exakt sind.

Den Beruf des Statistikers konnte man aber so auch gar nicht lernen, sagt der Mann, der auf Ende Januar nach 15 Jahren als Vorsteher des kantonalen Amts für Statistik in den Ruhestand getreten ist. Statistik habe früher in Form von Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Mathematik oder als Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften stattgefunden. In Freiburg kann man sich auch heute noch nicht zum Statistiker ausbilden lassen, aber es gibt mittlerweile einen Master in Statistik in Neuenburg.

Wie ein Industriebetrieb

So hat der 63-Jährige den Zugang zur Statistik über die Wirtschaftswissenschaften gefunden. Caille forschte über die internationalen Wirtschaftsbeziehungen unter anderem auch in London und er arbeitete für den Schweizerischen Bankverein. Er versuchte für seinen Arbeitgeber, den Kauf einer französischen Bank einzufädeln, das klappte aber nicht. «Und das Kreditwesen zwischen den Banken, das interessierte mich nicht so», blickt Caille zurück. Es zog ihn deshalb vor 33 Jahren erst zum Bundesamt für Statistik und 2005 zum Amt für Statistik des Kantons Freiburg.

«Es war ursprünglich eher ein Beruf für Blaukittel», sagt Caille. Das Wissenschaftliche innerhalb der Statistik sei ursprünglich gar nicht so wichtig gewesen, sondern es ging um Organisation, Produktion, Vertrieb und später auch Informatik. Eigentlich also mehr um einen industriellen Prozess.

Paradigmenwechsel

Das hat damit zu tun, dass sich die Statistik in der Schweiz bis um die Jahrtausendwende noch stark auf die Volkszählung und die Betriebszählung stützte. Während die Volkszählung eine gross angelegte Übung alle zehn Jahre war, betrieb Caille beim Bundesamt Beschäftigungsstatistik. «Pro Quartal 45’000 Fragebogen an Firmen schicken und diese dann auswerten: Das war Vollproduktion», so Caille.

Doch die Methoden haben sich seither geändert. Statistik setzt heute mehr auf Registerdaten und kleinere Datenmuster, die aber viel häufiger erhoben werden. Mit wissenschaftlicher Technik werden dabei auch Fehlermargen berücksichtigt.

«Das Metier hat sich so komplett verändert», sagt Caille heute. «Es braucht unterdessen wissenschaftliche Mitarbeiter. Das mussten wir aber beim Personalamt mit der Anpassung der Lohnklasse bei Stellenbesetzungen erst durchbringen.» Das kantonale Amt Freiburg müsse sich zudem damit abfinden, dass bei der Rekrutierung das Bundesamt für Statistik in Neuenburg eine Konkurrenz darstelle.

Historische Spezialitäten

Gerade bei der Umstellung von der Volkszählung zur Erhebung mit Datenmustern hätten sich auch Konflikte zwischen dem Bund und den Kantonen offenbart. «Man befürchtete in den Kantonen Verluste von Informationen», so Caille. Diese mag es zwar tatsächlich gegeben haben, dafür haben die Daten an Aktualität gewonnen. Auch die Abgrenzung zwischen den Ämtern des Bundes, der Kantone und auch gewisser Städte sei damals mit einer Bundesverordnung geregelt worden.

«Wir haben hier im Kanton viele Freiheiten», sagt Caille, der mit seinem Amt jedes Jahr ein umfangreiches Statistisches Jahrbuch herausgegeben hat.

Jedes kantonale statistische Amt habe seine historischen Spezialitäten, sagt der gebürtige Greyerz­bezirkler. So sei in Freiburg traditionell die Erhebung des Schulwesens immer sehr wichtig gewesen. Dafür seien andere kantonale statistischen Ämter in anderen Bereichen stärker gewesen, zum Beispiel bei der Erfassung des Gesundheitswesens.

Lieblingsstatistiken von Pierre Caille

Fripers als wichtiger Schritt

Ein wichtiger Schritt erfolgte Caille zufolge im Kanton Freiburg mit der Einführung der kantonalen Datenbank Fripers. Vorher sei vieles bei der Einwohnerkontrolle der Gemeinden und somit nur dezentralisiert verfügbar gewesen. Caille bedauert es, dass man dabei nicht über die kantonale Stufe hinaus gegangen ist: «Wir hatten den Mut nicht für eine Bundeslösung. So haben wir heute zwar für Ausländer ein nationales Register, für Schweizer Bürger aber nur viele kantonale.»

Pierre Caille mag auch nicht zwischen wichtigeren und weniger wichtigen Daten unterscheiden. «Der Status einer Statistik kann sehr schnell ändern. Man macht sich oft darüber lustig, dass wir jedes einzelne Huhn im Kanton zählen. Aber dann kommt die Vogelgrippe, und die Zahlen sind plötzlich wichtig. Wir können mit dem Erfassen nicht abwarten, bis etwas aktuell wird.»

Sie haben den Überblick

Eine weitere Entwicklung sei, dass immer mehr Daten immer einfacher verfügbar seien. «Der Überblick geht da oft etwas verloren», sagt Pierre Caille. «Eine Aufgabe der statistischen Ämter ist es, die Leute zu führen und die Daten für sie zu interpretieren.» Die offiziellen Ämter würden dabei in Konkurrenz zu sozialen Netzwerken treten, sich dabei aber durch einen viel höheren Qualitätsstandard unterscheiden. «Die Transparenz ist Teil unserer Charta: Wir schauen, wie Daten zustande kommen.»

In diesem Zusammenhang spricht Caille auch an, dass verstärkt Daten verknüpft werden. «Die Zukunft ist Big Data», sagt er. Diese Entwicklung könne zwar Angst machen, aber im offiziellen Rahmen der statistischen Ämter seien keine Gefahren zu befürchten.

Immer Politik dahinter

Viel problematischer ist für den bisher höchsten Statistiker des Kantons der Missbrauch von statistischen Daten, insbesondere wenn nur jene Daten verwendet werden, die jemandem einen bestimmten Nutzen bringen. «Es ist immer Politik dahinter», sagt er.

Im Kanton Freiburg habe er zwar unter drei verschiedenen Staatsräten nie einen Druck verspürt, bestimmte Daten auf Bestellung zu liefern. Als Statistiker gelte man aber oft als jemand, der nichts von Politik versteht. Er selber meint aber: «Die Politik setzt bei Entscheiden oft zu stark auf Statistiken. Ich bin der Meinung: Zahlen dürfen nicht das letzte Wort haben.»

Zahlen und Fakten

Eine Statistikerkarriere in Zahlen

Pierre Caille, der nun pensionierte Vorsteher des kantonalen Amts für Statistik, fasst seinen Lebenslauf in einigen Zahlen zusammen.

5 Schulen: Primarschule La Tour-de-Trême, Sekundarschule Bulle, Kollegium St. Michael, Uni Freiburg, London School of Economics.

7 Arbeitgeber: Uni Freiburg, SNF (Nationalfonds), SBV (Bankverein, heute UBS), Bundesamt für Statistik, Kartellkommission (heute Wettbewerbskommission), EDA (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten), VWD (Volkswirtschaftsdirektion, Staat Freiburg).

3-mal hin und her: In insgesamt 17 Jahren beim Bundesamt für Statistik hat er dieses 3-mal verlassen und ist 2-mal zurückgekehrt. Zuletzt war er 15 Jahre lang im SStat (Statistik-Amt des Kantons Freiburg). 

Und worauf freut er sich in der Pension: «Basteln, Sport, Ski, Segeln, Vögel beobachten. Und das Vergnügen, dass ich sie nicht zählen muss.» uh

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema