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Plan E eines Rentners

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So hatte sich Paul Stulz die Pension nicht vorgestellt.

Als der heute 68-Jährige vor drei Jahren seinen letzten Arbeitstag beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hatte, wollte er einen klaren Trennstrich. Stulz plante, mindestens sechs Monate im Jahr mit seiner Frau in Nordkamerun Entwicklungsarbeit zu leisten. Damit hatte das Ehepaar schon vor rund 40 Jahren für die links-katholische Organisation ­Frères Sans Frontières begonnen. «Doch nun war die Region unter den Einfluss der islamistischen Terrormiliz Boko Haram geraten, und Nordkamerun wurde für die Weissen gesperrt», sagt Stulz.

So reisten sie mit einem alten Messwagen durch die USA und Kanada, wo sie aber die Nachricht erreichte, dass Stulz’ damals 95-jährige Mutter schwer erkrankt war. «Wir mussten uns um sie kümmern», sagt Stulz. Doch das ging nur bis April letzten Jahres. «Da hat sie ihr Gedächtnis verloren, und es wurde einfach zu viel. Meine Mutter musste ins Heim.»

Als Nächstes wollte Paul Stulz im Nordosten Brasiliens auf einer Gesundheitsstation seiner Cousine mithelfen. «Arme Leute lernen dort, gesund zu leben und mit Pflanzen zu heilen.» Doch mit dem Regierungswechsel in Brasilien zu Jahresbeginn musste Stulz auch diese Idee begraben. «Unsere Anwesenheit als Fremde würde die Leute, mit denen wir arbeiten, in Gefahr bringen. Alles, was alternativ ist, wird heute verfolgt.»

Im orangen Gilet

Nun ist Paul Stulz zurück in Freiburg und hat das Referendum gegen die kantonale Steuerreform ergriffen. Man trifft ihn etwa mittwochs auf dem Markt am Freiburger Python-Platz, wo er im orangen Gilet Unterschriften sammelt. 6000 gültige Unterschriften braucht es bis zum 28. März, damit die Freiburger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Urne entscheiden können, ob sie die Steuerreform annehmen wollen. Diese sieht eine allgemeine Senkung der Gewinnsteuern für Unternehmen von 19,86 auf 13,72 Prozent vor.

«Multinationale wollen keine Steuern mehr bezahlen. Sie möchten ihre Gewinne direkt als Dividenden auszahlen. Staatliche Strukturen sind ihnen ein Dorn im Auge», ist Paul Stulz überzeugt. Der Einfluss der globalisierten Finanzwelt reiche bis hinunter in die kantonale Politik. Dass die Freiburger Steuerreform soziale Beiträge für die Bevölkerung und vergleichsweise strikte Grenzen bei den Steuerabzügen vorsieht, ist für Stulz Augenwischerei. Dabei gehe der Blick fürs Wesentliche verloren: massive Steuereinbussen für Kanton, Gemeinden und Pfarreien.

Ärger im Beruf …

Sucht man im Lebenslauf von Paul Stulz nach Rebellischem, so wird man nicht gleich fündig. Stulz ist im Schönbergquartier aufgewachsen, sein Vater war Bürochef bei der Staatskanzlei, er selber studierte Landwirtschaft und war Deutschfreiburger Juniorenmeister im Riesenslalom. Als Agro-Ingenieur arbeitete er als Assistent in Grangeneuve für Versuche im Futterbau und als Entwicklungshelfer in Nordkamerun. Nach drei Jahren als technischer Berater für Landwirtschaftsprodukte bei einer Genfer Firma wechselte Stulz zum Bundesamt für Statistik nach Bern. Dort entwickelte er die elektronische Datenerhebung und -analyse weiter.

Im Zusammenhang mit Vorarbeiten zur Gewässerschutzverordnung stellte Paul Stulz fest, dass es in der Innerschweiz enorme Stückzahlen bei den Schweinen gab. Dies führte zu einem Problem mit der damit verbundenen Gülle: Wo sollte man diese austragen? Bei der Erörterung des Problems verlangte die damalige parlamentarische Kommission, Stulz müsse diese Zahl so frisieren, dass es passe. «Wenn das so ist, dann gehe ich», antwortete er und wechselte ins Bazl.

… und bei der SP

Ähnlich entschlossen zeigte sich Paul Stulz in der Politik. Nebst seiner gewerkschaftlichen Aktivität beim VPOD war Stulz im Freiburger Generalrat und Vorstandsmitglied der SP Freiburg. Dort hatte er kein Verständnis dafür, wie es zur finanziellen Schieflage der städtischen Pensionskasse kommen konnte. Ebenfalls kein Verständnis zeigte er, als die Gas- und Wasserversorgung aus der Unterstadt für zwölf Millionen Franken nach Givisiez zügeln musste. «Technisch war das ein Quatsch», ist er noch heute überzeugt. Da sich die SP bei beiden Geschäften nicht gewehrt habe, kehrte er ihr den Rücken zu.

Von seinen politischen Weggefährten begegnete Paul Stulz nach seiner Pensionierung wieder Pierre Duffour, dem ehemaligen Präsidenten des VPOD Freiburg und Mitstreiter bei Frères sans Frontières. Duffour hat in Freiburg den ersten Schweizer Ableger der aus Frankreich stammenden Organisation Attac zur demokratischen Kontrolle der internationalen Finanzmärkte gegründet.

Mumm dank Streik der Jugendlichen

Stulz begleitete Duffour an Informationsanlässe von Attac, dann auch an Treffen der Freiburger Linken über ein mögliches Referendum zur Steuerreform. Eine erste Sitzung im Dezember ergab nichts. Man verschob den Entscheid auf Januar. «Es gab eine Riesendiskussion. Als es dann hiess, die SP mache nicht mit, gingen wir ohne Resultat auseinander. Aber niemand konnte es begreifen», sagt Stulz. «Ich fragte mich: Wie kann man eine solche Gelegenheit verpassen?»

Kurz darauf begleitete Stulz Duffour an einen Anlass im Centre Fries: eine Organisationssitzung der Freiburger Jugendlichen für den Klimastreiktag. «Ich war begeistert, wie sie die Sache organisierten. Es wirkte sehr professionell, niemand redete anderen drein. Pierre und ich sagten dann zu, am Streikumzug für die Sicherheit zu schauen», so Stulz. «Nach diesem Anlass war mir klar: Wenn die Jugendlichen diesen Mut zeigen, dann können wir das Referendum zur Steuerreform nicht fahren lassen.»

Er selber macht kein Büro auf

Er kontaktierte die Gewerkschaften, ging auf den Markt, sammelte die fehlenden 40 Unterschriften und deponierte das Referendumsgesuch auf der Staatskanzlei zum letztmöglichen Zeitpunkt am 28. Januar. Das Referendum läuft unter dem Banner von Attac. Mittlerweile besteht eine Arbeitsgruppe aus Gewerkschaften und Linksparteien. Zur Halbzeit am 28.  Februar hofft Paul Stulz auf 4000  Unterschriften. Für den Rest sollen dann die beteiligten Partner noch sorgen. «Attac kann das nicht allein durchziehen», sagt er.

Und wie hält er es selbst mit Steueroptimierung? «Ich als Rentner mache da kein Büro auf. In einer Stunde ist meine Steuererklärung erledigt.»

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