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Private zögern mit dem Entscheid

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Die Industriellen Betriebe (IB) Murten haben bis Ende 2015 einen Drittel ihrer verfügbaren Fernwärmekapazität verkauft. Dies erklärte Gemeinderat Andreas Aebersold anlässlich der letzten Generalratssitzung. Doch der weitere Ausbau gestalte sich schwieriger als angenommen. Für Charles Nicolas Moser, Direktor der Industriellen Betriebe, kommen diese Schwierigkeiten nicht überraschend. Die IB Murten müssen zwar ihre Anstrengungen verstärken, um neue Kunden zu gewinnen. Der Entscheid für das Fernwärmenetz sei aber nach wie vor sinnvoll, meint Moser.

 

 Sind Sie zufrieden mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes in Murten?

Das Kraftwerk am Irisweg verfügt über eine Maximalleistung von 4,8 Megawatt. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, bis Ende 2015 rund zwei Megawatt theoretische Maximalleistung zu verkaufen. Dieses Ziel haben wir übertroffen. Im Moment haben wir auf unseren Businessplan einen Vorsprung. Betrachtet man die reale durchschnittliche tägliche Leistung, haben wir einen Drittel der Kapazität verkauft.

 

 Dass das Kraftwerk erst zu einem Drittel ausgelastet ist, war also so eingerechnet?

Eine solche Anlage baut man nicht für fünf oder zehn Jahre, sondern für 40 Jahre. Entsprechend stellten wir uns darauf ein, dass wir nicht von Anfang an alle potenziellen Kunden bereits am Netz haben. Denn mit dem Bau des Heizkraftwerks ist es ja noch nicht getan. Zuerst müssen wir ein Netz an Leitungen und Anschlüssen aufbauen. Dieser Aufbau braucht Zeit, da wir ja nicht alle Strassen miteinander aufreissen und die Leitungen verlegen können.

 

 Sie sind gut gestartet, doch offenbar stockt der weitere Ausbau. Wo hapert es?

Wir konnten bis jetzt die grossen Bauten wie das Spital, das Hallenbad, das Museum oder auch Hotels anschliessen. Nun verbleiben vor allem private Kunden. Diese beurteilen die Investitionen anders: Ein Hotelbetrieb gewichtet die Zuverlässigkeit der Fernwärme höher als Private und ist auch bereit, dafür entsprechend zu investieren. Für den Privaten wiegen hingegen die Investitionskosten schwerer als für die grossen Kunden.

Inwiefern kommen Ihnen die tiefen Energiepreise in die Quere?

Aufgrund des tiefen Ölpreises warten viele private Kunden mit einem Ölbrenner mit einem Entscheid für die Fernwärme. Das bremst uns zuweilen aus. Wollen wir unser Netz ausbauen, brauchen wir Kunden, die bereit sind, sich an das Netz anzuschliessen. Wir stehen dabei vor einer schwierigen Frage: Wie weit sollen wir mit einem Ausbau warten, bis wir in einem Quartier genügend Kunden haben? Im Moment schliessen wir zum Beispiel die Deutsche Kirchgasse an. Wir haben dort verschiedene Kunden, die lieber noch warten wollen, weil sie ihre Ölheizungen noch nicht ersetzen müssen und zugleich der Ölpreis tief ist.

 

 War diese Entwicklung absehbar?

Die Energiepreise sind bereits in den letzten Jahren gesunken und schwankender geworden. Das wird sich wohl in absehbarer Zeit nicht ändern oder eher noch zunehmen. Dass der Ausbau nun etwas harziger verläuft, überrascht uns deshalb nicht. Wir wissen natürlich, dass wir in der Energiebranche stets von der geopolitischen Lage abhängig sind, die den Ölpreis beeinflusst. Dazu sind wir auch abhängig vom Klima. In milden Wintern wie dem vergangenen wird weniger geheizt, und das spüren wir.

 

Macht der schwankende Ölpreis die Situation für die IB Murten weniger berechenbar?

Tatsächlich ist das eine Herausforderung für uns. Ich glaube aber, wir haben nicht nur Kunden, die ausschliesslich auf das Portemonnaie schauen. Das Umweltbewusstsein nimmt zu. Dazu kommen politische Entscheidungen, wie die Energiestrategie 2050, welche Energiequellen wie die Fernwärme begünstigen können. Trotz tiefer Energiepreise entwickelt sich die Fernwärme langfristig positiv.

Die Situation für die IB Murten ist also nicht dramatisch?

Wenn wir eine langfristige Investition wie das Heizkraftwerk treffen, dürfen wir uns nicht von kurzfristigen Ereignissen oder Entwicklungen ablenken lassen. Wir glauben an diese Energieform und wollen sie fördern. Wir müssen uns im Wettbewerb gegen Technologien wie Öl- oder Gasheizungen, aber auch gegen Wärmepumpen durchsetzen. Wir müssen die Vorteile der Fernwärme hervorstreichen. Wir müssen mehr Überzeugungsarbeit leisten, indem wir etwa mehr Kundengespräche führen, Informationsveranstaltungen machen oder auch Informationsmaterial drucken.

