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Plädoyer für einen europäischen Islam

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Anfang September trat Amir Dziri sein neues Amt als Co-Direktor des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft (SZIG) an.

 

Wie gefällt es Ihnen hier?

Ich bin begeistert vom Erscheinungsbild und der Geschichte der Stadt, von der Nähe zur Natur und dem vielfältigen kulturellen Angebot. Die Stadt hat Flair, ist sehr jung, lebendig und mehrsprachig.

Inwiefern haben Ihre Wurzeln Sie beeinflusst?

In meiner Jugend eigentlich nicht sehr. Ich bin ja in Deutschland aufgewachsen und habe nie in Tunesien gelebt. Bewusste Bezüge haben sich eigentlich erst im Erwachsenenalter ergeben.

Wie hat sich die Wahl Ihrer Studienrichtung ergeben?

Ich habe mich schon früh für gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen inte­ressiert. Schliesslich habe ich mich dazu entschieden, mich vertieft mit Fragen zu Islam und Gesellschaft zu beschäftigen und in Islamwissenschaften doktoriert. Hier bin ich nun definitiv am richtigen Ort, denn das Zentrum leistet mit seinen Angeboten einen Beitrag zu einem funktionierenden Zusammenleben in der pluralistischen Gesellschaft.

Welchen Islam leben Sie?

Sicher einen stark reflektierten. Ich bin daran interessiert, viel zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.

Was ist für Sie ein europäischer Islam?

Letztlich ist es eine Frage der Zeit, bis sich die Muslime in Europa mit einer gewissen Selbstverständlichkeit beheimatet fühlen. Auf dem Balkan und in Spanien sind sie Teil der europäischen Geschichte geworden. Ein europäischer Islam ist ein Islam, der kulturelle Merkmale Europas adaptiert und auch im stetigen Dialog mit anderen Religionen steht.

Und die Freiburger Muslime?

Da verfüge ich noch nicht über besonders profunde Kenntnisse, habe aber schon einzelne Akteure getroffen. Die islamische Gemeinschaft ist in sich aber sowohl altersmässig als auch ethnisch sehr vielfältig. Im Allgemeinen scheinen die Muslime hier gut in die Gesellschaft integriert zu sein.

Gibt es Unterschiede bezüglich der Akzeptanz von Muslimen zwischen der Schweiz und Deutschland?

In der Summe ist es relativ ähnlich. Es gibt in beiden Ländern eine stetige Spannung zwischen Normalität und einer gewissen Exotisierung. Insgesamt gehören Muslime in Deutschland und der Schweiz mittlerweile zur Normalität eines Stadtbildes. Klar gibt es immer wieder auch Reibung. Aber das ist bei einem Prozess der Integration meiner Meinung nach ganz normal.

Und die Islamfeindlichkeit?

Wenn sie sich ideologisch verfestigt, ist sie keine gewinnbringende Entwicklung für die Gesellschaft.

Wie können Sie das am Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft Geleistete zu den Menschen der Strasse tragen?

Gesellschaftliche Debatten bilden einen wichtigen Ausgangspunkt für unsere Arbeit. Unsere Institution ist sehr am Wissenstransfer interessiert. Diesem Zweck dient auch unser grosses Weiterbildungsangebot, das bei Lehrern, Sozialarbeitern und Verwaltungsmitarbeitern sehr gefragt ist. Wir gehen auf die Zivilgesellschaft zu und versuchen, den derzeitigen Diskurs in der Gesellschaft fachlich zu begleiten und Hilfestellung im Dienste einer fairen und sachgerechten Diskussion zu leisten.

Das Freiburger Zentrum ist in der Schweiz einzigartig.

Sogar darüber hinaus. Wir stehen auch im europäischen Fokus. Viele Nachbarländer schauen sehr genau darauf, was sich bei uns ereignet. Und selbst in der muslimischen Welt begrüsst man die Entwicklung an unserem Institut.

Oft ist vom Islam im Zusammenhang mit Islamismus, Jihadismus und Terrorismus die Rede.

Es ist uns sehr wichtig, auch das zu thematisieren. Leider ist es eine Realität, dass sich Attentäter auf die Religion berufen. Dem müssen wir ein positives Sinnangebot entgegensetzen. Der Weg zum Terrorismus hat allerdings weniger mit Religion als solcher zu tun als vielmehr mit kultureller Entwurzelung, Identitätsfragen und Generationenkonflikten. Ebenso hat übrigens auch die Rolle der Frau in der arabischen Welt oder der gescheiterte Arabische Frühling viel mehr mit dem kulturellen Hintergrund dieser Länder als mit der Religion Islam zu tun.

«Der Weg zum Terrorismus hat mit kultureller Entwurzelung, Identitätsfragen und Generationenkonflikten zu tun.»

Amir Dziri

Co-Direktor des SZIG

Zur Person

Ein Bonner mit tunesischen Wurzeln

Der 33-jährige Amir Dziri stammt aus Bonn, hat aber tunesische Wurzeln. Er lebt seit diesem Jahr in Freiburg und ist verheiratet. Seine bevorzugte Freizeitbeschäftigung sind momentan Ausflüge und das «Kennenlernen von Land und Leuten».

jcg

 

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