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Portiers öffnen die Bahnhofstüren

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Gestern standen die Jugendlichen nicht störend vor dem Bahnhof, sondern hielten den Passanten die Türen auf.Bild Charles Ellena

Portiers öffnen die Bahnhofstüren

Autor: Nicole Jegerlehner

Eine junge Frau mit roten Augen, langem schwarzem Mantel, Totenkopf auf dem Pulli und einem schwarzen Halsband öffnet mit weissen Glacéhandschuhen die Tür des Freiburger Bahnhofs für die Passantinnen und Passanten – die zuweilen etwas erstaunt dreinblicken, manchmal gar nicht hinsehen und ab und zu Danke sagen.

Alle sind am Bahnhof

Mit dieser Aktion machten die Gassenarbeiter von Reper, Villars Animation und Pastorale de Rue gestern Nachmittag auf die Nutzungskonflikte am Bahnhof aufmerksam: Reisende eilen auf den Zug, die SBB wollen mit ihrem Programm «Mehr Bahnhof» Konsumentinnen und Konsumenten anlocken, und Jugendliche stehen in Gruppen herum, schwatzen – und stehen den Eiligen ab und zu im Weg.

Von Mittag bis 16 Uhr sammelten die Gassenarbeiterinnen und Gassenarbeiter von Reper am Bahnhof Unterschriften. Sie legten den Leuten verschiedene fiktive Petitionen vor. Die eine fordert, dass alle Langhaarigen dem Bahnhof fernbleiben sollen. Die zweite richtet sich gegen Leute, die rote Schuhe tragen. Und die dritte fordert, dass alten Leuten der Zugang zum Bahnhof erschwert wird.

«Durch diese Petitionen kommen wir ins Gespräch mit den Passanten», sagt Adrian Oesch von Reper. In den Gesprächen habe sich gezeigt, dass sich einige am Bahnhof unsicher fühlten; andere hätten Vorschläge, um den Bahnhof schöner und angenehmer zu gestalten.

Die Gassenarbeiter haben jedoch auch mit den Jugendlichen gesprochen. «Sie wissen, dass sie ein schlechtes Image haben», sagt Oesch. Die Jugendlichen wunderten sich jedoch, dass sie als unhöflich gälten. «Wir versuchen ihnen aufzuzeigen, wie ihr Verhalten wirkt, damit sie erkennen, wie die Passanten sie sehen», sagt Oesch. «So können die Jugendlichen ihr Benehmen anpassen und ändern.»

Runder Tisch: Unsicherheit «ist subjektiv»

Der Bahnhof sei der ideale Ort, um Leute zu treffen, sagt Cédric Barras, 24-jähriger Bahnhofbenutzer. «Hier hats viele Leute, und man weiss, dass man immer jemanden trifft.» Er sagte dies an der Diskussionsrunde, welche gestern Abend auf dem Freiburger Bahnhofplatz stattfand und den Aktionstag der Gassenarbeiter abschloss (siehe Haupttext).

30000 bis 40000 Leute gehen täglich beim Freiburger Bahnhof ein und aus. «Das Gebäude ist alt und entspricht mit seinen Strukturen nicht mehr unbedingt diesen Massen von Leuten», sagte der Bahnhof-Verantwortliche Christian Marchand. Vor allem die Türen seien ein Problem für den Passantenfluss. «Vielleicht entschärft sich das Problem, wenn der Bahnhofplatz neu gestaltet wird», sagte er. Das Bauprojekt der Stadt Freiburg (die FN berichteten) ist jedoch zurzeit wegen Geldmangels auf Eis gelegt.

Ein Ort für die Jugendlichen

Jean-Charles Beaud von Reper fragte, wieso es denn beim Bahnhof keinen Ort mehr gebe, an dem sich die Jugendlichen ohne zu konsumieren und ohne zu stören aufhalten könnten – wie zum Beispiel einen Wartesaal. «Bahnhöfe mit Wartesälen haben grosse Probleme damit», antwortete Marchand.

Martial Pittet, Vizepräsident der Freiburger Rentnervereinigung, berichtete von der Angst, welche ältere Leute im Bahnhof hätten. «Viele nehmen abends keinen Zug mehr, weil sie nicht durch den Bahnhof gehen wollen.» Er betonte, die Seniorinnen und Senioren fürchteten sich nicht vor Jugendlichen; «viele haben aber Angst vor all den Leuten, die im Bahnhof herumhängen, sich auf die Treppen setzen oder vor dem Lift stehen».

Charly Perrottet, Vize-Chef der Bürgernahen Polizei, meinte dazu, im Bahnhof Freiburg würden nicht mehr Delikte verzeichnet als in anderen Bereichen der Stadt. «Das Unsicherheitsgefühl ist rein subjektiv», sagte er. «Die meisten Polizeieinsätze im Bahnhof drehen sich um Lärmstörungen und Unhöflichkeiten.» njb

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