 

 Die IB Murten haben also die Heizzentrale gebaut, obwohl sie gesehen haben, dass die Gewinnung von Kunden phasenweise schwierig werden könnte?

Uns war bewusst, dass der Ölpreis einen wichtigen Einfluss auf die Investitionsbereitschaft der Kunden haben wird. Für uns gab es trotzdem Argumente für den Bau der Heizzentrale. Einerseits konnten wir mit der Fernwärme ein neues Geschäftsfeld erobern, das unserer Stärke von leitungsgebundener Energie entspricht. Andererseits passt der Bau in das energiepolitische Umfeld in der Schweiz, in welchem nachhaltige Energieformen langfristig gestärkt werden sollen.

 

 Also ist der Bau des Heizkraftwerks auch ein politischer Entscheid, der nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu sehen ist?

Der Bau war ein strategischer Entscheid des Verwaltungsrates. In diesem ist die Gemeinde Murten als unsere Eigentümerin vertreten. Von dem her könnte man das durchaus so sehen.

 Würde man heute nochmals gleich entscheiden?

Ich kann natürlich nicht für den Verwaltungsrat sprechen. Aber ich gehe davon aus, dass er sich heute wieder für den Bau des Kraftwerks entscheiden würde.

 

 Was bedeutet der stockende Ausbau aus finanzieller Sicht?

Weil wir uns einen Vorsprung auf die Planung erarbeitet haben, bewegen wir uns trotz stockendem Ausbau nach wie vor im Budget. Das Kraftwerk kann in der Anfangsphase noch nicht selbsttragend sein. Wann wir genau aus der Verlustzone kommen, können wir erst im Verlaufe des Sommers abschätzen.

 

 Fühlen Sie sich von der Murtner Politik genug unterstützt?

Die Politik setzt die Rahmenbedingungen, und wir ziehen daraus aus unternehmerischer Sicht die Konsequenzen. Ende 2013 lehnte der Generalrat Murten eine Subventionierung von Fernwärmeanschlüssen ab. Die IB Murten entschieden als Folge, einen Teil dieser Subventionierung zu übernehmen und ihren Fernwärmekunden einen Rabatt auf die einmalige Anschlussgebühr zu geben, wenn sie sich während dem Bau des Netzes sofort für einen Anschluss entscheiden. Wir können uns nicht abhängig machen von politischen Entscheiden. Denn die Investition ist getätigt. Nun müssen wir alles daran setzen, dass wir die Anlage gut nutzen und die Wärme verkaufen können. Dafür ist jede Massnahme willkommen, die uns hilft, dieses Ziel zu erreichen. Das können Massnahmen der Gemeinde sein oder Massnahmen, die wir selber umsetzen. 

Welche Auswirkungen hat dieser Rabatt auf die Gemeinde Murten?

Selbstverständlich ist der Rabatt eine Investition und schmälert unsere Einnahmen. Die Investition beeinflusst damit indirekt auch die Ausschüttung an die Stadt Murten. Wir schreien aber nicht nach Subventionen. Für mich als Direktor muss die Heizzentrale rentieren, ob mit oder ohne Subventionen der Gemeinden. Auf dieses Ziel richten wir uns aus.

 

 Gibt es eine Perspektive, bis wann das Heizkraftwerk ausgelastet sein soll?

Im Moment verfügt das Kraftwerk über eine Maximalleistung von 4,8 Megawatt. Diese Leistung möchten wir innerhalb der nächsten zehn Jahre verkauft haben. Wir haben das Heizkraftwerk zudem so gebaut, dass wir die Leistung noch auf rund neun bis zehn Megawatt verdoppeln könnten, darum ist der Bau auch so gross.

 Wann wird das Kraftwerk rentabel?

Den Break-even werden wir in den nächsten zwei bis drei Jahren erreichen. Dann sind die Aufwendungen des Betriebes durch dessen Erträge gedeckt. Bis die Abschreibungen und die Kapitalkosten gedeckt sind, wird es aber noch etwas länger dauern.

Charles Nicolas Moser. Bild sos

«Trotz tiefer Energiepreise entwickelt sich die Fernwärme langfristig positiv.»

Charles Nicolas Moser

Direktor Industrielle Betriebe Murten

Zur Chronologie

Generalrat lehnte Subventionierung ab

2012 lancierte der Murtner Generalrat mit einem Kredit von zwei Millionen Franken den Bau des gemeindeeigenen Fernwärmenetzes. Im Dezember 2013 lehnte er jedoch eine Subventionierung von Anschlüssen an das Fernwärmenetz ab. Nach einer rund einjährigen Bauzeit nahm die Heizzentrale am Irisweg im Herbst 2015 ihren Betrieb auf.sos

 

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