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Prognosen – oder: Ich glaub, was ich will

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Prognosen sind in die Zukunft gerichtete Statistiken. Und wie das Bonmot sagt: «Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast». Prognosen können zwar nicht wirklich gefälscht werden. Aber man kann sie optimieren, so dass damit (fast) alle Massnahmen begründet werden können. Sollte sich die Welt nicht wie prognostiziert entwickeln, kann man immer noch auf das Kurzzeitgedächtnis der Menschen setzen, das die einstmals als sicher verkaufte Prognose rasch vergessen lässt.

Politische Prognosen spielen in unserer hoch entwickelten Welt, in der insbesondere die westlichen Demokratien Sicherheit, Wohlbefinden und Risikoabsicherung aller Art versprechen, eine zentrale Rolle. Die Qualität der Zukunftsannahmen reicht dabei von ziemlich gut berechenbar über scheingenau bis hin zu Wunschdenken.

Zur letztgenannten Gruppe zähle ich die letztes Wochenende von immerhin fast der Hälfte der Stimmenden gemachte Prognose, dass die Schweiz in den nächsten 30 Jahren keine leistungsfähigen Kampfflugzeuge mehr brauche. Dass Europa angesichts der russischen Kampfeinsätze auf unserem Kontinent (traditionelle Kriegsführung), des feststellbaren Erstarkens der chinesischen Armee (herkömmliche Waffensysteme) und des amerikanischen Rückzugs mehr in seine Gesamtverteidigung investieren und die Schweiz hierzu ihren Sachbeitrag leisten muss, kommt in dieser Prognose nicht zur Geltung. Die knappe Mehrheit der Stimmbevölkerung dürfte mit ihrer Annahme zur künftigen Entwicklung deshalb wohl richtiger liegen.

Anders gelagert ist der Bereich Altersvorsorge. Da zeigt sich seit mindestens zehn Jahren, dass die düsteren Prognosen grossmehrheitlich zutreffen. Die Berechenbarkeit der entscheidenden Parameter (unter anderem Demografie, Lebenserwartung, Vermögenserträge) macht die Prognose leichter. Trotz dieser soliden Voraussagen tun sich Politik und Gesellschaft ausgesprochen schwer, prognose-gerechte Massnahmen im Hier und Jetzt zu treffen.

Genau scheinen auch die Prognosen im Bereich der Klimaveränderung zu sein, wo mit grossem wissenschaftlichen Aufwand und neusten Erkenntnissen berechnet wird, um wie viel Zehntelgrad sich die Erdatmosphäre erwärmen wird. Für viele dürften diese Prognosen letztlich schwer einzuordnen sein. Im Gegensatz zur Altersvorsorge wird aber gerade hier präzis definierten Notmassnahmen das Wort geredet, deren Umsetzung keinesfalls aufgeschoben werden dürfe, damit die Klimaerwärmung zielgenau lediglich zwei Grad betragen werde – im Jahr 2100.

Prognose-Störefriede können jederzeit und überall auftreten. Wer hätte denn 2008 eine Finanzkrise erwartet, welche die Staaten zur ungesunden Ausweitung der Staatsschulden und die Zentralbanken zur Explosion der Geldmengen verführte, indem sie diese öffentlichen Schulden aufkauften? Auch mit der aktuellen Pandemie hatte niemand wirklich gerechnet, obschon sie in sämtlichen Staaten fein säuberlich als eines der grössten Risiken geführt wurde. Gerade diese beiden Beispiele haben einen tief greifenden und lang anhaltenden Einfluss auf die Finanzierung unserer Altersvorsorge-Systeme und der Massnahmen im Umwelt- und Energiebereich.

Jede Prognose trägt somit die Gefahr in sich, früher oder später den Kontakt mit der Wirklichkeit nicht zu überleben. Allerdings: Ohne Prognosen, keine Planung. Ohne Planung, keine Massnahmen. Letztere aber sind die eigentliche Nagelprobe und haben zudem einen Rückkoppelungseffekt auf die Prognosen. Wenn Politik und Gesellschaft nicht bereit sind, möglicherweise einschneidende Massnahmen umzusetzen, vertröstet man sich auf später, schönt die Prognosen oder setzt gar zum Vornherein auf wenig glaubwürdige Zukunftsannahmen.

Vor Prognosen sollte man sich folglich in Acht nehmen. Und mehr Demut ist angezeigt, wenn aus ihnen konkrete Massnahmen abgeleitet werden. Es könnte nämlich auch anders kommen – und dazu sollte man ehrlicherweise stehen.

Silvan Jampen ist als Unternehmensjurist tätig und wohnt mit seiner Familie in Kerzers. Im Rahmen der FN-Gastkolumne äussert er seine persönliche Meinung zu gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Themen.

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